Guillaume gewinnt Kanaren-Klassiker - Susan Blatt Zweite

Der Franzose Romain Guillaume hat auf Lanzarote das zweite Ironman-Rennen seiner Karriere gewonnen. Auch die Hessin Susan Blatt schnupperte auf den Kanaren am Sieg und musste letztlich nur der Britin Lucy Gossage den Vortritt lassen. Titelverteidigerin Kristin Möller wurde Vierte.

Von > | 17. Mai 2014 | Aus: Szene

Romain Guillaume | Romain Guillaume

Romain Guillaume gewinnt den Ironman Lanzarote

Foto > Michael Rauschendorfer

Lanzarote bleibt ein besonderes Pflaster für Sportler, die schwere Strecken mögen. Auch bei der 23. Austragung des Kanaren-Klassikers mit über 2.500 Höhenmetern auf der Radstrecke dominierten Athleten, die sich auf Rennen der robusteren Sorte spezialisiert haben: Der Franzose Romain Guillaume, Sieger unter anderem des ebenfalls anspruchsvollen Ironman Mont-Tremblant im Jahr 2012, entschied den Wettkampf der Männer souverän für sich. Und auch Lucy Gossage, Siegerin des Frauenrennens, hatte mit schwierigen Kursen auch vor dem Rennen auf Lanzarote schon positive Erfahrungen gesammelt - auch wenn die klimatischen Bedingungen bei ihren Siegen beim Ironman UK und Ironman Wales ganz andere waren als beim windigen, heißen Rennen auf den Kanaren.

Amateur-Weltmeisterin macht Druck, Tajsich hat Pech

Dabei hatte es auf Lanzarote sogar lange so ausgesehen, als könnte eine Deutsche den Vorjahrestriumph von Kristin Möller wiederholen - nur war das nicht Kristin Möller selbst. Während sich nach dem Schwimmen, das ein Großteil der mitfavorisierten Damen gemeinsam nach 55 Minuten mit sieben Vorsprung vor Möller beendete, zunächst die belgische Agegroup-Weltmeisterin des letztjährigen Ironman Hawaii, Stefanie Adam, an die Spitze setzte, nahm hinter ihr zunächst noch mit gebremstem Schaum die Hessin Susan Blatt die Verfolgung auf: Bis auf drei Minuten ließ die, auf Platz zwei knapp zwei Minuten vor der Britin Lucy Gossage liegend, Adam binnen der ersten 90 anspruchsvollen Radkilometer ziehen - um ihr auf den zweiten 90 Kilometern wieder auf die Pelle zu rücken. Nach 150 Kilometern hatte Blatt den Rückstand auf die führende Belgierin bereits wieder auf unter eine Minute reduziert und sich zugleich auf alle weiteren Verfolgerinnen hinter der hartnäckigen Britin Gossage ein komfortables Polster erarbeitet.

Doch damit nicht genug: Blatt hielt den Druck auch auf den letzten 30 Kilometern weiterhin aufrecht - und überholte Adam, die sich zu Beginn der Radstrecke offenbar übernommen hatte und auch beim Laufen schnell zurückgeworfen wurde, noch kurz vor dem zweiten Wechsel. Titelverteidigerin Kristin Möller erwischte auf dem Rad keinen glänzenden Tag, erreichte den Wechsel mit 27 Minuten Rückstand auf Position acht - und setzte beim Laufen auf den ersten Kilometern zwar wieder zu einer ihrer bei der Konkurrenz gefürchteten Aufholjagden an, konnte an diesem Tag aber nicht ihre volle läuferische Stärke abrufen und musste nach wenigen Kilometern wieder deutlich Tempo herausnehmen. Auch für Sonja Tajsich lief es bis zum abschließenden Marathon nicht rund: Sie hatte auf der Radstrecke mit einem Defekt zu kämpfen und verlor dadurch 40 Minuten bis zum zweiten Wechsel.

Blatt und Gossage behalten die Nerven

Statt einem möglichen Drei- oder Vierkampf entwickelte sich an der Spitze daher ein Zweikampf um den Sieg - in dem keine der beiden Duellantinnen, Susan Blatt und Lucy Gossage, zu viel riskieren wollte: In jeweils sehr konstanten Tempi gingen die beiden Kontrahentinnen mit rund drei Minuten Zeitdifferenz zwischen sich die 42 Laufkilometer an, womit sich Gossage langsam auf die Athletin aus Darmstadt an der Spitze heranschob. Nach 24 Kilometern hatte Gossage schließlich zu Blatt aufgeschlossen, schob sich an ihr vorbei auf den ersten Platz - doch wer geglaubt hatte, Blatts Widerstand sei damit gebrochen, sah sich stark getäuscht: Die Hessin ließ sich vom Überholmanöver der Britin keineswegs irritieren, sondern lief genauso konzentriert und fokussiert weiter wie vorher auch. Mit bemerkenswert gleichmäßigem Tempo hielt sie den Rückstand auf die Führende bis zur 32-Kilometer-Marke sogar unter einer Minute. Erst dann konnte Gossage sich mit einer Tempoverschärfung auf den letzten Kilometern rennentscheidend lösen und den ersten Sieg beim Ironmanrennen auf Lanzarote sichern, Blatt verteidigte ihren zweiten Platz souverän vor der schnellen Läuferin Corinne Abraham (GBR). Kristin Möller schob sich noch auf den vierten Rang nach vorn, Sonja Tajsich beendete den Wettkampf auf dem zehnten Platz.

Lucy Gossage | Lucy Gossage

Lucy Gossage gewinnt den Ironman Lanzarote

Foto > Michael Rauschendorfer

Ironman Lanzarote | Frauen

  1. Mai 2014, Puerto del Carmen/Lanzarote (ESP)

Name Nation Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,2 km Run

1

Lucy Gossage

GBR

9:41:40

55:37

5:31:38

3:07:20

2

Susan Blatt

GER

9:44:59

56:28

5:27:07

3:14:24

3

Corinne Abraham

GBR

9:51:41

56:23

5:42:53

3:06:10

4

Kristin Möller

GER

10:05:55

1:02:04

5:44:50

3:11:46

5

Saleta Castro

ESP

10:12:35

55:16

5:45:33

3:23:38

6

Stefanie Adam

BEL

10:17:54

55:04

5:28:39

3:46:09

7

Tineke van den Berg

NED

10:20:37

1:08:23

5:36:53

3:26:46

8

Camilla Lindholn

SWE

10:23:13

1:08:30

5:46:41

3:20:16

9

Debbie Verstraeten

BEL

10:24:01

1:06:47

5:40:20

3:28:07

10

Sonja Tajsich

GER

10:35:55

59:43

6:03:14

3:24:58

Swipe me

Ein Quartett beherrscht die Radstrecke

Deutlicher als im Wettkampf der Frauen fiel die Entscheidung zumindest im Endergebnis im Rennen der Männer aus - doch auch dort war der Sieg beim Klassiker auf der Kanareninsel lange heiß umkämpft. Schon beim Schwimmen konnten sich einige Spitzenleute um den 29-Jährigen Franzosen Romain Guillaume, dem zweimaligen Lanzarote-Champion Bert Jammaer (BEL) und dem Dänen Henrik Hyldelund einen komfortablen Vorsprung auf die Verfolger um Ronnie Schildknecht (SUI) und die beiden Deutschen Markus Thomschke und Michael Göhner erarbeiten, die mit rund fünf Minuten Rückstand aus dem Wasser kletterten - die das Rennen im Laufe des Marathons aber vorzeitig abbrachen.

Und auch auf der Radstrecke blieben es die drei schnellen Schwimmer, die auf der schwierigen Radstrecke den Ton angaben: Schon früh begannen an der Spitze des Feldes Guillaume und Hyldelund gemeinsame Sache zu machen, um sich langsam weiter von den Verfolgern abzusetzen. Ihnen folgte, zusammen mit dem Österreicher Dominik Berger, nach rund 50 Kilometern Bert Jammaer - und dann lange niemand mehr. Lediglich Ronnie Schildknecht konnte zwischenzeitlich zu dem führenden Quartett aufschließen, gab den Wettkampf aber im Laufe der 180 Radkilometer auf. "Jour sans" - etwas wie "ein Tag ohne Energie" twitterte Schildknecht später und kündigte weitere Analysen an. Die weiteren Verfolger verloren bis zum zweiten Wechsel über 13 Minuten auf Guillaume und den kurz nach ihm in den Wechsel fahrenden Hyldelund. "Ich wollte mich auf dem Rad unbedingt von Bert Jammaer lösen", erklärte Guillaume später im Ziel, "ich habe mich nur gewundert, dass da die ganze Zeit ein Däne an mir hing. Ich kannte ihn nicht - deswegen habe ich auf dem Schlussstück zumindest noch eine kleine Lücke zu ihm gerissen."

Blanchart fängt Jammaer ab

Diese Ausgangssituation wollten sich die beiden Spezialisten für anspruchsvolle Rennen, Romain Guillaume und der beim zweiten Wechsel sieben Minuten hinter ihm liegende Bert Jammaer, dann nicht mehr nehmen lassen - und drückten beim Laufen sofort aufs Tempo. Und dieses Rezept schien aufzugehen für Jammaer, der mit seiner Familie nach Lanzarote gezogen ist und das Rennen zuvor bereits zwei Mal gewonnen hatte: Schnell schob er sich an Hyldelund vorbei an den zweiten Rang, machte kontinuierlich Zeit gut auf den führenden Franzosen - musste für seinen ambitionierten Start auf die 42 Laufkilometer mit Anfangsgeschwindigkeiten von unter vier Minuten pro Kilometern dann aber bezahlen. War er zwischenzeitlich bis auf vier Minuten auf Guillaume herangekommen, verlor Jammaer nach 24 Kilometern an Tempo und musste seinen Traum vom dritten Sieg auf Lanzarote aufgeben. Im Gegenteil musste er sogar nach hinten schauen: Während an der Spitze Guillaume seinen zweiten Ironmansieg nach dem Ironman Mont-Tremblant im Jahr 2012 feierte, flog von hinten der schnelle Spanier Miquel Blanchart heran - und schob sich, wie schon im Vorjahr, kurz vor dem Ziel noch auf den zweiten Rang. Christian Brader beendete das Rennen nach starker Laufleistung als bester Deutscher auf dem sechsten Rang.

Ironman Lanzarote | Männer

  1. Mai 2014, Puerto del Carmen/Lanzarote (ESP)

Name Nation Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,2 km Run

1

Romain Guillaume

FRA

8:47:39

47:31

4:56:07

2:57:55

2

Miquel Blanchart

ESP

8:58:06

49:58

5:13:53

2:48:12

3

Bert Jammaer

BEL

9:00:44

47:51

5:02:55

3:03:35

4

Joel Jameson

GBR

9:08:32

57:08

5:03:00

3:01:48

5

Henrik Hyldelund

DEN

9:09:14

47:19

4:57:01

3:18:13

6

Christian Brader

GER

9:10:57

55:42

5:15:47

2:52:51

7

Thomas Darby

FIN

9:11:38

56:17

5:06:03

3:01:59

8

James Gilfillan

GBR

9:12:30

51:55

5:05:31

3:05:44

9

Kirill Kotsegarov

EST

9:14:28

51:58

5:03:35

3:11:30

10

Iván Gómez

ESP

9:19:37

55:15

5:22:42

2:54:45

Swipe me