Interview Jan Raphael "Ich bin noch besser als 2011"

Langstrecke | 4. Juli 2012
Im vergangenen Jahr rannte Jan Raphael beim Ironman Germany bis auf Rang zwei nach vorn, 2012 steht das Rennen wieder oben auf der Highlight-Liste des Hannoveraners. Im Interview erklärt der 32-Jährige, wie er die starke Konkurrenz herausfordern will und warum er sich vom Team 21run.com getrennt hat.
Jan Raphael, Sie gehen als Zweiter des Vorjahres in die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt. Kann man sich da etwas anderes vornehmen als den Sieg?
Normalerweise ist das richtig. Ich will mich immer verbessern, da wäre der Sieg die logische Konsequenz. Wenn da nicht mit Andreas Raelert und Marino Vanhoenacker zwei Weltrekordler mit an der Startlinie stehen würden, würde ich mein Ziel vielleicht auch so klar definieren. In diesem Jahr haben wir in Frakfurt aber ein absolutes Top-Starterfeld mit einigen weiteren Spitzenathleten, da geht es für mich erst mal darum, 100 Prozent meiner
"Um Raelert, Kienle und Vanhoenacker auf dem Rad zu schlagen, müsste mir noch jemand einen Hilfsmotor einbauen"
Leistungsfähigkeit abzurufen. Dann bin ich mir allerdings sicher, bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden zu können.
Früher haben Sie Ihre Rennen gern von vorn bestritten, im vergangenen Jahr allerdings auf Ihre Laufstärke gesetzt und Faris Al-Sultan durch den Taunus davonfahren lassen. Mit welcher Taktik kann man die starken Radfahrer Kienle, Raelert und Vanhoenacker ärgern?
Die Taktik ist eigentlich ganz einfach: Es gilt, sich vorn an Andreas und Marino zu orientieren und gleichzeitig zu hoffen, dass Sebastian Kienle seinen Rückstand nach dem Schwimmen nicht zu schnell zufahren kann. Sicher würde ich auch gern offensiver fahren, aber um einem der genannten auf dem Rad wegzufahren, müsste mir noch schnell jemand einen Hilfsmotor einbauen.
Sie sind jemand, der vor einem Rennen selten große Töne spuckt und müssen sich, so sagen Ihre Teamkollegen und Betreuer, in Ihrem Umfeld wohlfühlen, um Ihr Potenzial ausschöpfen zu können. Was sagt Ihr Bauchgefühl für den 8. Juli voraus?  
Absolut richtig! Ich muss mich wohlfühlen und dafür muss mein Umfeld stimmen. Deswegen ist es mir gerade für ein Rennen wie in Frankfurt wichtig, dass meine ganze Familie dabei ist. Meine Eltern und Geschwister stehen an der Strecke. Nur meine Freundin fehlt, die ist in diesem Jahr nämlich selbst am Start. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass auch in diesem Jahr was geht. Ich bin schwer in die Saison gekommen, habe meine Leistungen dann aber steigern und in einem Trainingslager mit Timo Bracht und meinen anderen beiden Teamkollegen noch weiter ausbauen können. Verglichen mit Tests aus dem Vorjahr deutet alles auf eine sehr gute Form hin. Ich habe auf dem Rad und beim Laufen deutlich bessere Werte als 2011 - und da war ich ja nicht so schlecht.

Sie sprechen Ihr Umfeld an – und da gibt es kurz vor dem Ironman Neuigkeiten …

Richtig, ich habe mich vom Team 21run.com getrennt. Wir sind im Guten auseinandergegangen, weil wir einfach unterschiedliche Auffassungen über die Einbindung meiner langjährigen Partner hatten. Ich möchte ihnen treu bleiben, sie haben ja auch immer zu mir gehalten. Innerhalb des Teams wäre das aber so leider nicht gegangen, deshalb gehen wir jetzt getrennte Wege. Ich werde aber weiterhin mit meinem Trainer Ralf Ebli zusammenarbeiten und habe zu den drei anderen Athleten guten Kontakt.

Haben Sie keine Angst, das Ihre Entscheidung ein so wichtiges Rennen negativ beeinflusst?
"Ich habe den Ironman Florida schon einmal gewonnen, warum sollte es nicht noch einmal klappen?"

Doch. Natürlich bringt es jetzt viel Unruhe und der Zeitpunkt ist nicht gerade glücklich. Andererseits ist Frankfurt auch eine Super-Bühne für mich und ein gutes Ergebnis wäre bestimmt nicht schädlich für meine Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Darum muss ich mich ab Montag nämlich verstärkt kümmern.

Und wie geht Ihre Saison sportlich weiter?

Wir haben das Jahr noch nicht komplett geplant. Fest steht allerdings mein Start am 3. November beim Ironman Florida. Dort habe ich 2006 meinen ersten und bisher einzigen Ironman gewonnen - warum sollte es an diesem Ort nicht noch einmal klappen?!