Jan Raphael Ich kann noch schneller laufen

Langstrecke | 27. September 2011
Nach seinem zweiten Platz bei den Ironman-Europameisterschaften geht Jan Raphael auch das Saisonhighlight auf Hawaii mit neuem Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit an. Im Interview spricht der Hannoveraner gar von einem "Durchbruch".
Jan Raphael, Ihr bisheriges Saisonhighlight war nach mehreren vierten Rängen der zweite Platz beim Ironman Germany. Trauen Sie sich auf Hawaii ebenfalls einen Leistungssprung zu?
Wenn ich mir hier auf Hawaii nicht auch den Durchbruch zutrauen würde, wäre ich nicht angereist. Ich habe bisher eine sehr gute Saison gehabt und vor allem bei meinen Ironmanrennen in Texas und Frankfurt ganz viel Selbstvertrauen getankt.
Bisher war Kona allerdings nicht Ihr Pflaster, woran lag das?
Genau an diesem Selbstvertrauen. Meine Form war im Vorfeld vom Rennen in Kona in den letzten Jahren immer sehr gut. Aber ich habe mir, mit Ausnahme von meinem ersten Jahr dort, wahrscheinlich nicht genug zugetraut. Bei meiner ersten Teilnahme auf Hawaii war es sicherlich die Unerfahrenheit, die mir geholfen hat. Danach habe ich mich aber häufig viel zu sehr selbst unter Druck gesetzt und mir selbst im Weg gestanden.
In Frankfurt konnten Sie besonders mit einem schnellen Marathon überzeugen, hatten Sie Ihr Training entsprechend verändert?
Das Lauftraining haben wir insgesamt ein wenig intensiviert, aber eine grundlegende Veränderung gab es nicht wirklich. Mein ordentlicher Marathon war eher das Resultat eines kontinuierlichen Trainingsaufbaus über einen langen Zeitraum. Doch ein guter Marathon allein bringt dir sowieso nix, in Texas bin ich beispielsweise sehr gut geschwommen und geradelt und hätte mit einem ähnlichen Marathon wie in Frankfurt das Rennen vielleicht gewinnen können. Die Gesamtperformance muss einfach stimmen und ganz ehrlich, ich bin mir sicher noch einen deutlich schnelleren Marathon laufen zu können.
Wird das Qualifikationssystem "Kona Pro Ranking" den Rennverlauf beeinflussen?
Insgesamt wird der komplette Athlet wieder ein wenig mehr gefragt sein, weil die Gruppen, aufgrund der geringen Anzahl der Starter, nicht mehr so groß sein werden wie die Jahre zuvor. Dennoch rechne ich mit etwa 20 Athleten im ersten "Pack". Und da muss man einfach dabei sein. Ansonsten ist man direkt unter Zugzwang und muss viel Kraft investieren, um Lücken zu schließen. Am Ausgang des Rennens wird das KPR aber nichts verändern, es gewinnt letztlich der beste Athlet.
Und wer wird das sein, wen sehen Sie ganz vorn?
Es ist vielleicht etwas durch die deutsche Brille betrachtet, aber ich denke der Sieg geht nur über Andreas Raelert, weil er noch in keinem Rennen wirklich alles rausgehauen hat, was er kann. Dazu sehe ich Timo Bracht ganz weit vorn, mit besten Chancen auf das Podium. Und mit Craig Alexander muss man sicher auch rechnen nach seinem starken Rennen in Las Vegas. Aber es gibt mit Marino Vanhoenacker, Eneko Llanos und ähnlichen Kalibern so viele starke Jungs, dass man gar kein Ende für die Podiumsaspiranten findet. Und dann will ich ja auch noch irgendwo auftauchen!