Jan Frodeno: "Will bereit sein, selbst zu agieren"

Craig Alexander, Bevan Docherty, Terenzo Bozzone, Courtney Atkinson - und mittendrin Jan Frodeno. Der Olympiasieger will sich beim Ironman 70.3 Auckland mit einigen der besten Triathleten der Welt messen - hat sich aber noch nicht viele Gedanken darum gemacht, wie, verrät er im Interview mit tri-mag.de.

Von > | 15. Januar 2014 | Aus: SZENE

frodo_iv | Jan Frodeno

Jan Frodeno

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Jan Frodeno, als einer der ersten deutschen Profis starten Sie am Wochenende ins Wettkampfjahr 2014. Seit wann trainieren Sie wieder?
Schon seit einer ganzen Weile. Wir haben Anfang Oktober geheiratet, Ende des Monats sind Emma und ich aus den Flitterwochen zurückgekehrt. Damit bin ich auch langsam wieder in das Grundlagentraining eingestiegen. Eigentlich wollte ich dann schon im Dezember beim Ironman 70.3 in Canberra wieder in die Wettkampfsaison einsteigen. Allerdings hatte ich zwischenzeitlich die üblichen kleinen Wehwehchen – in dem Fall verursacht durch muskuläre Dysbalancen. Da war es mir dann einfach zu riskant, für ein Rennen, bei dem im Grunde nicht viel zu holen ist, eine längere Pause zu riskieren.

Aber auch das Rennen in Auckland ist ein sehr früher Einstieg in die Saison.
Richtig. Das liegt zum einen daran, dass meine letzte Saison sehr kurz war, auch aus privaten Gründen. Zum anderen brauche ich für mich persönlich aber auch immer ein Datum, um irgendwie in die Gänge zu kommen. So sehr ich im Sommer mitunter etwas übermotiviert bin, bin ich im November gern mal Lebemann, lasse alle Fünfe gerade sein und denke mir: Ach, morgen ist auch noch ein Tag. Es war aber wichtig, früh ins Training einzusteigen und diese Grundlagen zu legen, weil das, was vor mir liegt – diese körperliche Umstellung – einfach noch ein weiter Weg ist. Und halbe Sachen mache ich immer nur sehr ungern.

Wenn Sie einen Vergleich zu Ihrer 70.3-Premiere in Wiesbaden ziehen: Merken Sie, dass sich das mittlerweile vermutlich spezifischere Training bereits in dieser Saisonphase auszahlt?
Auf jeden Fall. Gerade auf dem Rad spüre ich den Unterschied: Gar nicht unbedingt in der Spitze, sondern eher in der Dauer, bei längeren Intervallen zum Beispiel. Aber auch mit der Aeroposition konnte ich mich inzwischen besser anfreunden und auch einiges anpassen. Dort muss schließlich auch der Komfort stimmen, es muss orthopädisch verkraftbar sein. Bei den Weltmeisterschaften in Las Vegas ist das im vergangenen Jahr noch nach hinten losgegangen. In der Hinsicht konnte ich nun an einigen Dingen schrauben, vor allem an mir selber auch noch etwas arbeiten – und bin zuversichtlich, dass der Körper nun auch wirklich hält.

Was meinen Sie, wenn Sie sagen, dass Sie auch an sich selbst gearbeitet haben?
Das bezieht sich vor allem auf die Stabilität, aber beispielsweise auch auf die Dehnung. Nicht nur muskulär, sondern auch die Nervenbahnen, die bei mir über diese Sitzposition eher das Problem waren: Mein Rücken war so fest, dass sich die Nervenbahnen verklebt haben. Das kann man auch aufdehnen – etwas, naja, ganz besonders „angenehmes“. Außerdem habe ich insofern etwas umgestellt, als dass ich nun immer einen Physiotherapeuten an meiner Seite habe. Es war ein wichtiger Schritt für mich: zu erkennen, dass mein Körper zwar sehr gut auch über die längere Distanz zurechtkommt, dass ich aber auch so etwas brauche, um ihn in Schuss zu halten.

Jan Frodeno | An die neue und ungewohnte Sitzposition hat sich Frodeno mittlerweile gewöhnt.

An die neue und ungewohnte Sitzposition hat sich Frodeno mittlerweile gewöhnt.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Am Wochenende geht es natürlich auch um Punkte für das Kona Pro Ranking. Rechnen Sie schon mit?
Natürlich sind die Punkte auch interessant, aber so ganz habe ich mich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt. Ich habe gehört, es gibt in Auckland im Optimalfall 1.500 Punkte zu holen (Anm. d. Red.: die höchstmögliche Punktzahl in einem 70.3-Rennen abseits der Weltmeisterschaften), bei etwa 4.000 Zählern soll wohl die „magische Grenze“ für Kona liegen. Klar, dass das dann auch in dieser Hinsicht sinnvoller ist als das Rennen in Canberra. Vor allem sind aber auch die anderen guten Jungs in Auckland. Das ist ja nicht das Ende meiner Reise, sondern ein Zwischenziel, bei dem ich meinen aktuellen Trainingsstand abrufen will, um mich langfristig auf Hawaii vorzubereiten. Und am leichtesten kann man immer im Kräftemessen mit den Besten überprüfen, wo man aktuell steht.

Sie haben sich sicher schon Gedanken gemacht, was am Wochenende auf der Strecke passieren könnte. Was erwarten Sie für einen Rennverlauf?
Habe ich ehrlicherweise noch nicht! Ich habe mir in der letzten Zeit mehr Gedanken um mich selbst gemacht als um andere und das Rennen. Ich habe versucht, mich auf jede mögliche Rennsituation vorzubereiten – und bereit zu sein, auch selbst zu agieren. Im Schwimmen habe ich relativ viel trainiert, meine Radform ist sehr gut und die Laufvorbelastung hat auch gepasst. Insofern werde ich einfach abwarten, was kommt, und mit einer gewissen Lockerheit an die Sache herangehen.

Es gibt diesmal also niemanden wie vor einigen Monaten Ritchie Nicholls in Wiesbaden, den Sie damals schon vor dem Rennen ganz oben auf Ihrer Favoritenliste hatten, auf den Sie besonders achten?
Naja, dieses Rennen ist noch einmal etwas ganz anderes. Es gibt so viele Jungs, die genau jetzt topfit sind, die jetzt richtig stark sind – und die man im restlichen Jahr nie wieder sieht. Für den Europäer ist der Januar im Triathlon dagegen eher Saure-Gurken-Zeit. Von daher gehe ich nicht in das Rennen und denke mir: Der und der und der ist auf der Liste. Im Kopf sind das für mich alles schwarze Anzüge – mal schauen, was sie so machen. Das ist auch ein Grund, warum ich nicht auf einen bestimmten Rennverlauf spekulieren kann.

Wissen Sie schon, wie es in den Monaten nach dem Rennen für Sie weitergeht?
Ich habe momentan geplant, über eine Zwischenstation beim Ironman 70.3 Oceanside Ende März wieder nach Europa zurückzukommen. Was danach bis zu meinem Sommer-Ironman passiert, steht noch nicht fest, auch nicht, wie viele Mitteldistanzen ich bis dahin noch mache. Da will ich auch erst einmal abwarten, was am Wochenende passiert. Grundsätzlich macht die Mitteldistanz schon richtig Spaß, das ist ein tolles Format, das einen im Anschluss auch nicht zu lange lähmt. Vielleicht starte ich in diesem Jahr auch irgendwann noch bei einem Challenge-Rennen, wenn es passt. Ich finde diese Konkurrenz wichtig für den Triathlon. Sicher ist aber, dass ich vor Hawaii nur einen Ironman absolvieren werde. Der steht – intern – auch schon fest.

Wird man Sie vor Ihrem Ironman-Debüt auch noch einmal in Deutschland am Start sehen?
Das wäre natürlich cool, ich starte immer unheimlich gern in Deutschland. Aber da muss ich mir erst noch einmal den Kalender genauer anschauen. Womöglich suche ich mir ein olympisches windschattenfreies Rennen, so wie das frühere Format in Buschhütten. Vielleicht starte ich aber auch bei einem Bundesligarennen. Da bin ich völlig offen. Momentan stehen für mich erst einmal meine Hauptsäulen. Der Form entsprechend werde ich entscheiden, was dann noch rein passt.