Sechs Jahre nach seinem Sieg in Florida holt Jan Raphael in Kalmar Ironmantitel Nummer zwei

Stefan Jäger / WTC

Jan Raphael Ironman Sweden 2012
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Premiere in Kalmar Jan Raphael krönt deutsche Ironman-Party

Langstrecke | 18. August 2012
Mit einem historischen Dreifachsieg für die deutschen Profis endet die Premiere des Ironman Sweden. Jan Raphael feiert in Kalmar nach sechs Jahren Pause seinen zweiten Ironmantitel. Die Außenseiter Dorian Wagner und Horst Reichel stehlen Andreas Böcherer die Podiums-Show. Der ist nach Platz sechs aber sicher für Kona qualifiziert. Bei den Frauen bleibt der Sieg in Schweden.
Eigentlich wollte Jan Raphael Anfang November in Florida nach dem zweiten Ironmansieg seiner Karriere greifen. Nun hat er den Titel schon etwas früher in der Tasche. Auch Dank Freundin Rebekka Eßmüller, die ebenfalls Ironmanprofi ist und unbedingt bei der Premiere in Schweden dabei sein wollte. Offenbar ihr zuliebe entschied sich auch der 32-Jährige für Kalmar. Eine glänzende Wahl des Hannoveraners. Denn am Ende des Tages stand nicht nur der Titel - in 8:04:01 Stunden unterbot er zudem seine vier Jahre alte Langdistanz-Bestmarke aus Frankfurt um mehr als acht Minuten.

Deutsches Quartett dominiert

Auch Andreas Böcherer hatte das Rennen in Kalmar zu Saisonbeginn nicht auf dem Plan. Doch nach dem Aus beim Ironman Südafrika im April und der Absage der Ironman-70.3-EM war der Freiburger in Zugzwang gekommen. In Schweden sollten nun endlich die fehlenden Punkte fürs Kona Pro Ranking auf seinem Konto landen. Beim Schwimmen im 19 Grad warmen Kalmarsund ergreift Böcherer dann auch wie gewohnt vom Start weg die Initiative. "Ich habe schon versucht ein bisschen Dampf zu machen", erklärt er gegenüber tri-mag.de. Wirklich ernst macht er aber offenbar nicht. Keine 20 Sekunden vor sechs Verfolgern, darunter mit Jan Raphael und Dorian Wagner zwei weitere Deutsche, klettert er nach gut 48 Minuten mit Horst Reichel im Schlepptau aus dem Wasser. Auf der flachen Radstrecke durch Südostschweden passiert dann nicht viel. Gemeinsam mit dem Russen Andrej Lyatskiy, dem Ukrainer Anton Blokhin und den beiden Schweden Jonas Djurback und Karl Johan Danielsson rollt das deutsche Quartett über den Rundenkurs, der unter anderem über die sechs Kilometer lange und 40 Meter hohe Ölandbrücke führt. So richtig weh tun, wollen sich die Kontrahenten nicht. Irgendwann attackiert der fränkische Außenseiter Dorian Wagner und kommt zwei Minuten weg. Böcherer und Raphael steigen etwas später erfolgreich hinterher. Als auch Reichel mit den vier restlichen Begleitern am Hinterrad wieder aufschließt, schläft das Tempo, abgesehen von einer letzten Attacke Danielssons, wieder ein. Die Entscheidung muss also auf der Marathonstrecke fallen.

"Dann ging der Motor aus"

Ein "grauenvoller" Wechsel bringt Böcherer dort zunächst ins Hintertreffen. Am vergangenen Mittwoch hatte der 29-Jährige noch mit Fieber im Bett gelegen. Ein kleines Wunder, dass er überhaupt an den Start gehen konnte. Auf den ersten Kilometern übernimmt Raphael sofort das Kommando, will die Chance auf den zweiten Ironmantitel nutzen. Wirklich folgen können nur Böcherer und Wagner, die den Zweiten der Ironman-EM von 2011 anfangs noch in Sichtweite behalten. Bei Kilometer 17 scheint die Vorentscheidung dann gefallen. Zwei Minuten läuft Raphael bis dahin auf seine beiden deutschen Profikollegen heraus. Reichel bleibt knapp dahinter in Lauerstellung. Zehn Kilometer vor dem Ziel geht Böcherer der Sprit aus. "Der Motor ging von einer Sekunde auf die andere aus", sagt er später. Überrascht habe ihn das aber nicht: "Meine Vorbereitung war ja eigentlich auch auf das Rennen in Wiesbaden ausgerichtet." Binnen drei Kilometer büßt Böcherer mehr als zwei Minuten auf den ohnehin enteilten Raphael, aber auch gegenüber Wagner, Reichel, den Schweden Djurback und einige andere Verfolger ein. Der erhoffte Platz auf dem Podium ist damit außer Reichweite, Böcherer reagiert und schaltet einen Gang zurück. Acht Wochen vor dem Ironman Hawaii sicher nicht die schlechteste Entscheidung. 

Raphael von vorn, Böcherer bremst sich

An der Spitze bringt Jan Raphael sein Tagwerk souverän zu Ende. In überragenden 2:45:44 Stunden setzt er auf der Marathonstrecke die Tagesbestzeit und wird im Ziel auf dem Stortorget von Tausenden begeisterten Schweden in Empfang genommen. Damit ist auch er für die Ironman Hawaii qualifiziert. Vielleicht überdenkt er seinen Plan vom Start in Florida nun doch noch einmal. Den größten Erfolg seiner jungen Profikarriere feiert Dorian Wagner. Der 28-jährige Allersberger verteidigt seinen zweiten Platz bis ins Ziel. Vier Minuten nach Raphael kommt er dort an. Für den totalen deutschen Triumph sorgt Horst Reichel. Wie neun seiner Kollegen bleibt auch der Darmstädter unter der Drei-Stunden-Marathonmarke und schnappt sich in Schweden das erste Ironmanpodium seiner Karriere. Für Böcherer bleibt der sechste Platz, Djurback und der Ukrainer Blokhin schieben sich noch an ihm vorbei. "Es hätte nicht besser laufen können", bilanziert Böcherer eine Stunde dem Zieleinlauf. Damit meint der Freiburger allerdings nicht seine Platzierung. "Es ging mir nach einem Ironman noch nie so gut wie heute, erzählt er. Dabei habe er sich vor dem Rennen ein bisschen Sorgen gemacht, ob er sich in Richtung Hawaii ausreichend erholen würde. Fazit für den Ironman-Europameister von 2011: Ein gutes Rennpferd springt meistens nur so hoch, wie es unbedingt muss.
Ironman Sweden | Männer
18. August 2012, Kalmar (SWE)
NameNationGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,195 km Run
1Jan RaphaelGER8:04:0148:324:26:332:45:44
2Dorian WagnerGER8:08:0648:384:26:312:49:50
3Horst ReichelGER8:10:1248:164:27:102:51:01
4Jonas DjurbackSWE8:10:5148:294:26:512:52:38
5Anton BlokhinUKR8:13:5648:404:30:552:50:42
6Andreas BöchererGER8:15:2648:154:26:382:56:55
7Sergio MarquesPOR8:16:2153:174:31:352:48:20
8Karl-Johan DanielssonSWE8:21:0448:454:24:203:05:09
9Teemu LemmettylaFIN8:21:5158:394:25:482:53:39
10Christophe BastieFRA8:21:5452:534:27:382:58:02