Hanson schockt die Favoriten, Al-Sultan grübelt

Matt Hanson hat den Ironman Texas gewonnen. Mit einer starken Laufleistung setzte sich der US-Amerikaner gegen Joe Skipper und Ronnie Schildknecht durch. Faris Al-Sultan erwischte einen gebrauchten Tag und stieg wie auch Andreas Raelert aus. Der Münchner soll gar vom möglichen Karriereende gesprochen haben.

Von > | 16. Mai 2015 | Aus: SZENE

Ronnie Schildknecht | Mit gutem Halbmarathon rennt Ronnie Schildknecht aufs Podest.

Mit gutem Halbmarathon rennt Ronnie Schildknecht aufs Podest.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Von außen betrachtet wirkte die Triathlon-Welt des Faris Al-Sultan beim Ironman Texas über 100 Rennkilometer lang in Ordnung: Als Dritter war er nach einer guten Schwimmleistung in Texas aus dem Wasser gestiegen, hatte sich auf der Radstrecke anschließend schnell in einer sechs Mann großen Spitzengruppe mit Andreas Raelert, Ben Hoffman, Barrett Brandon (beide USA), Jeremie Jurkiewicz (FRA) und Todd Skipworth (AUS) festgesetzt. Doch als das Rennen nach diesen rund 100 Kilometern neu durchgewürfelt wurde, weil eine Verfolgergruppe um Lionel Sanders (CAN), Joe Skipper (GBR) und Matt Hanson (USA) näher rückte, Hoffmann und Raelert ihrerseits nun ebenfalls stärker auf das Tempo drückten, war es bald um Al-Sultan geschehen. Der Triathlon-Dino fiel erst zurück und gab wenig später nach dem Ironman Austria und dem Ironman Hawaii im vergangenen Jahr zum dritten Mal binnen weniger Monate ein Langdistanz-Rennen auf. Und er sprach anschließend angeblich gar vom Karriereende: Das könnte sein letztes Rennen gewesen sein - für immer, soll Al-Sultan bei seinem Ausstieg zu Spottern des Ironman-Teams gesagt haben. Er glaube, er verfüge nicht mehr über das, was es für diesen Sport brauche, zitierten die Berichterstatter den Deutschen. Ob diese Aussage so kurz nach seinem Ausstieg eine emotionale Überreaktion war, die Al-Sultan bald relativieren wird, ob er einfach nur falsch zitiert wurde, oder aber ob diese Überzeugung doch schon seit Längerem im Münchner gereift war: Zumindest in Texas beendete der Hawaiisieger von 2005 das Rennen damit vorzeitig.

Skipper und Sanders pflügen durchs Feld

Und auch für den zweiten deutschen Hoffnungsträger beim Ironman Texas, Andreas Raelert, entwickelte sich die Lage von da an bald zum Negativen: Nachdem er sich erst gemeinsam mit Hoffmann etwas absetzte, bekam der Rostocker wegen Draftings eine Zeitstrafe und verlor nicht nur dadurch, sondern auch auf der Radstrecke selbst plötzlich deutlich an Boden: Als Lionel Sanders und Joe Skipper ihre Rückstände vom Schwimmen egalisiert hatten, setzte sich das Duo prompt an Hoffmann und Raelert vorbei an die Spitze und stürmte den Konkurrenten davon. Bis auf über 13 Minuten distanzierten sie beispielsweise Raelert noch bis zum zweiten Wechsel, rund vier Minuten verlor dessen ehemaliger Begleiter Hoffman. Und doch sorgte auf der Laufstrecke ein anderer für Aufsehen: Mit großem Tempoüberschuss näherte sich den beiden Aureißern von hinten der US-Amerikaner Matt Hanson. Der ehemalige Ringer, der erst im Jahr 2011 seinen ersten Triathlon bestritten hat, war schon im Vorjahr in 2:41 Stunden den deutlich schnellsten Marathon in Texas gelaufen - wegen zwei Reifenpannen reichte es für ihn trotzdem nur zum sechsten Rang. Diesmal meinte es das Schicksal aber besser mit Hanson.

Denn kaum hatte er den Führenden Skipper nach rund 25 Laufkilometern überholt, schon war das Polster des US-Amerikaners binnen kürzester Zeit auf über eine Minute angewachsen. In neuer Streckenrekordzeit von 8:07:03 Stunden - und mit neun Minuten Vorsprung - rannte er bei schwülwarmen Bedingungen so seinem ersten Sieg in einem großen internationalen Rennen entgegen. Der Brite Joe Skipper sicherte sich hinter Hanson den zweiten Platz vor dem Schweizer Ronnie Schildknecht, der sich wenige Kilometer vor dem Ziel noch an Skippers Fluchthelfer von der Radstrecke, Lionel Sanders, vorbeischob. Andreas Raelert startete aus dem Verfolgerfeld zwar noch auf die Laufstrecke und absolvierte dort rund 20 Kilometer, in denen er den Abstand zur Spitze in etwa konstant hielt. Dann gab aber auch der Rostocker das Rennen wegen einer Verletzung vorzeitig auf.

Ironman Texas | Männer

  1. Mai 2015, The Woodlands (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Matt Hanson

USA

8:07:04

55:02

4:21:25

2:45:48

2

Joe Skipper

GBR

8:16:26

55:09

4:10:07

3:04:35

3

Ronnie Schildknecht

SUI

8:21:03

55:07

4:24:27

2:55:54

4

Lionel Sanders

CAN

8:24:54

57:19

4:11:25

3:11:22

5

Pedro Gomes

POR

8:26:42

54:48

4:32:02

2:54:43

6

Jeremy Jurkiewicz

FRA

8:31:30

48:45

4:31:34

3:05:45

7

Matthew Russell

USA

8:33:28

59:35

4:27:01

3:00:51

8

Ben Hoffman

USA

8:33:55

49:29

4:20:38

3:18:30

9

David Plese

SLO

8:36:32

54:59

4:21:20

3:14:37

10

Jarmo Hast

FIN

8:39:48

52:57

4:37:12

3:03:41

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Naeth konzentriert und souverän

Das Rennen der Frauen stand in der Frühphase des Wettkampfs vor allem unter dem Eindruck von Leanda Cave und Rachel Joyce. Die beiden Britinnen schwammen nicht nur am schnellsten, sondern setzten, gemeinsam mit der US-Amerikanerin Katy Blakemore, auch auf dem Rad zunächst die Akzente. Doch diese Führung war trügerisch: Denn mit dem ersten Wechsel schob sich von hinten nach und nach die Kanadierin Angela Naeth, die beim Schwimmen zuvor rund sechseinhalb Minuten verloren hatte, an das Spitzentrio heran. Nach nur 80 Kilometern hatte Naeth die Spitze bereits gestellt und entledigte sich dort bald der US-Amerikanerin Blakemore, auch Joyce musste etwas zurückstecken und wurde bis zum zweiten Wechsel auch noch von ihrer Landsfrau Corinne Abraham überholt. Leanda Cave dagegen hielt zunächst weiterhin mit der Kanadierin mit.

Erst auf der Laufstrecke konnte die sich dann leicht lösen: Schon binnen der ersten Laufkilometer setzte sich Naeth um einige Sekunden von Cave ab und baute diesen Vorsprung von da an langsam, aber kontinuierlich aus: Mit knapp drei Minuten Vorsprung vor ihrer britischen Konkurrentin gewann die Kanadierin das Rennen letztlich. Den dritten Platz eroberte auf der Laufstrecke Rachel Joyce zurück. 

Ironman Texas | Frauen

  1. Mai 2015, The Woodlands (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Angela Naeth

CAN

8:55:19

59:35

4:41:38

3:09:13

2

Leanda Cave

GBR

8:58:12

53:13

4:47:43

3:12:02

3

Rachel Joyce

GBR

9:05:02

53:08

4:52:35

3:14:00

4

Kelly Williamson

USA

9:08:34

55:17

5:06:43

3:01:02

5

Corinne Abraham

GBR

9:12:20

1:03:24

4:40:39

3:22:45

6

Sarah Piampiano

USA

9:13:47

1:04:04

4:49:52

3:13:54

7

Heather Wurtele

CAN

9:15:11

56:15

4:51:35

?

8

Katy Blakemore

USA

9:18:02

53:13

4:54:51

3:24:22

9

Rebecca Preston

AUS

9:26:23

59:45

4:58:36

3:22:11

10

Sofie Goos

BEL

9:27:58

59:37

4:55:50

3:26:44

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