Harte Konkurrenz für Faris Al-Sultan

Der Ironman Austria könnte wieder deutsch sprechen am Sonntag, lediglich die Frage des Akzents ist völlig offen. Während Faris Al-Sultan seinen Sieg von 2012 wiederholen und Christian Kramer ein Top-Ergebnis möchte, drängen vor allem zwei Einheimische aufs Podium: Michael Weiss und Lisa Hütthaler.

Von > | 27. Juni 2014 | Aus: SZENE

Faris Rad | Faris Al-Sultan

Faris Al-Sultan

Foto >Pewag Racing Team

Der zentraleuropäische Ironman-Sommer kann beginnen. Eine Mischung aus Routiniers und Klagenfurt-Frischlingen versucht am Sonntag, den Ironman Austria durcheinander zu wirbeln. Das Feld der 3.000 Starter ist gekrönt von einem 70 Athleten umfassenden Profi-Zirkel, der vielleicht nicht den ganz großen Star wie im Vorjahr Andreas Raelert beinhaltet, aber eine starke Phalanx an erfahrenen Assen und aufstrebenden Sportlern.

Weiss will gewinnen

Aus deutschsprachiger Sicht sind es vor allem fünf Athleten, die vor dem Rennen besonders in den Fokus rücken. Neben Christian Kramer und dem Schweizer Mike Aigroz ist es zum einen der Münchner Faris Al-Sultan, der 2012 eine brutale Hitzeschlacht am Wörthersee gewann und damit in die Fußstapfen des sechsmaligen Siegers Marino Vanhoenacker trat. Die anderen beiden sind die österreichischen Matadoren Michael Weiss und Lisa Hütthaler, die bei Fans und Beobachtern noch immer sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen nach ihren Dopingsperren. "Ich bin in einem Bereich des Leistungssports, wo ich jedes Rennen gewinnen will", erklärte Weiss vor dem Rennen am Sonntag gegenüber der „Kleinen Zeitung“ selbstbewusst. Angesichts seines eindrucksvollen Comebacks beim Ironman Cozumel im vergangenen Dezember mit persönlichem Rekord von 7:55:23 Stunden ist diese Aussage leicht nachzuvollziehen. Mit Rang vier beim Ironman Melbourne ist Weiss gut in die Saison gestartet, mit Rang drei beim Ironman 70.3 St. Pölten hat er einen Monat vor dem großen Heimrennen die nötige Tempohärte bewiesen. Insbesondere läuferisch hat sich Weiss verbessert, sodass sein Wunsch, als erster Österreicher den Ironman Austria nach einem dritten (2010) und einem zweiten Platz (2011) zu gewinnen, keine allzu kühne Vision ist.

Allianz im Wörthersee?

Im Männerrennen dürfte es anders zugehen als im Vorjahr, als Andreas Raelert auf der Laufstrecke von Beginn an ein derart hohes Tempo anschlug, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er sich klar vom Rest des Feldes inklusive dem späteren Zweitplatzierten Maik Twelsiek absetzen würde. Bereits beim Schwimmen könnte es dieses Mal richtig zur Sache gehen, nicht nur weil im Briten Daniel Halksworth, Anton Blokhin aus der Ukraine, dem Italiener Alberto Casadei, Sloweniens Vorjahresdritten David Plese und ganz besonders dem Esten Marko Albert und Christian Kramer sechs exzellente Krauler am Start sind. Dazu kommt, dass auch Faris Al-Sultan ein großes Interesse daran haben dürfte, im bekannt schnellen Wörthersee bereits einen kleinen Vorsprung auf Weiss herauszuarbeiten. Die radfahrerischen Qualitäten des Lokalmatadors dürften mittlerweile allen Beteiligten bekannt sein.

Denkbar ist, dass auf dem Rad auch der starke Schweizer Mike Aigroz den Ton mitangibt und sich eine Allianz in Form einer strammen Spitzengruppe ergibt. Gerade Albert und Halksworth sind nicht nur ordentliche Schwimmer: Der Brite gewann in den vergangenen beiden Jahren den Ironman UK, Albert zu Beginn der Saison den Ironman Neuseeland. Im Laufen ist einmal mehr mit dem Belgier Bert Jammaer und Ivan Rana aus Spanien zu rechnen, der als Hawaii-Sechster zudem angekündigt hat, auf dem Rad in Kärnten austesten zu wollen, was in ihm steckt. „Wir alle wissen, dass der Ironman Austria ein super Rennen ist“, erklärte Faris Al-Sultan bei der Pressekonferenz kurz vor dem Rennen und betonte, dass auch „meine Erinnerungen nicht gerade die schlechtesten“ sind. Er wird alles daran setzen, seinen Sieg von 2012 zu wiederholen, wenngleich keine ähnlich heißen Bedingungen prognostiziert sind.

Hütthaler gegen zwei Ex-Champions

Auch Titelverteidigerin Erika Csomor würde ihren Vorjahressieg gern wiederholen. Für die inzwischen 40 Jahre alte Ungarin wäre es neben zwei zweiten Plätzen in Klagenfurt bereits der dritte Triumph nach 2004 und 2013. Doch das Frauenfeld ist knackig besetzt mit der US-Amerikanerin Linsey Corbin, die gemeinsam mit Faris Al-Sultan vor zwei Jahren ganz oben auf dem Podest stand, und Athleten wie der Schweizerin Simone Brändli oder der starken Belgierin Sofie Goos. „2012 war einfach nur hart“, blickt Corbin zurück, „aber als ich als Erste über die Finishline kam, war ich der glücklichste Mensch auf dieser Erde.“ Nach dem Gewinn des Ironman Los Cabos im März will sie am Sonntag den zweiten großen Saisontitel feiern. Die Frage lautet jedoch, ob sich Lisa Hütthaler noch einmal so unwiderstehlich in Szene setzen kann, wie es ihr in dieser Saison bereits bei ihren drei Ironman-70.3-Starts gelungen ist. Egal ob auf Mallorca, in St. Pölten oder in Luxemburg, jeder Wettkampf bedeutete eine Demonstration ihrer Stärke auf dem Rad und im Laufen. Doch alle bisherigen Saisonrennen waren für Hütthaler nur ein Vorspiel für Klagenfurt. Genauso wie Michael Weiss will die 30-Jährige am Sonntag am Wörthersee einen österreichischen Sieg feiern. Aus Deutschland sind am Start: Annett Finger, Celia Kuch, Beate Görtz und Linda Schücker.