Ironman-Debüt in Arizona Frommhold gewinnt zum Einstand

Langstrecke | 18. November 2012
Was für ein Debüt: Nils Frommhold hat bei seinem Langdistanz-Einstand prompt den Ironman Arizona gewonnen - und schrammte dabei nur um drei Minuten an der Acht-Stunden-Marke vorbei. Auch Christian Ritter schaffte es in Tempe unter die Top-Ten.
Als Nils Frommhold im Juli aus einer Laune und dem Gefühl heraus, nach der verpassten Olympiaqualifikation etwas anders machen zu müssen, bei der Challenge Walchsee startete und Dritter wurde, war er noch mit einem geliehenen Zeitfahrrad unterwegs. Als er sich dann wenig später entschloss, den Weg über die längeren Distanzen weiter verfolgen zu wollen und sich für den Ironman Arizona anmeldete, schrieb er auf seiner Website, "da wusste ich über das Rennen nur, dass Andreas Raelert es im Jahr 2008 gewonnen hat." Es war die Langdistanz-Premiere des Rostockers. Wenige Monate zuvor hatte er die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking verpasst.

Als Erster aus dem Wasser

Man hätte also vielleicht erahnen können, wozu Nils Frommhold auch nach einer Saison 2011, in der er fast komplett wegen Verletzungen aussetzen musste, in der Lage ist. Er selbst tat das vor dem Start nicht. Als "Testlauf für neue Herausforderungen" hatte er das Rennen im Vorfeld bezeichnet. Dazu, was er sich vornehme, könne er "selbst nichts so richtig sagen." Er probierte es einfach. Und es passte, und zwar vom ersten Meter bis zum allerletzten der 226.000.
Schon beim Schwimmen drückte Frommhold dem Rennen seinen Stempel auf, führte nach etwas mehr als 48 Minuten eine große Spitzengruppe von 14 Athleten, zu denen auch der Deutsche Christian Ritter, der Pole Marek Jaskolka und der Schweizer Jan van Berkel gehörten, zum ersten Wechsel und distanzierte damit die erste Verfolgergruppe um Georg Potrebitsch schon um über vier Minuten. So weit, mag mancher angesichts Frommholds sportlicher Vorgeschichte bis dahin gedacht haben, keine große Überraschung. Seine Schwächen hatte man eher in der zweiten Disziplin vermutet.

Starykowicz fliegt wieder, Frommhold bleibt ruhig

Doch auch da: Von physischen oder psychischen Problemen keine Spur. Der Deutsche bewahrte die Nerven und sortierte sich zunächst in eine Zehner-Spitzengruppe ein, die sich aus den besten Schwimmern gebildet hatte. Er wurde auch nicht nervös, als sich nach wenigen Kilometern der Sieger des erst vor zwei Wochen ausgetragenen Ironman Florida, Andrew Starykowicz (USA), ab- und zu seinem nächsten Husarenritt ansetzte. In 4:16:31 Stunden sorgte der Amerikaner nach 180 Kilometern erneut für eine Bestmarke auf der Radstrecke, unterbot den bisherigen Streckenrekord in der zweiten Disziplin um satte sechs Minuten. Doch er fiel prompt zurück, als es auf die Laufstrecke ging. Erst wurde er von Landsmann TJ Tollakson eingefangen - wenig später schon von Nils Frommhold, der sich nach etwa 150 Radkilometern als Solist von seiner immer kleiner werdenden Gruppe abgesetzt und hinter Tollakson als Dritter den zweiten Wechsel erreicht hatte. Und das mit einer Zeit, die ebenfalls nur 15 Sekunden über dem bis vor dem Startschuss gültigen Radstreckenrekord von Jordan Rapp (USA) im Jahr 2009 lag.
Und nach 14 Laufkilometern war es dann auch um den US-Amerikaner Tollakson geschehen: Denn dort übernahm Frommhold die Führung. In 82 Minuten absolvierte der 26-Jährige die erste Hälfte des Marathons und setzte sich danach weiter ab. Beobachter spekulierten noch darauf, dass sich der Debütant bei seiner Premiere übernehmen würde. Doch auf den großen Knall, Frommholds Einbruch, wartete die Konkurrenz auch in der Folge vergeblich. 33 Kilometer lang lief der Potsdamer ein konstantes Rennen, baute seinen Vorsprung auf seine schnellsten Verfolger, die US-Amerikaner TJ Tollakson und Aussie Paul Matthews, auf fast vier Minuten aus - und rettete dieses Polster dann auch über die verbleibenden neun Kilometer. In 8:03:16 lief er knapp zwei Minuten vor dem Zweitplatzierten Matthews ins Ziel - und sammelte zugleich auch die ersten 2.000 Punkte fürs Kona Pro Ranking und einen möglichen Hawaiistart im Oktober 2013. Nebenbei gelang ihm genau das, was Andreas Raelert vier Jahre zuvor an gleicher Stelle geglückt war: der Sieg bei der Ironmanpremiere - im Jahr der verpassten Olympiaqualifikation. Christian Ritter erreichte als Neunter sein selbst gestecktes "Minimalziel" und kassierte dafür ebenfalls noch wertvolle Punkte für die "Weltrangliste" im Ironman. Georg Potrebitsch beendete "das Desaster", wie er das Rennen in Tempe auf seiner Facebook-Fanseite später selbst nannte, nach 25 Laufkilometern freiwillig. Der Schweizer Jan van Berkel zahlte vor allem auf der Laufstrecke viel Lehrgeld und landete im Ziel knapp vor Landsmann Mathias Hecht auf dem 13. Platz.
Ironman Arizona | Männer
18. November 2012, Tempe/Arizona (USA)
NameNationGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1Nils FrommholdGER8:03:160:48:194:22:452:48:09
2Paul MatthewsAUS8:05:010:48:274:24:312:48:30
3TJ TollaksonUSA8:07:390:48:344:19:032:56:04
4Tyler ButterfieldUSA8:14:440:52:284:26:022:52:05
5Jarmo HastFIN8:16:120:51:364:32:032:48:39
6Ian MikelsonUSA8:19:410:48:414:24:073:02:35
7Andrew StarykowiczUSA8:20:390:48:424:16:313:10:53
8Matthew RussellUSA8:30:531:05:414:25:462:54:21
9Christian RitterGER8:35:110:48:314:34:403:07:57
10Thomas GerlachUSA8:36:080:54:294:28:543:08:52
12Marek JaskolkaGER8:38:290:48:334:50:032:55:16
13Jan van BerkelSUI8:40:260:48:304:24:313:23:48
14Mathias HechtSUI8:41:180:48:344:41:083:05:49

Corbin fängt Kessler ab

Deutlich dramatischer verlief am Tempe Town Lake das Rennen der Frauen. Bis Laufkilometer 30 diktierte die US-Amerikanerin Meredith Kessler das Geschehen. Acht Stunden lange machte sie ein einsames Rennen und lief auch zwölf Kilometer vor dem Ziel noch als Erste über die Zeitmessmatte. Kurz darauf schob sich ihre guten Freundin Linsey Corbin vorbei und übernahm die Führung in einem Rennen, das sie in den vorangegangenen Jahren drei Mal als Zweite beendet hatte. "Ich wollte endlich den Status der ewigen Zweiten loswerden. Erste oder Dritte - aber bloß nicht schon wieder Zweite!", so Corbin im Ziel. Und sie schaffte es. Zwar verfehlte die Siegerin des Ironman Austria die Neun-Stunden-Marke knapp - in 9:01:44 triumphierte die US-Amerikanerin aber letztlich deutlich vor Landsfrau Kessler, die erst zwei Wochen zuvor in Florida Vierte geworden war. Hawaiisiegerin Leanda Cave bestritt das Rennen nach eigener Auskunft vor dem Startschuss "nicht als Wettkampf, sondern nur zum Bestätigen" - und sicherte sich mit ihrem Finish als Sechste den Ironmanstart auf Hawaii im kommenden Oktober.
Ironman Arizona | Frauen
18. November 2012, Tempe/Arizona (USA)
NameNationGesamt3.8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1Linsey CorbinUSA9:01:440:59:1104:51:343:05:57
2Meredith KesslerUSA9:06:440:50:174:53:413:18:15
3Corinne AbrahamGBR9:15:131:04:594:54:053:11:47
4Sara GrossCAN9:18:070:59:425:06:233:07:09
5Mirjam WeerdNED9:24:300:55:164:57:143:26:16