Julia Gajer: "Das war ein hartes Stück Arbeit"

Nachdem Julia Gajer am Renntag bis kurz vor Mitternacht den Finishern die Medaillen umgehängt hatte, durfte sie sich gestern bei der Siegerehrung ihre Ironman-Siegtrophäe abholen. Nach einem harten Tag haben wir mit der frischgebackenen Nordamerika-Meisterin gesprochen.

Von > | 16. Mai 2016 | Aus: SZENE

Julia Gajer

Foto >Silke Insel / spomedis

Julia, Sie hatten gestern ein perfektes Rennen. So sah es zumindest von außen aus. Hat es sich von innen genauso angefühlt?

Es war ein ganz schön hartes Stück Arbeit. Das Schwimmen war okay, wobei ich noch etwas schneller hätte sein können. Ich habe nur leider den Zug nach vorne verpasst. Bei uns Mädels ist das ziemlich zerfallen und jede war letztendlich für sich unterwegs. Mit dem Radfahren bin ich sehr glücklich. Das lief einfach rund, ohne große Tiefs. Das Laufen war dann aber ganz schön zäh. Ich mag eigentlich die Hitze, aber gestern, das war einen Tick zu hart. Vielleicht hätte ich früher anreisen müssen. Ich habe die ganze Zeit zu Hause trainiert oder auf Mallorca, aber da war es noch nicht so warm.

Was ging in Ihrem Kopf beim Laufen vor?

Ich war beim Laufen froh, dass ich vor den ganz starken Läuferinnen einen so großen Vorsprung hatte, so konnte ich relativ kontrolliert laufen und musste nicht total ans Limit gehen. Ich hatte Zeit, mich gut zu verpflegen. Aber so einfach, wie es von außen vielleicht aussah, war es mit Sicherheit nicht. Ich war mir auch erst ganz kurz vor dem Ziel sicher, dass das heute passt.

Haben Sie mitbekommen, dass Jodie Robertson und Lisa Roberts immer näher kommen?

Ja, das wusste ich. Ich hatte gute Informationen an der Strecke. Mein Vorsprung war zu Beginn 15 Minuten groß. Am Anfang der letzten Runde war ich immer noch knappe 10 Minuten voraus, da hab ich dann das erste Mal gedacht, dass es reichen kann.

Waren Sie erstaunt über das offensive Herangehen von Lauren Brandon, die nicht nur bärenstark geschwommen ist, sondern auch auf dem Rad ordentlich Druck gemacht hat?

Ich wusste, dass sie sehr sehr schnell schwimmen kann. Aber ich war doch etwas schockiert, als ich bei Meile 40 einen Rückstand von 14 Minuten hatte, obwohl ich ziemlich flott unterwegs war. Ich habe mich aber entschieden, sie einfach machen zu lassen, und hab selbst einfach mein Ding gemacht. Das hat sich am Ende zum Glück ausgezahlt. Überrascht hat mich, dass ich beim Laufen so schnell aufgeholt habe, denn ich bin nicht sehr schnell angelaufen. Aber nach fünf Meilen konnte ich die Führung bereits übernehmen. Da hat sich meine Taktik ausgezahlt.

Wie haben Sie die Stimmung an der Laufstrecke erlebt?

Die Menschen auf dem Laufkurs waren unglaublich motivierend. Das schönste war, dass unsere Gastfamilie in der Nacht vor dem Rennen Motivationssprüche und unsere Namen auf die Strecke gemalt hat. Auf fast jedem Meter wurde ich von deren Sprüchen begleitet, das war wirklich cool. Am Kanal war es das gesamte Rennen über so laut. Da hätte ich mir fast manchmal die Ohren zuhalten wollen. An Anfeuerung von außen hat es an keinem Punkt des Rennens gefehlt.

Sie haben Ihr Ziel, die Kona-Quali perfekt zu machen, erreicht. Was kommt als nächstes?

Ich werde keine Langdistanz mehr vorher machen, aber einige Mitteldistanzen. Ich mache die einfach so gerne und die Rennen an sich setzen einen guten Trainingsreiz. Geplant ist der Ironman 70.3 Kraichgau in drei Wochen. Mal sehen, wie erholt ich bis dahin bin. Außerdem freue ich mich auf die Challenge Heilbronn. Nach einem Trainingsblock im Juli steht dann noch der Ironman 70.3 Wiesbaden an und mein neues Heimrennen, die Challenge Walchsee.

Wo werden sie sich auf Kona vorbereiten?

Das weiß ich noch nicht genau. Ich werde nicht so lange wie im letzten Jahr am Stück weg sein. Vielleicht zieht es mich Richtung Fuerteventura. Mal sehen, wer mich vom Team Erdinger Alkohlfrei noch alles nach Kona begleitet. Denn alleine würde ich ungerne trainieren wollen. Ansonsten ist zu Hause auch nicht das schlechteste Trainingsrevier.

Ein kleiner Ausblick nach Kona: Was ist ihr Ziel?

Eine richtig gute Performance möchte ich abliefern. Top 5 ist das Ziel.