Kraichgau Kienle demontiert die Konkurrenz

Langstrecke | 14. Juni 2009
Sebastian Kienle hat die Challenge Kraichgau in beeindruckender Manier gewonnen. Der 25-Jährige fuhr seiner Konkurrenz dabei auf dem Rad scheinbar spielend leicht davon. Bei den Frauen setzte sich souverän die Favoritin Rebekah Keat aus Australien durch.
So richtig wusste Sebastian Kienle Minuten vor dem Start zur ersten Challenge im Kraichgau nicht, wo er steht. Denn ein Zeckenbiss mit anschließender Borelliose-Infektion führte dazu, dass der Sieger des Buchhütten-Triathlons bis zum Donnerstag vor dem Rennen Antibiotika einnehmen musste. Die Favoritenrolle schob er deshalb - nicht nur wegen der schwierigen Vorbereitung - lieber dem Australier Chris McCormack zu: "Macca macht jetzt zwar das dritte Rennen in drei Wochen, aber darauf hoffen, dass er deshalb müde ist, wäre wohl kaum angebracht. Der wird ja eher immer schneller." Ärgern wolle er den Hawaii-Sieger von 2007 aber natürlich trotzdem gern.

McCormack flucht am Streckenrand

Und zunächst sah auch alles danach aus, als würde McCormack seinen Vorjahressieg - damals über die etwas kürzere M-Distanz - wiederholen können. Als Erster absolvierte der Sunnyboy die 1,9 Kilometer Schwimmen und schien auch auf den ersten 20 Radkilometern jederzeit Herr der Lage zu sein. Dann schloss Kienle nach guter Schwimmleistung zu ihm auf. Gemeinsam setzten sich die beiden an die Spitze. Als McCormack aber wenige Kilometer später fluchend mit einem platten Hinterreifen am Streckenrand stand, war der Weg für Kienle frei. McCormack: "Ich bin sehr enttäuscht, weil ich keinen Ersatzschlauchreifen dabei hatte und mich auf Materialfahrzeuge verlassen hatte, wie sie sonst bei den Challenge-Rennen eingesetzt werden. Ziemlich blöd, aber es ist meine eigene Schuld."
Kienle drehte fortan allein seine Kreise. Angetrieben von Fehlinformationen an der Strecke, drückte der Ausnahmeradfahrer mächtig auf Pedal: "Meine Freunde haben mir immer wieder einen 60-Sekunden-Vorsprung zugerufen. Ich habe also weiter Druck gemacht und gehofft, dass die Jungs hinter mir irgendwann mal abplatzen. Dass dieses Irgendwann schon lange zurück lag, wusste Kienle zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch nicht, dass sein Vorspung nicht im Sekundenbereich lag, sondern nach nur 50 Kilometern auf der anspruchsvollen Strecke bereits über viereinhalb Minuten betrug. Dahinter mühten sich der Australier Paul Ambrose und Raynard Tissink aus Südafrika ab, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Acht Minuten vor dem Rest

Ihre Bemühungen blieben allerdings vergeblich, genau wie die von Thomas Hellriegel, dem Briten Spencer Smith und allen anderen Topathleten. Über acht Minuten Vorspung nahm Kienle mit auf den Halbmarathon. Und spätestens jetzt kam McCormack am Streckenrand ins Grübeln: "Vielleicht war es gar nicht so schlecht für mich mit dem Defekt. Sebastian hätte mir heute wohl echte Schmerzen bereitet", witzelte der Australier, der seine Kollegen zwar lautstark anfeuerte, dem seine Enttäuschung aber noch anzusehen war. Vier Minuten Vorsprung hätte er selbst dem jungen Deutschen im Rennen gegönnt. Dann hätte er sich selbst den Sieg noch zugetraut. Bei dieser Rennkonstellation allerdings hätte "Macca" den Halbmarathon in 1:12 Stunden rennen müssen. Kienle nämlich ließ auch in der Abschlussdisziplin keine Schwäche erkennen und baute seinen Vorsprung bis ins Ziel auf beinahe neun Minuten aus. Als Zweiter überquerte der Südafrikaner James Cunnama die Finish-Line, der mit dem schnellsten Lauf nach vom zehnten Platz nach vorn kam. Dritter wurde der Australier Aaron Farlow.

Keats One-Woman-Show

Das Frauenrennen geriet ebenso zur One-Woman-Show: Die Australierin Rebekah Keat setzte sich schon beim Schwimmen an die Spitze. Vor ihrer Team-TBB-Kollegin Lisbeth Kristensen aus Dänemark wechselte sie als Erste auf das Rad. An dieser Reihenfolge sollte sich auch auf einem Großteil der Radstrecke nichts ändern. Erst auf den letzten Kilometer schob sich die Lokalmatadorin Stephanie Rittershofer auf den zweiten Rang hinter Keat. Die hoch eingeschätzte Deutsche Wenke Kujala stürzte auf Platz vier liegend in einer scharfen Kurve und musste das Rennen beenden.
An der Spitzenposition der 31-jährigen Keat konnte auf der Halbmarathondistanz bei Temperaturen um 30 Grad Celsius keine ihrer Konkurrentinnen etwas ändern. Mit beinahe acht Minuten Vorsprung durfte sie sich feiern lassen. Kristensen, die sich kurzentschlossen für den Start entschieden hatte, wurde Zweite vor der Neuseeländerin Merryn Johnston, die in ihren ersten Profijahr auf Platz drei ins Ziel kam. Beste Deutsche wurde Celia Kuch, die als Fünfte noch vor Rittershofer finishte.
Challenge Kraichgau, Frauen
14. Juni 2009, Mingolsheim (Kraichgau)
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Rebekah KeatAUS25:162:37:051:27:514:32:58
2Lisbeth KristensenDEN25:222:41:141:30:514:40:40
3Merryn JohnstonNZL26:362:43:551:27:424:41:25
4Tiina BomanFIN26:022:43:381:31:164:44:26
5Celia KuchGER27:372:42:001:35:594:49:20
Challenge Kraichgau, Männer
14. Juni 2009, Mingolsheim (Kraichgau)
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Sebastian KienleGER23:272:11:081:16:263:53:20
2James CunnamaRSA25:212:21:371:12:244:02:17
3Aaron FarlowAUS22:412:22:361:16:084:04:15
4Raynard TissinkRSA22:392:20:101:20:024:05:23
5Swen SundbergGER23:322:22:141:18:064:06:12