Die Ungarin Erika Csomor lässt sich im Ziel des Ironman Switzerland von den Zuschauern feiern.

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Erika Csomor im Ziel des Ironman Switzerland 2012
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Ironman Switzerland Erika Csomor beendet ihre Wartezeit

Langstrecke | 15. Juli 2012
Die Ungarin Erika Csomor hat den Ironman Switzerland gewonnen. Bei widrigen Wetterbedingungen setzte sich die 38-Jährige beim Laufen souverän gegen die Britin Bella Bayliss durch. Simone Brändli schaffte es bei ihrem Heimrennen aufs Podium, während Topfavoritin Nikki Butterfield aus Australien auf Platz 14 enttäuschte.
Vier Jahre Warten. Eine Ewigkeit. Und dann dieser Zieleinlauf, die letzten Meter über den blauen Teppich ins Ziel des Ironman Zürich. Jeder Schritt verursacht ein platschendes Geräusch, so hat sich der Teppich vollgesogen im Regen. Aber Erika Csomor genießt die letzten Schritte, jeden einzelnen. In 9:20:16 Stunden gewinnt die 38-Jährige ein Rennen durch Hagel, Regen und Wind. 
„Ich habe mich schon gefragt, ob ich mental zu schwach bin zum Gewinnen“, erklärt Erika Csomor im Anschluss an das Rennen in der Pressekonferenz, „ob ich vielleicht einfach zu weich bin.“ Ihren letzten Ironman-Sieg hat sie 2008 in Arizona  gefeiert. „Ich war einfach zu oft Zweite in den letzten Jahren“, sagt sie, „deshalb ist es jetzt besonders schön.“ Die Ungarin hat schon in so vielen Medienrunden nach Weltklasse-Triathlonrennen gesessen – und immer wieder nach links und rechts geschaut, wenn andere Athletinnen davon berichtet haben, wie schön es sich doch anfühlt zu gewinnen. Bei Csomor jedoch ist in den vergangenen Jahren immer wieder die Rede von der Vielstarterin gewesen, von der Frau, die sich zu viele Rennen aufbürdet. Dass die inzwischen 38 Jahre alte Spitzenläuferin seit der Challenge Roth 2008 – bei der sie Zweite wurde – eine Bestzeit von 8:47:05 Stunden hat, wird häufig vergessen. Genauso, dass sie zu denjenigen Athletinnen gehört, die niemals abgeschrieben werden dürfen, wenn es im Marathon zur Sache geht.

Csomor und Bayliss machen gemeinsame Sache

Genauso ist es auch in Zürich: Viele haben „Vielstarterin“ Csomor nicht auf der Liste, nachdem sie zwei Wochen zuvor beim Hitzerennen in Klagenfurt Zweite hinter Linsey Corbin (USA) geworden ist. Dazu hat sie nach dem Schwimmen (1:02:12 Stunden) im Zürisee auch bereits einen gewohnt großen Rückstand auf die Spitze. Als Erste des Profifeldes kommt Mitfavoritin Simone Brändli aus dem Wasser nach 55:27 Minuten. Die Zweite des Ironman Lanzarote und letztjährige Gewinnerin des Ironman Cozumel setzt sich auf dem Rad bald gut in Szene, bei Streckenhälfte führt sie nur gut 40 Sekunden vor ihrer Landsfrau Regula Rohrbach, aber Csomor und auch die vielfache Ironman-Siegerin Bella Bayliss aus Schottland liegen fast sechs Minuten zurück. Doch offenbar kommen die erfahrenen Athletinnen ganz gut mit den extrem harten Bedingungen zurecht und treiben sich gegenseitig voran. 
Zu viele Rennen haben insbesondere Bayliss und Csomor in ihrer Karriere gegeneinander bestritten, als dass sie sich auf dem Rad nur eine Sekunde lang aus den Augen lassen. Und so drücken sie gemeinsam in der Verfolgung aufs Tempo: Bei Kilometer 150 ist der Abstand auf die Führende Brändli auf drei Minuten zusammengeschrumpft. Als das Duo Bayliss/Csomor vom Rad steigt, haben die beiden Routiniers Regula Rohrbach bereits eingeholt, Brändli liegt nur noch zwei Minuten vor ihnen.

Entscheidung im Marathon

Es ist klar, um was es anschließend geht; wer im Marathon das Tempo höher legt und wer besser mit den Schmerzen umgehen kann. „Als es beim Radfahren so gehagelt hat, waren das mal andere Schmerzen als sonst“, sagt Csomor nach dem Rennen scherzhaft. Doch im Marathon sorgt sie früh für klare Verhältnisse: Die erste von vier Laufrunden ist längst nicht beendet, da ist sie bereits in Führung. Hinter ihr läuft die Australierin Nikki Butterfield mit vollem Risiko und zwischenzeitlich auf Rang zwei. Für einen kurzen Moment scheint es, als könnte die Australierin diejenige sein, die Csomor dieses Mal auf den zweiten Rang verweist. Aber Butterfields Traum vom Sieg zerplatzt heftig – sie wird am Ende enttäuschte 14. 
Stattdessen baut Erika Csomor ihren Vorsprung auf Bella Bayliss kontinuierlich aus, auf zwei, vier und am Ende gut fünf Minuten. Simone Brändli läuft als Dritte ins Ziel am Ende eines harten Tages, an dem nach dem Zieleinlauf alle vor allem vom Wetter sprechen. Sie tragen wärmende Kleidung, nur Csomor nicht. Bei der Pressekonferenz sitzt sie im Rennanzug und lächelt strahlend – so ein Sieg nach Jahren des Wartens wärmt ungemein.
Ironman Switzerland | Frauen
15. Juli 2012, Zürich
NameNationGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1Erika CsomorHUN9:20:161:02:125:03:473:11:37
2Bella BaylissGBR9:25:5459:455:05:263:16:50
3Simone BrändliSUI9:30:5855:275:08:003:23:53
4Regula RohrbachSUI9:35:101:02:115:03:253:26:23
5Monique GrossriederSUI9:55:401:03:525:28:323:18:21
6Barbara TesarAUT9:58:261:07:465:17:493:29:12
7Katharina GrohmannGER10:00:221:15:275:29:353:11:59
8Stephanie JonesUSA10:04:551:08:205:20:293:30:56
9Simone WeberSUI10:09:3657:145:28:293:39:48
10Anna KuschGER10:09:531:03:485:28:093:33:52

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