Frederik van Lierde: Schwarz-rot-gold dürfte beim Ironman in Nizza am Wochenende die dominierende Farbkombination sein.

Frank Wechsel / spomedis

Abu Dhabi 2013
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Kraftakt an der Côte d'Azur Ironman France: Van Lierde vor dem Triple

Langstrecke | 20. Juni 2013
Nach zwei Siegen in Folge will der Hawaii-Dritte Frederik van Lierde beim Ironman France den Hattrick perfekt machen. Dazu muss der Belgier auf dem schweren Kurs rund um Nizza unter anderem seine Landsleute Bart Aernouts und Bruno Clerbout und den Schweizer Mathias Hecht aus dem Weg räumen. Bei Frauen spricht alles für eine One-Woman-Show von Mary Beth Ellis.
Nach der rekordverdächtigen Siegesserie des Spaniers Marcel Zamora, der zwischen 2006 und 2010 gleich fünfmal in Folge an der Côte d'Azur gewann, haben in den vergangenen Jahren die belgischen Ironmanprofis die Vorherrschaft in Nizza übernommen. Seit 2009 gingen fünf der acht Titel (Männer und Frauen) an unsere westlichen Nachbarn. Dreimal war Tine Deckers die schnellste der Profifrauen - zweimal trug sich Frederik van Lierde in die Siegerliste des nach Lanzarote mutmaßlich schwersten europäischen Ironmanrennens ein. Die Chancen, dass die belgische Siegesserie weitergeht, stehen nicht schlecht. Denn Titelverteidiger Van Lierde dürfte am Sonntag auf harte Gegenwehr stoßen - und zwar vor allem aus dem eigenen Lager. Sowohl der Vorjahresvierte Bruno Clerbout, als auch Bart Aernouts liebäugeln mit dem Sieg. Vor allem Aernouts ist derzeit in bestechender Form. Beim Ironman 70.3 auf Mallorca im Mai unterlag er nur dem überragenden Eneko Llanos, das zum Duathlon verkürzte Kälterennen zwei Wochen später in St. Pölten gewann der 29-Jährige, der einst als Duathlonspezialist in den Triathlon kam - mittlerweile aber auch im Wasser zumindest konkurrenzfähig ist.

Belgischer Kreisel in Font Romeu

Geheimnisse haben die drei Belgier nicht - besonders nicht voreinander. In den teils noch schneebedeckten Bergen um Font Romeu hat sich das Trio bis gestern gemeinsam den Feinschliff für den Ritt durch die Seealpen geholt. Den Spaß habe ihnen das ungewöhnliche Wetter in den Pyrenäen aber nicht verdorben, verkündete Clerbout. Im Gegenteil: "Ich habe mein Trainingsprogramm perfekt abgearbeitet", so der 36-Jährige, der beim Ironman 70.3 in St. Pölten noch mit Knieproblemen zu kämpfen hatte. Der älteste der drei ist sicher der Außenseiter - doch Clerbout ist schon zum fünften Mal dabei. Und Erfahrung ist in Nizza ein wichtiger Faktor. Doch bei einem "normalen" Rennverlauf dürfte das Rennen der Männer auf ein Duell zwischen Aernouts und Van Lierde hinauslaufen. Aernouts, im Oktober 2012 starker Elfter bei seinem Hawaii-Debüt, ist zwar der schwächere Schwimmer, auf dem 180-Kilometer-Radkurs mit annähernd 2.000 Höhenmetern und spätestens beim Laufen auf der berühmten und meist in der Hitze flirrenden Promenade des Anglais wird Van Lierde den Atem seines fünf Jahre jüngeren Landsmanns spüren. Auf der "Promenade der Engländer" will auch Paul Amey, zuletzt Sieger des Ironman Texas, noch in Schlagdistanz zu den Belgiern sein. Der Brite wurde 2012 an gleicher Stelle zwar Zweiter, kassierte aber mehr als 20 Minuten auf Van Lierde, der den Streckenrekord des Spaniers Zamora um fünf Minuten auf 8:21 Stunden drückte.

Hecht schaut nach vorn

Neben Amey und dem Trio aus Belgien rechnen sich auch Clemente Alonso McKernan (ESP) und der Schweizer Mathias Hecht Chancen auf einen Podestplatz aus. "Der Start in meine Saison war schwierig", schreibt Hecht in seinem aktuellen Blog. Noch immer schlägt er sich mit Oberschenkelproblemen herum. Es sei frustrierend, wenn man im Training nicht die Einheiten machen könne, die man gern machen würde, so der 33-Jährige. Wie ein Spiegelbild dessen lesen sich auch seine bisherigen Ergebnisse. Beim Ironman 70.3 in St. George landete er abgeschlagen auf Platz 23. Zwei Wochen später riskierte er beim Ironman Texas mit einer seiner typischen Radfluchten wieder einmal alles. Ohne Erfolg. Denn die Führung beim zweiten Wechsel währte nicht lange. Bei sengender Hitze und wohl auch noch von seinem zwickenden Oberschenkel beeinträchtigt, gab Hecht das Rennen im Lone Star State schon nach ein paar Laufkilometern auf. "Nach vorn zu schauen, ist der einzige Weg", gibt er wenige Tage vor dem Ironman France seine Devise vor und kündigt optimistisch an: "Ihr werdet mich bald wieder auf dem Podium sehen."

Sieben auf Ellis' Streich

Ein des Rennens in Nizza unwürdiges Feld von fünf Frauen kämpft am Sonntag um die Nachfolge der Belgierin Tine Deckers, die drei der vier letzten Austragungen an der Côte d'Azur für sich entscheiden konnte. Kandidatin Nummer ein für den Sieg am Mittelmeer ist die US-Amerikanerin Mary-Beth Ellis. Die Fünfte der Ironman-WM auf Hawaii hat eine unfassbare Langdistanz-Bilanz: seit ihrem ersten Ironman, im Juli 2011 in Klagenfurt, hat sie neben zwei Starts beim Ironman Hawaii sechs Rennen bestritten - und alle gewonnen. Neben dem Ironman Austria, siegte die 35-Jährige in Regensburg, Penticton (CAN), Texas, New York (beide USA) und Los Cabos (MEX). Schwer vorstellbar, dass die Erfahrung der Tschechin Lucie Reed oder die Streckenkenntnis von Jeanne Collonge und Delphine Pelletier (beide FRA) reichen, um Ellis ihren siebten Ironmansieg streitig zu machen.

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