Ironman Lanzarote: Spiel mir das Lied vom Wind

Die Siegertrophäe des Ironman Lanzarote gehört nach wie vor zum Wertvollsten, was man als Triathlonprofi gewinnen kann. Am Samstag messen sich unter anderem Ronnie Schildknecht, Michael Göhner und Markus Thomschke mit der faszinierenden, aber auch unbarmherzigen Vulkaninsel. Vorjahressiegerin Kristin Möller will die Feuerteufel auf Lanzarote zum zweiten Mal bezwingen.

Von > | 15. Mai 2014 | Aus: SZENE

lanz13-10 | Ironman Lanzarote 2013

Ironman Lanzarote 2013

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Auch wenn der gefürchtete Wind bei der 23. Auflage des Ironman Lanzarote am kommenden Samstag keine rennentscheidende Rollen spielen sollte, unterschätzen werden ihn weder die 61 gemeldeten Profis, noch einer der mehr als 2.000 Agegrouper, die am Strand von Puerto del Carmen kurz nach Sonnenaufgang den ältesten Ironman Europas in Angriff nehmen werden. Einmal mehr werden die mutigen Dreikämpfer wieder nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen "Calima", den heißen und gefürchteten Wüstenwind kämpfen müssen, der regelmäßig von der Sahara Richtung Lanzarote geblasen wird. Die spanischen Meteorologen erwarten Temperaturen nahe 30 Grad. Damit dürfte der nahezu schattenlose Marathon am Meer - zwischen dem Flughafen von Arrecife und dem Urlaubsort Puerto del Carmen - für viele Athleten zur größten Herausforderung eines langen Tages werden. Zweifellos auch für die beiden gemeldeten Profis, die den Klassiker auf den Kanaren schon einmal gewonnen haben.

Schildknecht in der (Beinahe)-Rookie-Rolle

Der Belgier Bert Jammaer gewann das Rennen nach seiner Siegpremiere 2008 gleich noch einmal und scheiterte im Jahr darauf nur knapp an Eneko Llanos und dem möglichen Hattrick. Seitdem blieben die ganz großen Erfolge aus. Nun nimmt der 34-Jährige noch einmal Anlauf, um sich als erster Profi überhaupt dreimal in die Siegerliste des Rennens einzutragen. Verhindern wollen das mindestens zehn seiner Konkurrenten. Allen voran der Schweizer Ronnie Schildknecht. Der steht nach seinem unfreiwilligen Aus beim Ironman Südafrika im April schon etwas unter Druck, will er im Oktober beim Ironman Hawaii zum ersten Mal das Trikot seines neuen "UplaceBMC"-Teams präsentieren. Erschwerend hinzu kommt, dass der 34-Jährige nicht unbedingt als Freund großer Hitze gilt. Um die wird er am Samstag - bei seinem zweiten Start auf Lanzarote - aber kaum herumkommen. Gewinnen will er am Samstag trotzdem: "Alles andere als ein Sieg wäre für mich eine persönliche Enttäuschung", so der Schweizer im Interview mit tri-mag.de. Um die Nachfolge von Vorjahressieger Faris Al-Sultan bewerben sich am kommenden Wochenende außerdem der Este Kirill Kotsegarov und Miquel Blanchart aus Spanien, die den Deutschen 2013 auf dem Podium einrahmten. Dazu kommen der starke Franzose Romain Guillaume, einer von Schildknechts neuen Teamkollegen, Sergio Marques aus Portugal - 2012 schon einmal Dritter, sowie der Schotte Scott Neyedli.

Göhner nervös, aber kämpferisch

Genau wie Schildknecht ist auch Michael Göhner zum ersten Mal auf Lanzarote am Start. "Der Termin passt einfach gut - außerdem wollte ich das Rennen schon immer mal machen", so der Reutlinger gegenüber tri-mag.de. "Wenn ich es leicht haben wollte, würde ich keinen Ironman machen", gibt sich Göhner drei Tage vor der zu erwartenden Hitzeschlacht kämpferisch. Wegen Zahnproblemen im Frühjahr und einem Rippenbruch sei seine Vorbereitungszeit für Lanzarote allerdings recht kurz gewesen. "Natürlich bin ich etwas nervös, hoffe aber trotzdem, dass ich ein solides Rennen abliefern kann", so der 33-Jährige weiter. Auf ein solides Rennen hoffen auch Christian Brader, Jens Kaiser und Markus Thomschke, die das deutsche Profiquartett komplettieren. Für die Schweiz gehen neben Schildknecht noch Samuel Huerzeler, Patrick Jaberg und Mike Schifferle ins Rennen. Dominik Berger, Christian Birngruber und Florian Kriegl bilden das österreichische Trio.

Nr. 1 für Möller, Tajsich kehrt zurück

Mit einem besonders breiten Grinsen wird Titelverteidigerin Kristin Möller am Samstagmorgen am Strand von Puerto del Carmen dem Start des Rennens entgegen fiebern. Das dänische Veranstalterteam um Kenneth Gasque belohnte die Erlangerin für ihren Coup im vergangenen Jahr nämlich mit der Startnummer 1. Trotz intensiven Training dürfte sie beim Schwimmen aber noch nicht ganz vorn mitmischen können und damit zunächst wieder in die Rolle der Jägerin schlüpfen. Beim Radfahren überraschte die 30-Jährige im vergangenen Jahr sogar sich selbst. Von den heftigen Seitenwinden unbeeindruckt, jagte sie damals durch das Feld. Das ist in diesem Jahr allerdings etwas hochkarätiger besetzt. Neben der Britin Corinne Abraham haben sich die Vorjahresdritte Saleta Castro aus Spanien, die Dänin Michelle Vesterby, Lucie Gossage (GBR) und die nimmermüde Natascha Badmann angekündigt. Dazu kehrt Sonja Tajsich zehn Jahre nach ihrem letzten Lanzarote-Start auf die Insel zurück und kann es kaum noch erwarten. "Ich bin total gespannt, wie sich das im Vergleich zu damals anfühlt, als überhaupt noch keine Ahnung hatte", freut sich die Regensburgerin, die Lanzarote mittlerweile als ihre "zweite Heimat" bezeichnet. "Ich kenne die Strecke in- und auswendig", so Tajsich gegenüber tri-mag.de. Nach der verkorksten Saison 2013 wäre ein Platz auf dem Podium für die 38-Jährige mehr als ein Befreiungsschlag. Um Prestige und Punkte für das Kona Pro Ranking geht es zudem für Susan Blatt, Beate Görtz und Christine Waitz.