Challenge Roth Joyce gegen Tajsich und Gajer

Langstrecke | 8. Juli 2012
Athletisch hat sie keine Schwäche – jetzt darf sie auch mental keine zeigen: Die Britin Rachel Joyce liegt zum Beginn des Marathons in Roth deutlich in Führung, doch ihre beiden deutschen Verfolgerinnen gehören zu den besten Läuferinnen der Zunft.
Falls die Britin Rachel Joyce jemals auf eine Allianz gehofft haben sollte mit dem Ziel, auf der Radstrecke einen Sicherheitsabstand zwischen sich und ihre vermeintlich gefährlichsten Konkurrentinnen für den Marathon zu bringen – die Deutsche Julia Gajer und Sonja Tajsich aus Regensburg –, dann müssen schon die ersten 40 Kilometer hinunter nach Greding einer Ernüchterung sein. Denn Lucie Zelenkova-Reed, mit der Joyce die Auftaktdisziplin noch gemeinsam im Feld der stärksten Männer zurücklegt, büßt bereits auf diesem Abschnitt den kompletten zweiminütigen Vorsprung auf Gajer ein, die ihrerseits 45 Sekunden auf die Führende gut machen kann. Spätestens jetzt wird Joyce wohl klar: Sie ist im Kampf um den EM-Titel auf sich allein gestellt.
Ab jetzt erhöht sie ihren Rhythmus deutlich: Aus knapp zwei Minuten Vorsprung werden bis zum Fuß des Solarer Bergs in Hilpoltstein (Kilometer 70) dreieinhalb, bei der zweiten Durchfahrt durch Greding sind es über sechs und bei der zweiten Durchfahrt durch Hilpoltsteins berühmten Anstieg melden die Zeitmessmatten sogar über acht Minuten Vorsprung für die Joyce, die auch auf den verbleibenden knapp 30 Kilometern nach Roth keine Schwäche mehr zeigt. Sie tut gut daran, denn ihre schärfste Verfolgerin heißt inzwischen Tajsich. Wie ein Uhrwerk hat die Regensburgerin die 180 Kilometer abgespult, ihren erwarteten Schwimmrückstand von knapp neun Minuten eingefroren und wartet jetzt auf ihre Chance, einen Moment der Schwäche bei der Hawaii-Vierten des vergangenen Jahres. Dass die noch dazwischen platzierte Niederländerin Mirjam Weerd, die sich über weiter Strecken im Schutz der schnellen Altersklassenmänner nach vorn gepirscht hat, auf der Marathonstrecke eine Rolle spielen kann, ist unwahrscheinlich. Als Vierte liegt Gajer am Ausgang der zweiten Wechselzone zehn Minuten zurück.