Harte Brocken für Boris Stein

Nach seinem Vorjahressieg beim Ironman Zürich könnte Boris Stein am Sonntag beim Ironman France nachlegen. In starker Form reist der 30-Jährige nach Nizza, wirklich allein ist er im Favoritenkreis aber nicht.

Von > | 26. Juni 2015 | Aus: SZENE

Boris Stein beim Ironman Switzerland 2014 auf dem Rad | Boris Stein setzt mit dem Sieg beim Ironman Switzerland einen neuen Meilenstein in seiner Karriere.

Boris Stein setzt mit dem Sieg beim Ironman Switzerland einen neuen Meilenstein in seiner Karriere.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Auf der Jagd nach harten Rennkilometern dürfte es am Sonntag beim Ironman France rund um Nizza ordentlich zur Sache gehen. Allein der Radkurs durch das Umland der Metropole an der Côte d’Azur ist spektakulär, und die Besetzung verspricht gerade in der zweiten Disziplin eine packende Auseinandersetzung. Sobald es nach dem Schwimmen in der Bucht vor der Promenade des Anglais schon nach einem kurzen Warm-up in die Berge geht, sind Jungs mit dem Hang zu schonungslosen Radausfahrten gefragt. Einer, der sich auf dem Weg zum 1.120 Meter hohen Col de l’Ecre in Szene setzen könnte, ist Boris Stein. Wenn mit dem Anstieg in den französischen Seealpen nach 80 Kilometern der echte Höhepunkt der Strecke erreicht ist, könnte der Westerwälder auf dem Weg sein, seinem ersten Sieg auf der Ironman-Distanz im Vorjahr in Zürich schon ein knappes Jahr später den zweiten folgen zu lassen.

Stein gegen die Franzosen

Zum Saisonbeginn hat Stein mit Platz zwei beim Ironman 70.3 Pays d’Aix aufhorchen lassen. Das Ergebnis wurmte den 30-Jährigen zwar, weil Sieger Andreas Böcherer am Ende nur zwölf Sekunden schneller war. Aber Stein war auf der welligen Radstrecke nur 20 Sekunden langsamer als der zurzeit extrem starke Freiburger. Am Sonntag könnte er nun einen großen Erfolg nachlegen. Eine Woche vor dem Start in Frankreich gewann er beim Mittelmosel-Triathlon in Zell einen letzten großen Formtest und bezwang dort den starken regionalen Profiathleten Jens Roth. In Nizza bekommt er es allerdings gleich mit mehreren harten Brocken zu tun. Vorjahressieger Bart Aernouts fehlt zwar genauso wie dessen belgischer Landsmann und Mehrfachsieger Frederik van Lierde, aber dafür sind einige französische Heißsporne am Start, um bei der elften Auflage des Ironman in Nizza den zweiten Sieg nach dem Debüt 2005 zu feiern. Damals gewann Hervé Faure, der erneut im Rennen ist. Allerdings sind es vielmehr seine Landsleute Romain Guillaume, Bertrand Billard und Sylvain Sudrie, die besonders auf dem Radkurs ein hübsches Laktatfeuer entfachen könnten. Größten Respekt dürfte die Konkurrenz besonders vor Guillaume haben, der im vergangenen Jahr bei seinem Sieg auf Lanzarote gezeigt hat, dass er weiß, wie man Rennen auf schweren Kursen gewinnt.

Passuello, Del Corral, Baertsch

Es ist aber auch gut möglich, dass die eben genannten zunächst auf die Jagd nach einem Italiener gehen: Domenico Passuello. Der ehemalige Radrennfahrer gewann im April dank einer exzellenten Bike-Performance den Ironman Taiwan und dürfte mit einem weiteren Solo rund um Nizza liebäugeln. Im Laufen könnte anschließend der Spanier Victor del Corral Aufsehen erregen. Im vergangenen Jahr rannte er mit einem 2:42er-Marathon an gleicher Stelle auf Platz zwei. Mit einem starken Lauf hat sich zuletzt beim Ironman Lanzarote der Schweizer Mauro Baertsch auf den letzten Podiumsplatz geschoben. Dem bisher besten Rennen seiner Karriere soll am Mittelmeer nun ein weiteres folgen.

Lauf-Floh gegen Zeitfahr-Riesin

Bei den Frauen wird die US-Amerikanerin Caitlin Snow alles daran setzen, mit einem ihrer schnellen Marathons an der Promenade des Anglais durch das Feld zu pflügen. Im Vorjahr lief sie in 2:52 Stunden noch auf Platz zwei hinter der Belgierin Tine Deckers vor, dieses Mal will sie ganz nach vorn. Deckers tritt nicht an, dafür sind allerdings einige Athletinnen im Rennen, die auf dem Rad ebenfalls für viel Druck sorgen werden. Lisa Roberts (USA) kommt als radstarke Vorjahresdritte an die Cote d’Azur und möchte nach dem Aus beim Ironman Lanzarote nun ihre starke Radform unter Beweis stellen. Unbestritten sind Emma Pooleys Qualitäten in der zweiten Disziplin. Die gewann als Profi-Rennfahrerin nicht nur Silber im Zeitfahren bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, sondern im vergangenen Jahr noch zweimal Silber bei den Commmonwealth Games in Glasgow. Mit Rang neun beim Ironman Melbourne ist die Britin im März in die Saison gestartet. Ebenfalls ein Wörtchen ums Podium mitreden, möchte die Nizza-Zweite von 2013, Jeanne Collonge. Neben der Französin hat auch die Deutsche Nicole Woysch gemeldet.

tri-mag.deberichtet am Sonntag wie gewohnt aktuell und ausführlich vom Ironman France aus Nizza.