Julia Gajer: "Wenn man das Ding gewinnen will, muss man dafür bereit sein!"

Julia Gajer geht als Mitfavoritin in das Rennen von Texas. Die gebürtige Hannoveranerin will am Samstag die Kona-Quali in trockene Tücher bringen und ist für den Tagessieg bereit, auf Risiko zu gehen. Warum sie aber in erster Linie für sich ein gutes Rennen abliefern will, verrät sie im Interview mit tri-mag.de.

Von > | 13. Mai 2016 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2015 Interview Julia Gajer_Titel | Julia Gajer kommt mehr und mehr in Schwung: Nach Platz 6 auf Hawaii 2014 und dem 2. Platz bei der Europameisterschaft in Frankfurt blickt sie mit viel Selbstvertrauen auf das kommende WM-Rennen.

Julia Gajer kommt mehr und mehr in Schwung: Nach Platz 6 auf Hawaii 2014 und dem 2. Platz bei der Europameisterschaft in Frankfurt blickt sie mit viel Selbstvertrauen auf das kommende WM-Rennen.

Foto >Nis Sienknecht

Julia Gajer, Sie gehen als Favoritin in das Rennen, das ist mittlerweile nichts Neues für Sie. Machen Sie unter Druck gute Rennen?

Ich würde schon sagen, dass ich gut mit Druck umgehen kann. Wobei man sich den allergrößten Druck sowieso immer selbst macht. Ich sehe mich nicht als Über-Favoritin. Ich denke, hier sind schon noch andere Mädels am Start, die richtig was können. Aber die Chance ist da, das Rennen zu gewinnen. Dazu muss alles passen. Geschenkt bekommt man hier nichts.

Mit welchen Ambitionen gehen Sie ins Rennen?

Mein primäres Ziel ist, die Kona-Quali unter Dach und Fach zu bringen. Da brauche ich nicht mehr allzu viele Punkte. Von daher kann ich schon auch ein bisschen Risiko eingehen. Das werde ich tun. Natürlich dosiert, aber wenn man das Ding hier gewinnen will, dann muss man dafür auch bereit sein. Für mich will ich am Samstag einfach mal wieder ein gutes Rennen machen!

Weil die letzten Langdistanzen nicht nach Plan verliefen?

Ja, Kona war der absolute Tiefpunkt und auch Arizona war eine Quälerei. In Kona haben wir den Effekt der Hitze unterschätzt. Wir haben im Vorfeld hier in Texas relativ hart und viel trainiert. Davon habe ich mich bis Kona nicht richtig erholt. Nach Kona habe ich dann nicht mehr so richtig viel gemacht. Ich wollte für Arizona die Form rüberretten. Aber wenn man nur mit 90 % ins Rennen geht, dann ist das keine gute Voraussetzung. Und dann der stundenlange Regen mitten in der Wüste, wenn keiner ihn erwartet - das war alles ein bisschen unglücklich. Letzendlich darf man nicht jammern, es kam immer noch der 3. Platz heraus und eine gute Basis für Kona. Aber endlich wieder ein gutes Rennen zu machen – dafür bin ich hier. Der amerikanische Boden könnte ein gutes Pflaster dafür sein.

Wen sehen Sie als Ihre Hauptkonkurrentin?

Die Hauptkonkurrentin gibt es vielleicht gar nicht. Ich habe viele Mädels auf dem Schirm. Kelly Williamson ist zum Beispiel so eine Kandidatin. Wenn sie so einen Lauf hat wie vor zwei Jahren … da ist sie 15 Minuten schneller gerannt. Ich hatte ewig Vorsprung nach dem Radfahren und sie hat mich trotzdem noch gekriegt, das war bärenstark. Genauso Lisa Roberts, die kann auch richtig schnell laufen. Alica Kaye ist auf der halben Distanz richtig fix. Sie war in Zell am See vor mir. Ich bin gespannt, was sie aus ihrem Langdistanzdebüt macht. Rebekah Keat ist die große Unbekannte. Sie hat seit Ewigkeiten kein Rennen gemacht, ist aber trotzdem nicht zu unterschätzen.

Als starke Radfahrerin kommt Ihnen die Radstreckenkürzung auf 150 Kilometer nicht unbedingt entgegen. Wie sieht Ihre Taktik diesbezüglich aus?

Ich denke, dass das Rennen härter wird. Gerade mit den schnellen Läuferinnen hinten drauf muss man schon versuchen, schnell und hart Rad zu fahren, weil man weniger Zeit und Kilometer zur Verfügung hat, eine Lücke zu reißen. Man muss die beste Kombination aus beidem finden. Gerade so hart Rad fahren, dass man trotzdem noch einen soliden Marathon laufen kann. Das darf man hier in der Hitze nicht unterschätzen. Die Radstreckenkürzung war definitiv die richtige Entscheidung. Die Unwetter waren höhere Gewalt. Man muss einfach das Beste draus machen.