Horst Reichel wird Zweiter beim Ironman Western Australia.

21run.com Triathlon Team

Horst Reichel wird Zweiter beim Ironman Western Australia.
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Horst Reichel "Ich habe mental dazugelernt"

Langstrecke | 12. Dezember 2012
Mit dem zweiten Platz beim letzten Ironman des Jahres 2012 hat Horst Reichel in Western Australia eine Saison mit Höhen und Tiefen gekrönt. Im tri-mag-Interview erzählt der Darmstädter, was er aus diesem Jahr mitnimmt.

Horst Reichel, nach dem Ausstieg beim Ironman Cozumel sind Sie in Busselton nicht nur ins Ziel gekommen, sondern haben mit Rang zwei eine Ihrer bisher besten Langdistanzen gezeigt. Wie bewerten Sie das Rennen?

Ich bin total happy mit dem zweiten Platz. Australien war eine Notlösung, denn ich hatte mich eigentlich voll auf Mexiko vorbereitet. In den letzten Tagen war mir nicht klar, wie ich  Cozumel verdauen kann und wie der ganze Reisestress einzuschätzen ist. Richtiges Training war in den zwei Wochen vor dem Rennen nicht möglich - vielleicht war das aber sogar der Erfolgsschlüssel. Druck hatte ich nämlich keinen. Ich wollte einfach nur ein solides Finish. Das Schwimmen lief extrem gut und ich hatte fast drei Minuten Vorsprung auf Timo Bracht und Co. Auf dem Rad wollte ich dann gleichmäßig durchkommen. Meine Beine waren schon etwas müde und nach 100 Kilometern Solofahrt war ich froh, nicht mehr alleine gegen den Wind fahren zu müssen. Beim Marathon konnte ich dann zwischenzeitlich die Führung zurückerobern, aber ich muss gestehen: ein richtig schnelles Laufen war bei der Hitze nicht möglich. Die letzten zehn Kilometer waren für mich entscheidend: Ich habe mental viel dazugelernt.
Horst Reichel
Geburtstag    28.03.1982
Größe    186 cm
Gewicht    72 kg
Trainer    C-Lizenz Triathlon, C-Lizenz Schwimmen
Verein    TuS Griesheim
Langdistanzbestzeit    8:10:12 Std. (Ironman Kalmar 2012)

Haben Sie sich in Mexiko vielleicht taktisch verzockt? Die Form kann ja so schlecht nicht gewesen sein ...

Die Form für Cozumel war eigentlich ganz gut. Drei Wochen vorher konnte ich ja beim Ironman 70.3 Miami gegen starke Konkurrenz schon den dritten Platz mit der schnellsten Radzeit des Tages erreichen. In Mexiko hatte ich aber Probleme beim Anschwimmen und kam mit zwei Minuten Rückstand zur Spitze aus dem Wasser. Diese Lücke habe ich innerhalb der ersten dreißig Radkilometer zugefahren - ein Fehler im Nachhinein! Gemeinsam mit Luke McKenzie habe ich dann versucht, mich von den Topläufern zu lösen. Das war endgültig zu viel. Was auf der Mitteldistanz in Miami auf dem Rad noch ganz gut geklappt hatte, brach mir hier das Genick. Ich habe angefangen zu überhitzen, konnte mich auch nicht mehr runterkühlen. Beim Marathon war ich dann schon zu Beginn völlig durchgekocht, hatte Bauchweh, Kopfweh, irgendwann auch Heimweh! Nach zehn Kilometern bin ich ins Sanizelt, und das Ziel von einem weiteren Topergebnis und den nächsten Hawaiiqualipunkten war in weite Ferne gerückt.

Ihr Trainingspartner Timo Bracht hatte dafür in Australien wenig Glück, wie haben Sie sein Rennen erlebt?

Nach dem ersten Wendepunkt sah ich ihn noch in der Verfolgergruppe. Schon am nächsten Turnaround war Timo nicht mehr zu sehen. Abgeschlagen einige Minuten dahinter kam er auf der Felge angerollt. Das war echt ärgerlich, denn ich dachte, wir könnten die starken Australier zusammen schon beim Radfahren etwas auseinandernehmen. So musste ich dann meine Rennstrategie ändern. Beim Marathon stand Timo dann irgendwann an der Strecke und feuerte mich lautstark an, um alles aus mir herauszuholen.

Wenn Sie auf Ihre Saison zurückblicken:  Was waren die Highlights, wo hat es gehakt?

Die erste Saisonhälfte verlief holprig. Sie war geprägt von Materialproblemen, aber auch Krankheit wie beim Ironman Fankfurt. Trotz fast perfekter Trainingssteuerung konnte ich mich nicht beweisen - mehr als nur ein Wermutstropfen. Meine Highlights waren ganz klar die drei Podiumsplätze bei den Ironmanrennen in Kalmar, Miami und Busselton.

Welche Ziele setzen Sie sich darauf aufbauend für 2013?

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Momentan habe ich 2.345 Punkte und stehe auf Platz 17 im Ranking. Die Ausgangslage ist also ganz gut. Und vielleicht klappt es 2013 mit einem Podestplatz ganz oben. Einen Vorgeschmack habe ich ja am Sonntag schon erleben dürfen ...