Kienle neuer König von Frankfurt, Frodeno Dritter

Sebastian Kienle hat sich beim Ironman in Frankfurt zum neuen Europameister gekrönt und sich zugleich den ersten Ironmantitel seiner Karriere gesichert. An seinem 30. Geburtstag knackte er in 7:55:14 Stunden den Kursrekord von Timo Bracht. Dazu pulverisierte der Badener die Radbestzeit. Jan Frodeno quälte sich bei seinem Ironmandebüt am Main trotz vieler Missgeschicke aufs Podium. Platz zwei ging an den Belgier Frederik van Lierde.

Von > | 6. Juli 2014 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle

Sebastian Kienle

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Er wolle keine Show veranstalten, hatte Jan Frodeno in den Tagen vor dem Rennen immer wieder betont. Beim Auftakt im Langener Waldsee machte er zunächst also das, was er am besten kann - nämlich schnell schwimmen. Schon an der ersten Wendeboje, nach knapp einem Kilometer, lag der Olympiasieger vorn. In seinem Schlepptau: Ironmanweltmeister Frederik van Lierde, die Niederländer Bas Diederen und Martijn Dekker, Clemente Alonso-McKernan und Carlos Lopez aus Spanien und Andreas Raelert. Das gleiche Bild dann beim Landgang nach 2.100 Metern. Der Vizeeuropameister von 2013, Jan Raphael, verlor bis zur Halbzeit knapp 90 Sekunden, Sebastian Kienle sogar mehr als zwei Minuten. Wie an einer Perlenkette aufgefädelt, kamen die sieben Führenden dann nach knapp 46 Minuten aus dem Wasser. An der Spitze noch immer Langdistanzrookie Frodeno. Van Lierde und die anderen stiefelten im Sekundenabstand den sandigen Hügel Richtung Wechselzone hinauf. Fast vier Minuten mussten die Zuschauer am Langener Waldsee dann auf 70.3-Weltmeister Sebastian Kienle warten. 2013 hatte das Geburtstagskind beim Auftakt nur etwas mehr als drei Minuten auf die schnellsten Schwimmer verloren. Doch die Paradedisziplin des Badener kam ja noch.

Kienle kurbelt, Frodeno flickt

Kienle fackelte nach dem Wechsel auf sein Aerobike wie gewohnt nicht lange und machte schnell Boden auf die Spitze gut. Dort setzte sich nach einer Tempoverschärfung von Bas Diederen, aber zunächst Weltmeister Van Lierde hinter das Führungsfahrzeug. Andreas Raelert, der sich erst drei Tage vor dem Rennen für den Start in Frankfurt entschieden hatte, konnte das Tempo des Belgiers schon früh nicht mehr mitgehen. Ganz bitter kam es schon nach 35 Kilometern für Jan Frodeno. Ein platter Hinterradreifen warf den Olympiasieger auf den vierten Platz zurück. Kampflos musste er Kienle den dritten Rang hinter Van Lierde und Diederen überlassen. Wenige Kilometer später erwischte es Frodeno gleich noch ein zweites und drittes Mal. Statt der montierten Scheibe musste er die verbleibenden 130 Kilometer letztlich mit einem Hinterrad des Veranstalters betreiten. Das doppelte Pech dürfte 32-Jährigen letztlich fast zehn Minuten gekostet haben. Sebastian Kienle jagte unterdessen weiter mit Höchstgeschwindigkeit durch die Wetterau und schnappte sich den führenden Van Lierde kurz bevor die beiden nach 80 Rennkilometern den "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel erreichten. Der Belgier versuchte gar nicht erst, das Hinterrad des Deutschen zu halten. Wenige Kilometer später lagen schon 40 Sekunden zwischen den beiden. Bis 40 Kilometer vor dem Wechsel in die Laufschuhe hatte Kienle bereits mehr als drei Minuten auf Van Lierde herausgefahren. Alle anderen Verfolger, darunter der Schweizer Ronnie Schildknecht, Alessandro Degasperi (ITA), Jan Raphael und Andreas Raelert, lagen da schon fast eine Viertelstunde hinter Kienle zurück. Als Solist dahinter: Pechvogel Jan Frodeno.

Raelerts Radrekord fällt

Nach etwas mehr als fünf Rennstunden erreichte Kienle dann die Wechselzone am Mainkai und machte sich dort schon das erste kleine Geburtstagsgeschenk. Vier Jahre hielt der Radrekord von Andreas Raelert - damals allerdings auf der wegen einer Baustelle vier Kilometer längeren Strecke. Kienle saß genau 4:12:13 Stunden im Sattel. Das entspricht einem Durchschnitt von fast 43 Kilometern pro Stunde. Frederik van Lierde behauptete seinen zweiten Platz und wechselte rund fünfeinhalb Minuten nach Kienle auf den Marathon. Weil die Verfolger auch auf den letzten Radkilometern keine Zeit mehr gutmachen konnten, schien schon beim zweiten Wechsel klar: der Sieger der 13. Auflage des Ironman Frankfurt würde Sebastian Kienle oder Frederik van Lierde heißen. Dahinter ging das Drama um Jan Frodeno weiter. Der war immerhin als Fünfter vom Rad gestiegen, lief im Wechselbereich allerdings am Beutel mit seinen Laufschuhen vorbei und wurde zu allem Übel noch mit einem Krampf im Oberschenkel bestraft. Dennoch startete der Debütant furios und mit dem Podium in Sichtweite in seinen ersten Wettkampf-Marathon. Auch Andreas Raelert, der sich im letzten Drittel des Radkurses offenbar etwas erholen konnte, wollte zumindest in den Kampf um Platz drei noch eingreifen. Musste dieses Vorhaben aber schon nach drei Kilometern abhaken. Denn da lief Frodeno auf und nach wenigen Hundert Metern an seinem früheren DTU-Teamkollegen vorbei.

Kienles Krönung am Römerberg

Kienle machte unterdessen beim Laufen dort weiter, wo er beim Radfahren aufgehört hatte. Auf dem brütend heißen Kurs entlang des Mains baute der Badener seinen Vorsprung binnen zehn Kilometern auf satte achteinhalb Minuten aus. Van Lierde sah dahinter nicht nur seine Chancen auf den EM-Titel schwinden, der Belgier büßte auch Zeit auf Jan Frodeno ein, der trotz diverser Missgeschicke sogar noch um Platz zwei lief. Nur sechs Minuten fehlten dafür bei Kilometer 18. Selbst erneute Krämpfe konnten ihn auf seiner Aufholjagd nicht stoppen. Zehn Kilometer später war van Lierdes Polster sogar auf weniger als vier Minuten geschrumpft. Vorn zog Kienle unbeeindruckt und voller Vorfreude auf den ersten Ironmansieg seine Kreise. Am Ende musste er in der Mittagshitze zwar sein Tempo drosseln - dennoch reichte es, um den fünf Jahre alten Streckenrekord von Timo Bracht um vier Minuten zu unterbieten und an seinem Geburtstag den Ironman-Europameistertitel zu feiern. Van Lierde landete bei seinem Frankfurt-Debüt in 8:00:25 Stunden auf dem zweiten Platz und bescheinigte dem Sieger danach respektvoll, in einer eigenen Liga unterwegs gewesen zu sein. Jan Frodenos Kampfgeist wurde mit dem dritten Platz belohnt.

Ironman European Championships | Männer

  1. Juli 2014, Frankfurt (GER)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Sebastian Kienle

GER

7:55:14

49:40

4:12:13

2:49:35

2

Frederik van Lierde

BEL

8:00:25

45:44

4:21:33

2:49:14

3

Jan Frodeno

GER

8:07:05

45:39

4:33:34

2:43:14

4

Ronnie Schildknecht

SUI

8:12:54

49:54

4:29:56

2:49:10

5

Alessandro Degasperi

ITA

8:20:39

49:30

4:29:51

2:56:59

6

David Plese

SLO

8:21:04

49:33

4:29:56

2:57:01

7

Marc Dülsen

GER

8:28:30

49:40

4:33:36

3:01:21

8

Miquel Blanchart

ESP

8:32:49

49:08

4:46:47

2:52:33

9

Jan Raphael

GER

8:38:08

49:25

4:36:11

3:08:02

10

Ivan Gomez

ESP

8:38:40

54:22

4:48:04

2:51:17

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