Jacobs, Vanhoenacker, Kienle - wer holt den Sieg am Römer?

Was den Bankern seit Monaten nicht gelingt, schafft der Ironman Germany in der Finanzmetropole Frankfurt am Main: eine Gewinn(er)-Maximierung. Um den Sieg kämpft dieses Jahr ein extrem hochkarätiges Profifeld.

Von > | 4. Juli 2013 | Aus: SZENE

Marino Vanhoenacker gewinnt Ironman Germany 2012 | Marino Vanhoenacker gewinnt Ironman Germany 2012

Marino Vanhoenacker gewinnt Ironman Germany 2012

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Bei den Männern stehen unter anderem die amtierenden Weltmeister der Ironman 70.3- und Langdistanz sowie deren Pendants auf europäischer Ebene am Start. Verliehen letztes Jahr bereits Weltklasse-Athleten wie Marino Vanhoenacker, Andreas  Raelert, Sebastian Kienle und Jan Raphael der Veranstaltung Glanz, dürften dieses Mal Hawaii-Sieger Pete Jacobs, Ironman-70.3-Mallorca-Sieger Eneko Llanos sowie die deutschen Dreikampf-Könner Michael Raelert, Andreas Böcherer und Michael Göhner den Leistungsdruck an der Spitze nochmals verstärken.

Punkt, Punkt, Kona … in Sicht?

Während der Australier Pete Jacobs bereits für Hawaii gesetzt ist und deshalb in Frankfurt möglicherweise nicht bis ans Äußerste geht, wird Llanos (ESP) vermutlich alles dransetzen seine bisher starke Saison in der Mainmetropole fortzusetzen – und mit einem schnellen Marathon könnte er sich tatsächlich weit nach vorn schieben. Enormer Ehrgeiz dürfte auch in Marino Vanhoenacker brennen: Zum einen, weil er seinen Europameistertitel sicherlich verteidigen möchte. Zum anderen, weil ihm ein paar zusätzliche Punkte im Kona Pro Ranking ganz gut täten, um seinen Startplatz auf Hawaii zu festigen. Auch Michael Raelert, Andreas Böcherer, Michael Göhner und Jan Raphael brauchen noch ein paar Zähler, wenn sie auf Big Island im Oktober mitspielen möchten.

42 Kilometer Angst

Zwar keine Zähler, wohl aber Zahlen dürften beim Vorjahres-Zweiten Sebastian Kienle das Rennen beeinflussen: die 42,195 Kilometer des abschließenden Marathons am Mainkai. Nach einem unrunden Saison-Start mit Krankheit und Verletzung klafft ein großes Loch in seiner Laufvorbereitung. „Ich habe vor der Strecke diesmal die Hosen richtig voll“, gestand der 70.3-Weltmeister im Vorfeld. Vielleicht hat ihm die aufgezwungene Bremse aber auch gerade die Akkureserven verschafft, die er braucht, um doch wieder ganz vorn dabei zu sein – vor allem, wenn er es schafft, sich beim Schwimmen nicht abhängen zu lassen und sich auf dem Rad absetzen kann. Dass das Konzept „Podium trotz Pause“ funktionieren kann, zeigte Faris Al-Sultan 2011. Kurz vor der Frankfurter Langdistanz musste er erkältungsbedingt im Training kürzer treten – und holte sich dann prompt den Europameister-Titel.

Über außen nach oben

Bei den Frauen wird wohl die Stunde der Außenseiterinnen schlagen. Die Schweizerin Caroline Steffen, in den letzten beiden Jahren auf Sieg abonniert, wird eine Woche später in Roth starten. Eine Chance für die Vorjahres-Zweite Anja Beranek (GER), sich ganz nach oben aufs Treppchen zu schieben? Auch ihre Landsfrau Kristin Möller könnte ihre Erfahrung nutzen, um sich den zweiten Ironman-Gewinn nach dem ersten Platz auf Lanzarote im Mai zu holen. Die überragende Läuferin kann in der letzten Disziplin ordentlich Zeit gutmachen, wenn es ihr gelingt beim Schwimmen den Rückstand nicht gar zu groß werden zu lassen und auf dem Rad eine solide Leistung abzuliefern. Einfach durchmarschieren lassen werden ihre Konkurrentinnen die beiden aber nicht. Camilla Pedersen aus Dänemark hat mit dem Sieg bei der Half-Challenge Barcelona und dem zweiten Platz beim Ironman 70.3 Panama City gezeigt, dass sie fit ist. Jodie Swallow (GBR) könnte das Tempo auf dem Bike ordentlich in die Höhe treiben – und mit Vorsprung in den Marathon gehen. Und dann sind da noch die Deutschen Diana Riesler, die sich nach einer sturzbedingten Zwangspause in Frankfurt vielleicht zu neuen Leistungshöhen aufschwingt und Daniela Sämmler, die ihre mangelnde Langstrecken-Routine mit einem großen Klacks Talent wettmachen könnte.

Ob am Ende ein Favorit oder ein Überraschungssieger als Erster über den roten Teppich am Römer läuft, ist schwer zu sagen. Und eigentlich ist es auch egal. Denn es wird mit Sicherheit ein spannendes Rennen. So oder so.