Half Challenge Barcelona Gómez demontiert die Konkurrenz

Langstrecke | 19. Mai 2013
Javier Gómez ist seiner Favoritenrolle bei der Half Challenge Barcelona gerecht geworden und hat den ETU-Europameistertitel überlegen gewonnen. Auch die Dänin Camilla Pedersen dominierte die Konkurrenz, Ricarda Lisk wurde Vierte.
Immerhin: Etwa 25 Kilometer lang hatte Javier Gómez so etwas wie ehrfürchtigen Respekt. So lange nämlich hielt sich der Spanier bei seinem Premierenrennen auf der Mitteldistanz zurück, schwamm und rollte bei den ETU-Europameisterschaften im Rahmen der Half Challenge Barcelona einfach nur an der Spitze mit. Dann packte es den Spanier bei seinem Heimrennen aber doch. Und er ergriff die Initiative.

Toft und Jensen halten Kontakt

20 Sekunden hatte sich Gómez im Wasserschatten seines dänischen Begleiters Jens Toft zuvor bereits beim Schwimmen auf die schnellsten Verfolger um Tofts Landsmann Martin Jensen erarbeitet, sogar fast eineinhalb Minuten auf den Australier Chris McCormack. Und auch dem Rad beschränkte sich Gómez zunächst aufs Reagieren: Knapp 25 Kilometer lang verfolgte er seinen Begleiter Toft lediglich, bevor der Spanier auf einer kurvenreichen Abfahrt genug von der ungewohnten Zurückhaltung hatte: Mit einem kurzen Antritt riss der Galizier binnen weniger Meter eine deutliche Lücke zu dem Dänen. Und wurde in der Folge weder von dem, noch von einem der anderen Radspezialisten in der Verfolgung wieder gestellt.
Zwar ließen Toft und sein Landsmann Jensen den Konkurrenten Gómez nicht einfach so davonziehen, ganz mithalten konnten oder wollten die beiden Dänen aber auch nicht: Gemeinsam hielten sich die beiden starken Radfahrer rund 40 Sekunden hinter dem Spanier, bevor Jensen kurz vor dem zweiten Wechsel noch einmal das Tempo erhöhte, sich von Toft löste und wieder bis auf 20 Sekunden an Gómez heran fuhr. Ein Rückstand, der sich auf der Laufstrecke allerdings binnen weniger Kilometer vervielfachte: Nach drei Kilometern hatte Gómez sein Polster schon auf über eine Minute ausgebaut, nach elf Kilometern lag der Spanier sogar bereits dreieinhalb Minuten vor seinem schnellsten Verfolger Jensen in Front - und das, obwohl der Spanier von scheinbar überforderten Streckenposten auf den ersten Kilometern mehrfach keine oder missverständliche Anweisungen erhielt, zwischendurch sogar stehen blieb und sich fragend nach dem richtigen Weg umschaute.

McCormack nie in Schlagdistanz

Auch das konnte Gómez aber nur für einen kurzen Moment bremsen - sein Sieg und somit auch der Europameistertitel geriet nicht mehr in Gefahr. Nach einem Halbmarathonlauf über 1:11:49 Stunden auf dem verwinkelten Kurs lief der Spanier mit einem satten Vorsprung von sechs Minuten vor dem Dänen Jensen ins Ziel - und schien sich dabei noch nicht einmal verausgabt zu haben. "Meine Strategie: Hart Rad fahren und mich dann beim Laufen schonen, um mich möglichst schnell wieder für die WM-Serie zu erholen", meinte der Sieger später. Den dritten Platz verteidigte Jensens Landsmann Toft acht Minuten hinter Gómez. Chris McCormack verlor auch auf dem Rad weiter Zeit auf den Spanier an der Spitze und wechselte als Neunter sieben Minuten hinter Gómez auf die Laufstrecke, wo der Australier hart anlief und Platzierungen gut machte. Über den siebten Platz kam McCormack am Ende aber nicht hinaus.
Half Challenge Barcelona | Männer
19. Mai 2013, Calella (ESP)
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Javier GomezESP4:05:0723:252:29:061:11:49
2Martin JensenDEN4:11:1223:552:28:581:17:25
3Jens ToftDEN4:13:1323:222:30:211:18:40
4Jonathan CiavatellaITA4:14:2323:552:30:031:19:35
5Ritchie NichollsGBR4:15:2025:152:34:371:14:39
6Massimo CiganaITA4:15:3529:092:27:421:17:51
7Chris McCormackAUS4:16:0724:362:34:541:15:31
8Nikolay YaroshenkoRUS4:18:4323:482:34:301:19:31
9Raul Amatriain ArraizaESP4:18:4328:342:35:001:14:26
10Alberto CasadeiITA4:19:2323:532:34:141:20:22

Pedersen überlegen, Wutti nicht belohnt

Ganz ähnlich wie der Wettkampf der Männer startete auch das Rennen der Frauen: Dort war es eine Vierergruppe um die Polin Maria Czesnik, Camilla Pedersen (DEN), Holly Lawrence (GBR) und die Deutsche Ricarda Lisk, die auf den 1,9 Auftaktkilometern das Geschehen bestimmte und sich rund eineinhalb Minuten Vorsprung auf die schnellsten Verfolgerinnen erarbeitete. Dort zog sich die Spitze dann allerdings erwartungsgemäß weiter in die Länge, als das bei den drei Minuten früher gestarteten Männern der Fall war: Acht Minuten Vorsprung erarbeitete sich die Dänin Pedersen auf den anspruchsvollen 90 Kilometern auf das Verfolgerduo Eimear Mullan und Maria Czesnik, eine weitere Minute später folgte beim zweiten Wechsel Ricarda Lisk. Lediglich Eva Wutti fuhr auf dem Rad vergleichbar schnell wie die Dänin an der Spitze - doch weil sich die Österreicherin beim Schwimmen zuvor bereits drei Minuten Rückstand auf Pedersen eingehandelt hatte, erreichte auch sie als Zweitplatzierte den zweiten Wechsel mit deutlichem Rückstand auf die Führende. Ein Polster, das die wiederum sich auch auf dem abschließenden 21 Laufkilometern nicht mehr nehmen ließ und nach dem undankbaren vierten Rang im Kraichgau 2012 souverän den Europameistertitel einlief. Hinter Pedersen jedoch entbrannte jetzt ein packender Kampf um die übrigen Podestplätze bei den ETU-Europameisterschaften.
Denn nach elf Laufkilometern war die Irin Mullan bereits bis auf 30 Sekunden an die Zweitplatzierte Wutti herangekommen - und lediglich weitere 40 Sekunden später folgte auch bereits die Polin Czesnik, bevor erneut zwei Minuten später Ricarda Lisk über die Zeitmessmatte lief. Ein zu geringer Vorsprung für Wutti, die nach mutiger Renngestaltung auf der zweiten Hälfte des Halbmarathons vom Podest gestoßen wurde: Alle drei Verfolgerinnen überholten die Österreicherin noch und verwiesen sie auf den fünften Gesamtrang. Den zweiten Platz verteidigte indes die Irin Eimear Mullan vor Maria Czesnik, Ricarda Lisk hielt den Abstand zur Polin vor ihr konstant und wurde in ihrem ersten Mitteldistanz-Rennen - "etwas, wovon ich immer dachte, dass ich das nie machen werde", wie sie kurz vor dem Start twitterte - Vierte.
Half Challenge Barcelona | Frauen
19. Mai 2013, Calella (ESP)
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Camilla PedersenDEN4:36:1126:452:43:401:24:54
2Eimear MullanIRL4:41:1129:432:47:421:22:50
3Maria CzesnikPOL4:42:3526:042:51:291:24:05
4Ricarda LiskGER4:44:3826:042:52:501:24:47
5Eva WuttiAUT4:45:4729:462:44:081:31:02