Planänderung Jan Frodeno: "Ich peile den Ironman Lanzarote an"

Langstrecke | 24. März 2016
Um sich für den Ironman Hawaii zu qualifizieren, muss Jan Frodeno noch einen Ironman finishen. Nach seiner verletzungsbedingten Absage des Ironman Südafrika hat der Hawaiisieger dafür nun einen neuen Plan: Frodeno hat den Ironman Lanzarote ins Auge gefasst.
Bei einer Telefonkonferenz mehrerer Medienvertreter mit dem Olympiasieger, die die "Laureus Sport for Good"-Stiftung anlässlich ihrer Awards-Verleihung in Berlin in wenigen Wochen organisiert hatte, musste Frodeno angesprochen auf die Hawaiiqualifikation kurz nachdenken. "Ich weiß gar nicht, ob ich das schon sagen darf", sagte Frodeno da, lachte kurz - und erzählte es dann doch. "Ich habe den Ironman Lanzarote ins Auge gefasst und hoffe, dass mein Körper bis dahin wieder mitspielt."

"Habe zu viel gewollt"

Erst gestern hatte Frodeno seinen geplanten Start beim Ironman Südafrika endgültig abgesagt: Im Februar hatte sich der amtierende Hawaii-Sieger bei einem Tempodauerlauf einen Riss zweiten Grades im Soleus, einem Wadenmuskel, zugezogen. "Das ist ein neun Zentimeter langer Muskelfaserriss, eine klassische Überlastungsverletzung. Ich habe im Training zu viel gewollt und die Schmerzgrenze ignoriert", erklärt Frodeno. "Als Faustformel gilt, dass jeder Zentimeter eine Woche benötigt, um wieder auszuheilen. Wir liegen jetzt bei fünfeinhalb Wochen Laufpause." Zwar könne der Heilungsverlauf durch Aufbautraining beeinflusst werden, "aber ich respektiere den Sport und die anderen Athleten zu sehr, um den Marathon durchzuspazieren, einfach nur, um das Ironman-Finish für die Hawaiiqualifikation abzuhaken."
Nun soll also das Rennen auf Lanzarote am 21. Mai die Tür nach Hawaii öffnen. Dort muss er sich dann unter anderem mit Timo Bracht messen, der beim 25. Jubiläum des Rennens auf der Insel seinen zehnten Ironman-Sieg feiern möchte. Doch ob Frodeno auf Lanzarote alles auf Sieg setzen wird, scheint fraglich. Denn der 34-Jährige erklärt auch, dass ihn zur Zeit vor allem zwei Ziele treiben. "Zum einen möchte ich in Roth das Projekt Weltbestzeit auf der Langdistanz angehen", sagt Frodeno. "Zum anderen reizt mich auch der Gedanke, auf Hawaii die Acht-Stunden-Marke zu knacken. Das sind die beiden Ziele, die mich momentan am meisten reizen."

"Ein absoluter Traum"

Das größte Potenzial für schnellere Zeiten sieht Frodeno dabei in der zweiten Disziplin. "Andreas Raelert ist bei seinem Rekord in Roth noch sehr bedacht unterwegs gewesen. Ich sehe da speziell auf dem Rad noch Luft. Irgendwann knackt wahrscheinlich sogar mal jemand die Vier-Stunden-Marke auf den 180 Kilometern." Zudem spiele ihm in Roth die Laufstrecke über den Schotter, die beim Marathon besonders schonend wirke, in die Karten. "Es ist aber auch klar, dass solche Rekordversuche sehr von äußeren Bedingungen wie dem Wetter abhängig sind", erklärt Frodeno. "Und natürlich ist auch die Situation mit meinem kleinen Sohn eine Unbekannte. Wie sich das entwickelt, wenn der Kleine zu Krabbeln anfängt und wenn es in der Saison richtig zur Sache geht, müssen wir natürlich noch abwarten. Momentan ist das Leben mit ihm und meiner Frau aber ein absoluter Traum."