70.3 Miami Kienle knackt Raelerts Rekordserie

Langstrecke | 30. Oktober 2011
Sebastian Kienle hat die Siegesserie von Michael Raelert beendet. Zwei Jahre nach seinem Prestigeerfolg in Wiesbaden zermürbte Kienle den Rostocker auch beim Ironman 70.3 Miami auf den 90 Radkilometern - und verhinderte damit den siebten Raelert-Sieg in Folge.
Dass ein Triathlon nicht im Wasser entschieden wird, hat Sebastian Kienle in seiner Karriere schon einige Male eindrucksvoll bewiesen. Regelmäßig jagte er den schnellsten Schwimmern die verlorenen Minuten auf dem Rad wieder ab und brachte den Vorsprung später auch über die Laufstrecke. Doch der letzte Coup dieser Art lag vor dem Ironman 70.3 Miami schon mehr als zwei Jahre zurück - damals kletterte er mehr als drei Minuten hinter Michael Raelert aus dem Schiersteiner Hafenbecken. Fast exakt den gleichen Rückstand nahm Kienle auch in Miami mit auf die 90 flachen Radkilometer. Ein Déjà-vu für den Badener, aber auch für Raelert, dessen Traum vom siebten Titel in Serie am Ende platzte. Auf der Radstrecke - genau wie vor zwei Jahren in Wiesbaden.

Kienle lässt Raelert stehen

In der Biscayne Bay am Hafen von Miami bestimmte kurz nach dem Start etwas überraschend zunächst nicht Raelert, sondern der Neuseeländer Dylan McNeice das Tempo. Nur etwas mehr als 24 Minuten brauchte der 26-jährige Kiwi für die knapp 2.000 Meter. Erst 40 Sekunden später machte sich der deutsche Topfavorit auf die Vefolgung des Außenseiters. Kienle ließ, natürlich unfreiwillig, sogar den ersten vier Frauen des Profifelds den Vortritt. Nur als 25. - und damit fast vier Minuten hinter McNeice sprang der Radspezialist auf seine Hightech-Maschine. "Ich bin mir nicht richtig sicher, was meine Form angeht", hatte Kienle noch zwei Tage vor dem Rennen gegenüber tri-mag.de erklärt. Dass er zumindest auf dem Rad mindestens die Form des vergangenen Jahres hat, bekamen seine Konkurrenten in den folgenden beiden Stunden des Rennens zu spüren. Ein Stundenmittel von 44,3 Kilometern - und damit einer der schnellsten Bikesplits der 70.3-Geschichte - standen für den Zweiten der Challenge Roth von 2010 und 2011 nach der zweiten Disziplin zu Buche. Das reichte nicht nur, um die Lücke zu Raelert zu schließen und den 31-Jährigen abzuschütteln - Kienle raste bis auf den zweiten Platz nach vorn. Allein der auf dieser Strecke bisher noch mäßig erfolgreiche Richard Allen wehrte sich erfolgreich. Knapp 30 Sekunden vor Kienle wechselte der Brite in die Laufschuhe. Raelert kam erst als Fünfter, rund zwei Minuten nach Kienle. Ein Handicap, aus dem der Rostocker in der Form von 2010 noch einen Sieg hätte machen können.

Vom Jäger zum Gejagten

Die Entscheidung um den Titel musste also auf der Halbmarathonstrecke fallen. Und dort zeigte Kienle, dass aus dem reinen Radspezialisten längst ein Klasseläufer geworden ist. Allen kassierte er schon nach wenigen Kilometern. Keine Überraschung - ganz im Gegensatz zu Raelerts erfolglosem Versuch, seinen deutschen Konkurrenten zu stellen und danach zum von allen erwarteten siebten 70.3-Sieg zu laufen. Nur sekundenweise kämpfte sich der Norddeutsche an Kienle heran. Doch es kam wie zwei Jahre zuvor in Wiesbaden: Raelert lief in 1:13:14 Stunden zwar den schnellsten Halbmarathon, Kienle war aber nur 40 Sekunden langsamer - und das reichte zum Sieg. Ein fast schon komfortables Polster von 60 Sekunden brachte der Herausforderer ins Ziel im Bayfront Park. Raelert kassierte zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine Niederlage - die dritte gegen Kienle, der sich für den 70.3-Weltmeister von 2009 und 2010 mehr und mehr zu einer Art Angstgegner entwickelt. Der US-Amerikaner Matt Reed holte sich hinter dem deutschen Duo den letzten Podiumsplatz. Der Griesheimer Horst Reichel kämpfte sich nach mäßiger Schwimm- und Radleistung mit einem starken Halbmarathon noch auf den achten Rang nach vorn.

Eine Handvoll Siege für Miss Florida

So spannend das Männerrennen war, so ungefährdet verteidigte Leanda Cave bei den Frauen ihren Titel. Fast acht Minuten Vorsprung hatte die 33-jährige Britin im Ziel auf die Kanadierin Magali Tisseyre. Weder im Wasser, noch auf dem Rad oder beim Laufen kam eine Konkurrentin in die Nähe der Hawaii-Dritten und 70.3-Weltmeisterin von 2007. Der Titel in Miami war bereits der fünfte den Cave im Sunshine State im Südosten der USA einfuhr. Neben den zwei Siegen in Miami siegte sie zwischen 2008 und 2010 dreimal in Folge beim Ironman 70.3 Florida in Orlando.
Ironman 70.3 Miami, Frauen
30. Oktober 2011, Miami/Florida (USA)
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Leanda CaveGBR27:012:20:391:22:424:13:35
2Magali TisseyreCAN28:552:25:301:23:254:21:12
3Emma-Kate LidburyGBR27:072:23:581:28:434:23:11
4Jessica MuzosUSA29:472:24:461:26:264:24:13
5Amanda Felder DerkacsUSA27:082:22:131:37:074:29:23
6Jennifer TetrickUSA30:332:25:091:30:044:29:28
7Rachel McBrideCAN30:022:22:431:38:494:35:20
8Heather GollnickUSA29:152:31:241:31:184:36:01
9Ariane MonticelliBRA33:262:27:171:33:234:37:41
10Jessica ChongUSA33:312:30:511:33:274:41:27
Ironman 70.3 Miami, Männer
30. Oktober 2011, Miami/Florida (USA)
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Sebastian KienleGER28:062:01:541:13:533:47:01
2Michael RaelertGER24:522:07:101:13:143:48:01
3Matt ReedUSA24:572:06:591:14:483:49:37
4Alberto CasadeiITA24:532:06:591:16:183:51:26
5Richard AllenGBR26:042:03:301:19:043:51:35
6Stanislav KrylovRUS24:532:07:101:19:113:54:08
7Bertrand BillardFRA26:062:06:561:18:303:54:32
8Horst ReichelGER26:002:09:201:16:003:54:42
9Dylan McNeiceNZL24:122:08:421:20:503:57:05
10Patrick EvoeUSA29:092:09:431:16:323:58:20