Regensburg Fachbach nutzt die Riesenchance

Langstrecke | 7. August 2011
In einem merkwürdigen Rennen, das offenbar keiner so richtig gewinnen wollte, nutzte Markus Fachbach die einmalige Chance zu seinem ersten Ironmansieg. Im Regensburger Regen bewies der 28-Jährige den besten Durchblick. Zwei Altmeister narrten den Rest des Profifelds.
Der Ironman Regensburg bleibt in deutscher Hand. Im Jahr nach dem Premierensieg von Faris Al-Sultan kletterte Markus Fachbach in seinem zwölften Anlauf auf den Ironman-Thron. Dabei profitierte der 28-Jährige vom Commerzbank Triathlon-Team zwar auch von der ungewöhnlichen Spendensammlung des Topfavoriten Andreas Raelert, letztendlich war er in dem kleinen Profifeld aber als einziger dazu bereit, alles für den Sieg zu geben.

Hochgehen oder Siegen

"Lieber gehe ich beim Laufen hoch, als dass ich mir danach vorwerfen muss, nicht alles getan zu haben", hatte Fachbach am Tag vor dem Rennen angekündigt. Und er hat alles getan. Nur mühsam und mit einem gequälten Lächeln gelang es dem zurückhaltenden Mann aus dem Westerwald das Zielbanner in den wolkenverhangenen Himmel von Regensburg zu recken. Zuviel Kraft hatte sein fast achteinhalb Stunden langer Arbeitstag gekostet. Am Ende war sogar froh darüber, überhaupt das Ziel erreicht zu haben. Heftige Magenkrämpfe brachten ihn nach bei Halbzeit des Marathons an den Rand der Aufgabe. So hätte ein Tag, an dem für Fachbach sieben Stunden lang alles nach Plan gelaufen war, beinahe noch in einem Fiasko geendet.

Oldie überrascht Fachbach und Co.

Kontrolliert war Fachbach am Morgen in seine erste Langdistanz der Saison gestartet. Probleme mit der Achillessehne hatten seinen geplanten Start zwei Wochen zuvor in Frankfurt verhindert. Nur der Griesheimer Horst Reichel und der Niederländer Bas Diederen schlugen im Guggenberger See vor den Toren der Weltkulturerbestadt Regensburg ein höherer Tempo an: Nach knapp 47 Minuten freute sich Diederen über den inoffiziellen Titel des schnellsten Schwimmers als hätte er das Rennen schon gewonnen. Für Fachbach, der weniger als 30 Sekunden auf das Duo einbüßte und mit einem tiefenentspannten Andreas Raelert das Wasser verließ, setzte danach alles daran, möglichst schnell die Lücke zu Geheimfavorit Reichel zu schließen. Schon nach 24 Kilometern - im Anstieg nach Brennberg war diese Mission erfüllt und ein schlagkräftiges Duo entstanden, das die folgenden zwei Rennstunden bestimmte.
Erst bei der zweiten Durchfahrt an eben jenem zwölf Kilometer langen Scharfrichter zerbrach die Allianz - weil Fachbach sein offensives Versprechen wahrmachen wollte und der zwei Wochen zuvor in Frankfurt gescheiterte Reichel sich offenbar etwas übernommen hatte. Das nutzte nur wenige Kilometer später auch Frank Vytrisal. Bei immer wieder einsetzenden Schauern flog der Oldie aus Darmstadt förmlich an seinen zum Teil 15 Jahre jüngeren Konkurrenten vorbei und stellte nach zwei Dritteln der Radstrecke schließlich auch Reichel. Doch zur Überraschung fast aller Beobachter ging der 44-Jährige danach auch noch auf die Jagd nach dem Führenden Markus Fachbach. Mit Erfolg. 30 Kilometer vor dem zweiten Wechsel setzte sich Vytrisal an die Spitze. Weil Fachbach - wohlwissend beim Marathon der deutlich Stärkere zu sein - kein Interesse hatte, den Altmeister aufzuhalten, baute dieser seinen Vorsprung noch bis auf zweieinhalb Minuten aus.

"Megacooler" Eidgenosse

Fachbachs Rechnung ging auf. Schon kurz hinter der Vier-Kilometer-Marke holte sich der Kadenbacher die Führung zurück und gab sie auch nicht wieder her. Wer aber gedacht hatte, Vytrisal würde von starken Läufern wie Nils Goerke, Horst Reichel und anderen im weiteren Rennverlauf nach hinten durchgereicht, lag daneben. Mit der Gelassenheit und Erfahrung seiner 44 Jahre verteidigte der passionierte Lehrer den Podiumsplatz. Weder Goerke, der nach fünf Laufkilometern frustriert und mit starken Rückenschmerzen das Rennen aufgab, noch Reichel oder der überraschend starke Niederländer Bas Diederen, der letztlich Fünfter wurde, bekamen Vytrisal zu fassen. Ausgerechnet der Schweizer Stefan Riesen, mit 37 Jahren auch einer der erfahreneren im Feld, luchste ihm den zweiten Rang auf dem letzten Kilometer noch ab. "Megacool" fand das der Eidgenosse im Ziel. Kein Wunder - schließlich war er in dieser Saison schon bei seinem Heim-Ironman in Zürich und dem Kälterennen in Frankfurt gescheitert. Markus Fachbach blieb dieses Schicksal in der Oberpfalz erspart. 8:29:16 Stunden zeigte die Zieluhr in der Flucht des weltberühmten Regensburger Doms als der "Youngster" im Commerzbank-Trikot mit wackligen Beinen den ersten Ironmantitel seiner Karriere zementierte.
Ironman Regensburg
7. August 2011, Regensburg
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Markus FachbachGER47:194:39:372:58:118:29:16
2Stefan RiesenSUI52:324:38:453:00:038:36:54
3Frank VytrisalGER50:224:33:373:07:508:37:12
4Horst ReichelGER46:514:47:203:03:078:42:07
5Bas DiederenNED46:484:52:222:59:008:42:34
6Lothar LederGER50:134:48:503:02:368:45:30
7Kyle BuckinghamRSA49:584:54:523:05:558:56:22
8Rene VallantAUT52:544:45:543:12:428:56:50
9Nicolas BeyelerSUI56:084:42:113:14:188:57:17
10James KimberleyGBR50:075:01:023:01:278:58:50