Frodeno gewinnt Saisonauftakt in Auckland

Mit überlegener Leistung und cleverer Renneinteilung hat Jan Frodeno den Ironman 70.3 in Auckland gewonnen. Beim Schwimmen und Radfahren zeigte er keine Schwäche - und drehte dann beim Laufen richtig auf. Das Frauenrennen gewann Catriona Morrison.

Von > | 18. Januar 2014 | Aus: SZENE

Frodeno_Aucklanddc | Ironman 70.3 Auckland

Ironman 70.3 Auckland

Foto >Delly Carr

Für einen kurzen Moment könnten die Zuschauer, die es bei den Ironman 70.3 Asia-Pacific-Championships in Auckland mit Jan Frodeno hielten, nervös geworden sein. Im August hatte den Olympiasieger von 2008 bei seiner 70.3-Premiere in Wiesbaden ein verschwundener Beutel mit seinen Laufschuhen wohl rennentscheidend zurückgeworfen - und auch beim Ironman 70.3-Rennen in Auckland ließ der 32-Jährige die Zuschauer am Ausgang der Wechselzone ein wenig warten. Doch sein zweiter Wechsel war der einzige Teilabschnitt, in dem Jan Frodeno die Konkurrenz an diesem Tag für einen kurzen Moment aus den Augen ließ. Zuvor - und danach - hatten die Gegner selbst genug damit zu tun, den Deutschen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.

Frodeno erst offensiv, dann taktierend

"Ich habe mich einfach den ganzen Tag über gut gefühlt", sagte Frodeno im Ziel - und genau das auch schon beim Schwimmen in Leistung umgesetzt. Dort hatte sich der 32-Jährige früh an die Spitze gesetzt und einige der hoch gehandelten Konkurrenten bereits ins Schwitzen gebracht: Nur drei Konkurrenten konnten auf den ersten 1,9 Kilometer Frodenos Füße halten und rannten wenige Sekunden hinter dem Deutschen zu ihren Rädern. Erst rund eine halbe Minute später folgte eine größere Gruppe um Lokalmatador Terenzo Bozzone (NZL) - und noch eine halbe Minute später der dreimalige Ironman-Weltmeister Craig Alexander (AUS).

Eine komfortable Ausgangssituation, die Frodeno in gewohnter Manier eines Kurzdistanz-Athleten zu nutzen versuchte - indem er in die Offensive ging: "Ich habe auf den ersten Kilometern ordentlich Druck gemacht", erklärte Frodeno im Ziel. "Aber wenn sich hinter Dir eine zwölf Mann große Gruppe formiert, dann hat das auf Dauer nicht sehr viel Sinn." So ließ der Saarbrücker von der aggressiven Renngestaltung früh wieder ab und reihte sich in eine über weite Teile des Radkurses elf Mann große Radgruppe um Terenzo Bozzone, Bevan Docherty (beide NZL) und Titelverteidiger Christian Kemp (AUS) ein. Nur der US-Amerikaner Andrew Yoder, bisher vor allem in US-amerikanischen Kurzdistanzrennen als starker Radfahrer aufgefallen, setzte sich nach vorne ab. Mehr als zwei Minuten ließen Frodeno und seine Begleiter aber auch den Radspezialisten nicht ziehen - und hielten gleichzeitig die zurückliegende Verfolgergruppe um Craig Alexander und Cameron Brown (NZL) auf Distanz.

Cunningham dreht auf

"Auf den letzten Radkilometern hat Terenzo Bozzone dann noch einmal auf das Tempo gedrückt", erzählte Frodeno - so setzte sich der Kiwi gemeinsam mit dem Deutschen und Christian Kemp noch um einige Sekunden von den einstigen Begleitern ab. Beim Wechsel zum Laufen verlor Frodeno dann einige Sekunden auf die deutlich schneller wechselnden Bozzone und Kemp. Das allerdings machte der 32-Jährige scheinbar mühelos wieder wett: Nach wenigen Kilometern hatte Frodeno die beiden Konkurrenten bereits überholt, auch den Ausreißer Yoder, der das Rennen als 22. beendete, überholte er schnell - nach fünf Kilometern hatte sich Jan Frodeno bereits rund 45 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger herausgelaufen. "Auf der Laufstrecke habe ich dann einfach meinen eigenen Rhythmus gesucht und gefunden", sagte Frodeno, der in der Folge kontrolliert, mit langen Schritten und gleichmäßigem Tempo, dem ungefährdeten Sieg entgegenlief. "Ich bin froh, bei meinem dritten Versuch auf dieser Distanz alles zusammengebracht zu haben", strahlte Frodeno im Ziel.

Hinter ihm entwickelte sich allerdings noch ein dramatischer Kampf um die verbliebenen Podestplätze: Schulter an Schulter kämpften sich Terenzo Bozzone und sein Landsmann Bevan Docherty über die erste Streckenhälfte - bis von hinten plötzlich der Australier Richie Cunningham aufschloss, der bei Bozzones Tempoverschärfung auf der Radstrecke zuvor 200 Meter auf die Konkurrenten verloren hatte. Sieben Tage vor seinem 41. Geburtstag schob sich der Rotschopf an die Spitze der Dreiergruppe und setzte die Konkurrenten mit einem progressiv gelaufenen Halbmarathon unter Druck. Mit Erfolg: nach rund drei Kilometern musste Docherty die beiden Konkurrenten ziehen lassen, auf den letzten beiden Kilometern entledigte sich der Australier auch noch des 13 Jahre jüngeren Bozzone.

Ironman 70.3 Auckland | Männer

  1. Januar 2014, Auckland (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Jan Frodeno

GER

3:45:40

21:43

2:10:33

1:12:47

2

Richie Cunningham

AUS

3:47:22

22:17

2:10:20

1:14:07

3

Terenzo Bozzone

USA

3:47:33

22:13

2:09:55

1:14:40

4

Bevan Docherty

NZL

3:47:44

22:10

2:10:11

1:14:42

5

Tim Reed

AUS

3:48:05

22:53

2:11:17

1:13:19

6

Cameron Brown

NZL

3:48:09

22:56

2:11:09

1:13:26

7

Craig Alexander

AUS

3:48:34

22:46

2:11:19

1:13:42

8

John Polson

AUS

3:48:52

22:53

2:11:32

1:13:58

9

Christian Kemp

AUS

3:50:30

22:16

2:10:02

1:17:36

10

Graham O'Grady

NZL

3:51:16

21:46

2:10:45

1:18:11

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Morrison fängt Luxford ab

Mit einer offensiveren Renngestaltung als Frodeno versuchte Annabel Luxford (AUS) ihr Glück im Rennen der Frauen - und hätte ihren Vorjahreserfolg damit auch fast wiederholt. Doch trotz eines soliden und konstant gelaufenen Halbmarathons wurde die Australierin wenige Kilometer vor dem Ziel noch von der Britin Catriona Morrison abgefangen: Zweieinhalb Minuten Vorsprung nach den ersten beiden Disziplinen vor Morrison und Kiwi Samatha Warriner reichten nicht ganz für Luxford, um ihren Vorjahressieg zu wiederholen - wohl aber für einen sicheren zweiten Rang: Rund neun Minuten mussten die beiden schnellsten Damen im Ziel warten, bis Joanna Lawn (NZL) das Podest komplettierte. Warriner, die zwischenzeitlich um eine Podestplatzierung kämpfte, erlebte auf der Laufstrecke einen schwarzen Tag und erreichte das Ziel mit 40 Minuten Rückstand als elfte Profi-Dame.

Ironman 70.3 Auckland | Frauen

  1. Januar 2014, Auckland (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Catriona Morrison

GBR

4:14:42

25:49

2:26:43

1:21:37

2

Annabel Luxford

AUS

4:15:28

24:03

2:25:51

1:24:55

3

Joanna Lawn

NZL

4:24:23

25:53

2:29:47

1:28:09

4

Michelle Bremer

NZL

4:28:59

28:49

2:27:00

1:32:39

5

Kym Jaenke

AUS

4:29:33

25:19

2:34:47

1:29:07

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