Kienle, Raelert, Dreitz: Gipfeltreffen in Heilbronn

Sieben Tage nach der Challenge Kraichgau will sich Sebastian Kienle am Sonntag beim Citytriathlon Heilbronn den letzten Feinschliff für den Ironman Germany holen - und trifft auf zwei echte Prüfsteine: Andreas Raelert und Andreas Dreitz. Svenja Bazlen hat beste Chancen auf die Titelverteidigung im Frauenrennen.

von | 19. Juni 2014 | Aus: Szene

Kraichgau 2014 - 29

... hat den Blickkontakt zu Kienle längst verloren ...

Foto > Nis Sienknecht / spomedis

Von wegen Versteckspiel und verdeckte Karten: Zwei Wochen vor den Ironman-Europameisterschaften trifft sich die deutschsprachige Elite in Heilbronn - diese Saisonplanung hat mittlerweile schon Tradition, dabei ist der Citytriathlon Heilbronn tatsächlich noch ein junges Rennen. Erst 2010 wurde er ins Leben gerufen, hat die Herzen der Triathlonprofis aber schnell gewonnen: Zum einen wohl wegen der Aussicht auf einen Audi A6, den der Sieger des Rennens für ein Jahr zur Verfügung gestellt bekommt. Zum anderen aber auch wegen der ungewöhnlichen Distanzen auf der längeren Heilbronner Wettkampfdistanz, der Mitteldistanz: Nach zwei Schwimmkilometern warten 70 Kilometer auf dem Rad und 15 Laufkilometer auf die Sportler.

Böcherer muss erneut passen

Die passen vielen Profis ganz offensichtlich perfekt in den Plan, um sich vor den großen Langdistanzen den letzten Feinschliff zu holen. Und so treibt es auch 2014 wieder viele namhafte Athleten nach Baden-Württemberg: Neben Sebastian Kienle, der das Rennen in Heilbronn bereits zwei Mal gewinnen konnte und mit dem Selbstvertrauen eines dominanten Sieges bei der Challenge Kraichgau an den Start geht, haben sich noch weitere deutschsprachige Hochkaräter für das Rennen in Heilbronn angekündigt: Zum Beispiel Andreas Raelert. Nachdem er im letzten Jahr den Ironman in Klagenfurt in knapp unter acht Stunden gewinnen konnte, hatte der Rostocker lange Zeit mit Verletzungssorgen zu kämpfen. So standen immer wieder Fragezeichen hinter seiner Form und Raelert vor großen Rennen nicht mehr ganz oben auf den Favoritenlisten. Eine Rolle, die Raelert so schon lange nicht mehr inne hatte - und die dem 37-Jährigen etwas Druck nehmen und ihn in Heilbronn befreit an den Start gehen lassen könnte.

Dass aus dieser Rolle des Underdogs häufig große Rennen entstehen können, kann wohl kaum einer besser bezeugen als Raelerts Teamkollege Andreas Dreitz. Nach seinen Mitteldistanz-Siegen auf Fuerteventura und Mallorca, wo er auch Raelert hinter sich ließ, greift der ausgeglichene 25-jährige Vorjahresdritte auch in Heilbronn in den Kampf um den Sieg ein. Dabei wird er sich, wie fast alle anderen Konkurrenten, aber vermutlich zunächst einmal in die Verfolgerrolle fügen müssen: Denn auch der Freiburger Maurice Clavel hat sich für den Citytriathlon Heilbronn angekündigt und dürfte es, ähnlich wie im Kraichgau vor einer Woche, wohl auf eine Flucht auf der Schwimmstrecke anlegen. Felix Vatlach-Schumann und Florian Wildgruber komplettieren das Elite-Startfeld der Männer in Heilbronn. Andreas Böcherer musste seinen Start zum zweiten Mal in Folge kurzfristig absagen: Im vergangenen Jahr verletzte er sich im Training am Fuß, vor dem diesjährigen Rennen wurde der Freiburger von einer Infektion zurückgeworfen. Auch Thomas Hellriegel und der Schweizer Ronnie Schildknecht haben ihre Starts kurzfristig abgesagt.

Schmitt, Erath und Lisk jagen Bazlen

Etwas übersichtlicher stellt sich das Elite-Startfeld der Damen auf der Mitteldistanz in Heilbronn zusammen: Dort hat Svenja Bazlen beste Aussichten, ihr im vergangenen Jahr gewonnenes Audi-Paket gleich noch einmal um ein weiteres Jahr zu verlängern. Ihre ärgste Konkurrentin im Kampf um den Sieg könnte Bazlens ehemalige Nationalmannschafts-Kollegin Ricarda Lisk werden, die Anfang des Monats beim legendären "Escape from Alcatraz"-Triathlon den dritten Platz erreichte. Auch die vor allem läuferisch starke Natascha Schmitt könnte zwei Wochen vor ihrem Start beim Ironman-Rennen in ihrer Heimatstadt Frankfurt der Favoritin Bazlen gefährlich werden. "Ich hoffe, dass ich noch genügend Kraft zur Verfügung habe", schreibt die 28-Jährige auf ihrer Website, nachdem sie am vergangenen Wochenende beim Bundesligarennen im Rahmen der Challenge Kraichgau am Start stand. Dort startete am Samstagabend auch die Medizinstudentin Tanja Erath, die in ihrer Geburtsstadt Heilbronn Chancen zumindest auf eine Podestplatzierung haben könnte. Lokalmatadorin Katharina Wolff und die Zehnte des Ironman Brasilien, Heidi Sessner, komplettieren das Elitefeld.

Das Rennen auf der Mitteldistanz wird am Sonntag um 9:25 Uhr gestartet. Auf der Veranstaltungswebsite soll es einen Livestream vom Rennen geben.