"Ich traue mir die Top Fünf auf Hawaii zu"

Mit deutlichem Vorsprung hat Diana Riesler ihren Titel beim Ironman Malaysia am Wochenende verteidigt. Auch auf Lanzarote und bei einigen Mitteldistanzen war die Radspezialistin aus Thüringen in dieser Saison erfolgreich. Nur beim Ironman Hawaii lief es für sie nicht rund - "noch nicht", sagt sie im Interview.

Von > | 20. November 2015 | Aus: SZENE

Riesler Lanzarote 2015 | Diana Riesler

Diana Riesler

Foto >Michael Rauschendorfer / tri-photography.com

Diana Riesler, Glückwunsch zur Titelverteidigung in Malaysia. Zusammen mit Ihren Siegen beim Ironman Lanzarote und beim Ironman 70.3 Gdynia, der Challenge Poznan und dem fünften Rang in Südafrika ergibt das Ihre bislang erfolgreichste Saison als Profi. Sind Sie zufrieden?
Ja, definitiv. Es ist alles gut aufgegangen - nur, dass es bei meinem ersten Start auf Hawaii nicht geklappt hat, ist etwas schade. Kurz vor dem Rennen habe ich schon angefangen, mich einfach nicht mehr gut zu fühlen. Ich hatte Gliederschmerzen und Fieber. Eine Freundin kam schnell auf die Idee, dass ich das Dengue-Fieber haben könnte, doch zu diesem Zeitpunkt dachten wir eigentlich nicht, dass das auf Hawaii verbreitet wäre. Als nach dem Rennen, bei dem ich dann aussteigen musste, eine Mail der Veranstalter kam, wonach sich die Krankheit auf der Insel verbreitet hatte, war uns eigentlich klar, wo mein Problem gelegen haben muss.

Und trotzdem sind Sie nun Mitte November schon wieder so gut in Form, dass Sie in Malaysia gewinnen können?
Die Krankheit hatte mich zum Glück nur leicht erwischt. Zwei Wochen lang hatte ich wirklich Probleme, konnte mich aber auch da weiterhin zumindest leicht belasten. Ich habe zwar gelegentlich noch leichte Gelenkschmerzen, aber eine Woche vor dem Rennen in Malaysia habe ich mich endlich wieder richtig fit gefühlt und hatte meinen Druck auf dem Rad zurück.

In Malaysia haben Sie schon 2008 Ihren ersten Ironman bestritten. War das der Grund, weshalb Sie vergangenes und auch dieses Jahr zurückgekehrt sind?
Ganz genau. Damals wurde ich hier als Agegrouperin Neunte im Gesamtfeld. Durch diese Erfahrung habe ich mir in den Kopf gesetzt, Profi zu werden und dorthin zurückkehren zu wollen. Leider hat das Rennen ja zwischenzeitlich einige Jahre ausgesetzt, aber im vergangenen Jahr konnte ich mir den Traum vom Sieg endlich erfüllen. Schon die anspruchsvolle Radstrecke mit ihren rund 1.700 Höhenmetern liegt mir, die Hitze und vor allem die Luftfeuchtigkeit sind dann sogar noch schlimmer als auf Hawaii.

Dann müssten Ihnen die Ironman-Weltmeisterschaften eigentlich ganz gut liegen.
Das glaube ich eigentlich auch. Ich hoffe, dass ich das in Zukunft noch beweisen darf. In der vergangenen Jahren haben wir viel und hart an meiner Schwimmleistung gearbeitet - jetzt bin ich im Wasser endlich so weit, dass ich nicht mehr 12 bis 15, sondern nur noch 5 Minuten auf die schnellen Konkurrenten verliere. Das gibt mir ganz andere Rennvoraussetzungen - das kann ich auf dem Rad auf fast alle, außer vielleicht Daniela Ryf, wieder aufholen. Und den Marathon laufe ich unter hawaiianischen Bedingungen wahrscheinlich in 3:10 Stunden bis 3:15 Stunden. Wäre ich nicht krank geworden, hätte ich mir in diesem Jahr bereits eine Top-Fünf-Platzierung zugetraut.

Wie kommt es, dass Sie in diesem Jahr plötzlich so durchstarten?
Ich hatte in der Vergangenheit einfach viele Verletzungen: In den letzten Jahren habe ich es auf vier Ermüdungsbrüche und einen schweren Radunfall bei der Challenge Copenhagen 2012 gebracht. Nun habe ich zusammen mit meinem Trainer Jo Spindler den richtigen Weg gefunden, ich konnte endlich konstant arbeiten und ernte jetzt die Erfolge dafür. Dazu kommt, dass es auf der Mitteldistanz in diesem Jahr bei mir irgendwie "Klick" gemacht hat. Plötzlich bekomme ich das hin, nachdem ich dort in der Vergangenheit oft sogar langsamer Rad gefahren bin als auf der Langdistanz. Was dort in den vergangenen Jahren oftmals das Problem war, kann ich mir bis heute nicht erklären. In Polen bin ich den Halbmarathon in diesem Jahr nach einem intensiven Radpart dann sogar noch in 1:23 Stunde gelaufen, das ist ein tolles Ergebnis für mich. Es hat geholfen, dass ich angefangen habe, mir die Laufstrecke gedanklich in Fünf-Kilometer-Happen zu zerlegen.

Wie geht es nun für Sie weiter?
Die nächsten Tage verbringe ich in Deutschland und besuche Freunde und Familie, während dieser Zeit trainiere ich nicht ganz so viel. Eine klassische Off-Season ist das aber nicht. Ende November reise ich mit meinem Trainer wieder nach Mallorca und starte dort zurück ins richtige Training. Meine Ziele für die kommende Saison habe ich aber noch nicht definiert. Klar ist nur, dass ich nicht alles auf Hawaii ausrichten werde. Wenn ich einen Startplatz bekomme, dann nehme ich das Rennen gerne mit, wenn ich gut in Form bin - aber dann werde ich vorher noch ein oder zwei andere Langdistanzen machen. Das könnte durchaus bedeuten, dass ich im kommenden Jahr bis Hawaii vier Langdistanzrennen bestreite, aber wir wissen aus den letzten Jahren, dass ich das brauche, um in Form zu kommen. Mit jedem dieser Rennen läuft es für mich besser, vor allem dann während des Marathons.