Stimmen der Profis Jacobs, Raelert und Co. auf der Pressekonferenz

Langstrecke | 14. Oktober 2012
Der Hawaiichampion von 1994, Greg Welch, bat auch in diesem Jahr die fünf schnellsten Männer der Ironman World Championships rur Pressekonferenz. Zunächst bot der schlagfertige Neuseeländer Andreas Raelert ein Stück Salamipizza an, danach löcherten Journalisten aus aller Welt die besten Triathleten der Welt. Hier ein paar Auszüge der launigen Fragerunde.
 
Pete Jacobs, Ironman World Champion 2012
"Ironman-Weltmeister. Noch fühlt sich das ein bisschen sureal an. "Als ich oben an der Palani Road war, wusste ich, dass es reichen würde. Dann wollte ich es einfach genießen. Die Leute waren so enthusiastisch, das hat mich noch ein bisschen angestachelt. Ich wollte meine Energie mit den Zuschauern teilen. Das alles war super aufregend, ein unfassbarer Tag."
Andreas Raelert (2. Platz Ironman Hawaii 2012)
auf die Frage, wie lange er noch an den Sieg geglaubt hat
"Als ich aus dem Energy Lab kam, hat mir jemand zugerufen, dass ich etwa fünf Minuten hinter Pete liege. Da waren immer noch elf Kilometer zu laufen und ich habe mich zu diesem Zeitpunkt richtig gut gefühlt. Da habe ich schon noch ein bisschen gehofft, dass Pete vielleicht auf den letzten Kilometern Probleme bekommt. Ich habe noch an diese kleine Chance geglaubt, ihn abzufangen. Dann bin ich bei Kilometer 35 gegen die Wand gelaufen und musste mich von einer Sekunde auf die andere nach hinten orientieren. Es ging mir richtig schlecht. Dann hatte ich ein wirklich tolles Finish mit Frederik (van Lierde). Um ehrlich zu sein, konnte ich es nicht wirklich genießen. Trotzdem: Ich habe heute den zweiten Platz gewonnen und nicht den ersten verloren und bin sehr glücklich mit dem Ergebnis."
über sein Duell mit Frederik van Lierde
"Wir hatten eine schöne Zeit da draußen. Als Frederik an der Palani Road attackiert hat, kamen bei mir die Erinnerungen an 2010 und die Attacke von Macca zurück. Und ich dachte, bitte nicht noch einmal. Da habe ich alles gegeben, um ihn zu übersprinten ... naja, es war eher eine Art "Last man standing". Im Ziel war ich zwar fix und fertig, aber auch wahnsinnig emotional. Das war ein toller Moment, den ich so noch nicht oft erlebt habe. Geweint habe ich nicht, aber ich war schon ziemlich überwältigt." (Kommentar von Greg Welch: "Ihr Jungs werdet weich.")
"Ich lag nach dem Schwimmen fast vier Minuten zurück und musste dann beim Laufen richtig viel tun. Ich war selbst  überrascht, dass es noch für den zweiten Platz gereicht hat. Als ich 2010 das Sprintfinish gegen Macca verloren hatte, war ich am Ende des Tages schon ein bisschen traurig. Heute habe ich gegeben, was ging. Im Sport kann es immer jemanden geben, der besser ist als man selbst. Hier sind es eben die Australier. Ich bin wieder Zweiter geworden. Pete war heute der Bessere. Er hatte einen großen Tag da draußen, aber eins ist sicher: Ich komme wieder und versuche dieses Rennen zu gewinnen."
Frederik van Lierde (3. Platz Ironman Hawaii 2012)
"Vor dem Rennen haben nicht viele Leute auf mich gewettet. Aber das hat mich noch selbstbewusster gemacht. Ich habe mich die ganze Woche richtig gut gefühlt und denke, dass es mir nicht geschadet hat, dass ich ein bisschen unter dem Radar war."

"Je länger der Marathon war, desto mehr habe ich an mich geglaubt. Auf den ersten vier, fünf Kilometern ging es mir wirlich schlecht und ich habe meinen Rhythmus nicht gefunden. Dann wurde es besser und ich habe versucht, locker zu bleiben und ein bisschen Energie für die letzten Kilometer zu sparen. Auf den letzten zehn Kilometer habe ich mich dann richtig gut gefühlt und konnte noch nach vorn laufen."
Sebastian Kienle (4. Platz Ironman Hawaii 2012)
zu den Ergebnissen der von Craig Alexander und Chris McCormack
"Craig (Alexander) hatte heute offensichtlich keinen guten Tag. Was bei Macca schief ging, muss er schon selbst sagen. Er hat vor dem Rennen gesagt, dass sie beide so lange weitermachen bis einer von ihnen zurücktritt. Ich bin nicht sicher, ob er dann heute zurücktreten wird. Aber sie sind immer noch zwei der größten Athleten unseres Sports. Wenn man mal einen schlechten Tag hat, bedeutet das ja nicht, dass man nicht zurückkommen kann."
"Jeder, der es aufs Podium schafft, hat es verdient dort zu stehen. Die stärksten waren heute vor mir, es spielt für mich keine Rolle, ob die McCormack, Alexander oder van Lierde heißen."
über seine Reifenpanne
"Wahrscheinlich hat es ziemlich dämlich ausgesehen, als ich versucht habe, den Reifen von der Felge zu bekommen. Ich hatte einen zweiten schlauchreifen dabei, aber aus dem kaputten Reifen ging die Luft nicht komplett raus, zum Weiterfahren war es aber zu wenig. Das Problem war, dass ich vor dem Start die Ventilverlängerungen abgebaut habe und so das geschlossene Ventil nicht aufbekommen und damit auch den Reifen nicht von der Felge abziehen konnte. Wir hatten zu der Zeit mehr als zwei Minuten Vorsprung auf die Verfolger und mehr als drei auf Craig, hinter dem auch der Materialwagen fuhr. Aber wenn man zu blöd ist, den Reifen zu wechseln, ist das die eigene Schuld. Es war mein Fehler. Aber auch etwas, das ich aus diesem Rennen gelernt habe."
zu seinen taktischen Überlegungen nach der Wende in Hawi
"Ich habe Marino nach dem Turnaround in Hawi eingeholt und mir war sofort klar, dass er der perfekte Partner für den Rückweg ist. Dann habe ich Pete gesehen, der sehr weit vorn war und vorher von einem 2:47er Marathon gesprochen hatte. Ich war mir sicher, dass das schwierig werden würde nach diesem Radfahren. Ich hab das mit Marino in Frankfurt schonmal gemacht und es hat super geklappt. Ich wusste, dass das meine Chance ist und habe deshalb alles versucht, zu ihm hinzufahren. Und kaum waren wir zusammen, kam die Panne. Aus dem Himmel in die Hölle, sozusagen. So war ich auf dem Weg zurück nach Kona ziemlich allein. Aber ich bin zum Glück ruhig geblieben und habe versucht, mein Tempo konstant weiterzufahren. Das Rennen ist eben erst an der Finishline zu Ende. Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich nicht irgendwas Dummes gemacht habe.
Faris Al-Sultan (5. Platz Ironman Hawaii 2012)
über Pete Jacobs' Zeit im Abu Dhabi Triathlon Team
"Als Pete in unserem Team war, habe ich schon gespürt, dass er wahrscheinlich einer der talentiertesten Athleten ist, die ich je gesehen habe. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so wenig schwimmt und so schnell ist. Außerdem ist er uns bei fast jeder Laufeinheit um die Ohren gerannt. Das einzige, worauf er keine richtige Lust hatte, war Radfahren. Ich kann mich erinnern, wie er bei längeren Einheiten an der Seite von Rachel Joyce gefahren ist und dabei richtig gelitten hat. Jetzt fährt er schneller als ich und hat auch den Dreh beim Radfahren raus. Er ist für mich der neue Superstar. Es wird in Zukunft richtig schwer, ihn zu schlagen, wenn er in dieser Form an den Start geht."
zu den Wetterbedingungen
"In den letzten paar Jahren waren die Bedingungen immer einigermaßen leicht. Das letzte harte Jahr war 2004, als Normann Stadler den Kurs hier gerockt hat und uns alle wie kleine dumme Schuljungen aussehen ließ. Mir hat er damals 18 Minuten gegeben und ich bin ja kein schlechter Radfahrer. Vor allem im vergangenen Jahr war es wirklich fair. Da wurden einige Agegroup-Rekorde und die beiden Overall-Rekorde gebrochen. Ich schätze, dass ein paar Leute nicht wahrhaben wollten, dass es hier so windig sein kann. Heute war es mehr das "normale" Kona."