Frodeno vs. Kienle: Machtkampf am Mittelmeer

Am kommenden Wochenende kreuzen Sebastian Kienle und Jan Frodeno zum ersten Mal in dieser Saison die Messerspeichen. Beim lukrativen Cannes International Triathlon treffen sie auf den Belgier Bart Aernouts und den starken Franzosen Romain Guillaume. Auch Faris Al-Sultan hat für das Rennen an der Côte d'Azur gemeldet.

Von > | 16. April 2015 | Aus: SZENE

Cannes Triathlon 2013 - 07 | ... dann geht\'s los!

... dann geht's los!

Foto >José Luis Hourcade

Fünfmal trafen Jan Frodeno und Sebastian Kienle in der vergangenen Saison aufeinander. Dreimal ging es über die Mitteldistanz, zweimal standen 226 Kilometer auf dem Programm. Am Ende stand es 3:2 für Frodeno. Der Olympiasieger von 2008 entschied die 70.3-Rennen in Oceanside und St. George (USA) für sich und wurde bei den Weltmeisterschaften in Mont-Tremblant hinter Javier Gómez Zweiter. Kienle hatte dagegen bei beiden Langdistanzen die Nase vorn. Erst beeindruckte er seine Konkurrenten - darunter Frodeno - bei der Ironman-EM in Frankfurt. Dann schnappte sich der Badener auch noch den Ironman-WM-Titel. Frodeno landete jeweils auf dem dritten Platz. Die Vorzeichen für das erste Treffen der Saison 2015 am kommenden Sonntag - eine etwas verkürzte Mitteldistanz über zwei Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren und 16 Kilometer Laufen - scheinen also klar.

Zweikampf auf Augenhöhe

Frodeno wird Kienle auf den zwei 1.000-Meter-Runden im Mittelmeer problemlos abschütteln - daran bestehen kaum Zweifel. Weil im vermutlich um die 14 Grad kalten Wasser aber mit Neopren geschwommen wird, könnte Kienle den Rückstand an einem guten Tag in Grenzen halten. Der knifflige Radkurs durch die Berge des Département Alpes-Maritimes dürfte danach allerdings eher dem Ironmanweltmeister entgegenkommen. Nach 25 hügeligen Kilometern geht es in den knapp zehn Kilometer langen Anstieg (600 Höhenmeter) nach Saint-Vallier-de-Thiey hinauf und in rasanter Abfahrt wieder hinunter Richtung Cannes - zum zweiten Wechsel. Hier sollte Kienle zumindest ein kleines Polster auf Frodeno mitbringen, wenn er den Olympiasieger von 2008 auf dessen Paradedistanz bezwingen will. Dass auf dem schicken Boulevard de la Croisette nur 16 Kilometer (vier Runden) gelaufen werden, dürfte ansgesichts von Frodenos bekannter Laufstärke zumindest kein Nachteil sein. Seine Klasse in den Laufschuhen hat der 33-Jährige erst Ende März beim Ironman 70.3 California in Oceanside wieder eindrucksvoll präsentiert.

Unterschätzte Underdogs?

Viel Geld kann man vermutlich verdienen, wenn man auf den Sieg von einem der sieben Konkurrenten der beiden deutschen Stars tippt. Doch im Belgier Bart Aernouts und Romain Guillaume aus Frankreich haben die Veranstalter zwei Athleten verpflichtet, die wie Kienle und Frodeno zu den zehn besten Ironmanprofis der Welt gehören. Aernouts, 2014 Ironman-70.3-Europameister und Siebter der 70.3-WM war zuletzt in blendender Verfassung. Nach Platz vier bei der Challenge Dubai und einem Podium beim Ironman Südafrika muss man ihn in jedem Fall auf der Rechnung haben. Guillaume ist zwar eher ein Spezialist für die längere Distanz - schon vorher abschreiben sollte man aber auch ihn bei seinem Heimrennen nicht. Unterstützung bekommt Guillaume von Landsmann Frederic Belaubre, der zumindest beim Auftakt in den Fokus der Kameras rücken dürfte. Komplettiert wird das kleine, aber illustre Feld vom Italiener Guilio Molinari (2. Platz 2014), dem schwedischen Radpaket Björn Andersson, Kienles Schweizer Trainingskollegen Manuel Küng und Faris Al-Sultan, der seine Wettkampfsaison ebenfalls am Mittelmeer eröffnen wird.

Cannes Triathlon 2013 | Der frühere Kurzdistanz-Europameister Frederic Belaubre lässt sich sein Heimrennen auch in diesem Jahr nicht entgehen.

Der frühere Kurzdistanz-Europameister Frederic Belaubre lässt sich sein Heimrennen auch in diesem Jahr nicht entgehen.

Foto >José Luis Hourcade

Sieben auf einen Streich

Etwas weniger spektakulär liest sich die Startliste der Profifrauen, auf der sogar nur sieben Namen stehen. Darunter der von Ex-Ironmanweltmeisterin Leanda Cave. Die Britin schleppt sich seit ihrem Sieg in Kona allerdings mit eher mäßigem Erfolg durch die Triathlonwelt. In Cannes muss sie erneut eine harte Nuss knacken. Denn Michelle Vesterby, die frühere Siegerin des Ironman Lanzarote, liebt schwere Radstrecken und hat beste Erinnerungen an ihr letztes Mitteldistanzrennen. Das fand im August 2014 in Budapest statt. Und die Dänin gewann es. Nicht nur für ein optisches Highlight will die Kanadierin Jenny Fletcher sorgen, die neben dem Triathlon als Fotomodel arbeitet. Die Ungarin Erika Csomor, Martina Dogana aus Italien und die beiden Französinnen Jeanne Collonge und Charlotte Morel - Siegerin von 2014 - komplettieren das Feld der Frauen.

tri-mag.de wird das Rennen vor Ort in Cannes verfolgen und am Wochenende aktuell vom ersten Schlagabtausch zwischen Sebastian Kienle und Jan Frodeno berichten. Freuen Sie sich auf Interviews, einen ausführlichen Rennbericht und spektakuläre Bilder von der Côte d'Azur.