Challenge Kraichgau Kienle stürzt, Stadler siegt

Langstrecke | 6. Juni 2010
Spannende Aufholjagden und ein folgenschwerer Sturz: Normann Stadler hat die Challenge Kraichgau gewonnen und dabei von einem Unfall des Lokalmatadors Sebastian Kienle profitiert. Vorjahressiegerin Rebekah Keat konnte ihren Titel verteidigen.
Bereits nach seinem Sieg im Vorjahr hatte Lokalmatador Sebastian Kienle angekündigt, an seinen Schwächen arbeiten zu wollen. "Ich werde niemals alle meine Rennen nur auf dem Rad entscheiden können", so Kienle damals im Siegerinterview gegenüber triathlonTV. Das ist ihm auch gelungen: Mit nur einer Minute Rückstand auf die schnellsten Topstarter, Thomas Hellriegel und Aaron Farlow aus Australien, kam der 25-Jährige gemeinsam mit Normann Stadler und Michael Göhner aus dem Hardtsee. Auch Rebekah Keat wurde ihrer Favoritenrolle auf den 1,9 Auftaktkilometern gerecht: Als schnellste Schwimmerin stieg sie kurz vor der Deutschen Julia Wagner als erste Frau auf das Rad - 30 Sekunden vor Tiina Boman aus Finnland, die sich auf der Pressekonferenz vor dem Rennen noch optimistisch gegeben hatte, mit der Radstrecke richtig gut zurechtzukommen.

Sturz in Flehingen, Weg frei für Stadler

Auf der 90 Kilometer langen Radrunde durch das "Land der 1.000 Hügel" zeichnete sich das erwartete Duell zwischen Kienle und Stadler ab. Schnell holten die beiden, die zu den schnellsten Radfahrern der Triathlonszene gehören, Thomas Hellriegel ein und distanzierten die übrige Konkurrenz. Nach gut 50 Kilometern dann das Aus für Kienle: Mit vollem Risiko ging der Physikstudent, der die Strecke aus zahlreichen Trainingseinheiten gut kennt, in eine scharfe Linkskurve, rutschte auf Rollsplitt weg und stürzte. "Ich hab dann erst Mal versucht, das Hinterrad wieder gerade einzusetzen, aber dann war auch noch der Bremshebel abgebrochen", erklärt Kienle später, wieso er das Rennen aufgeben musste. "Das Tempo hat gepasst - nur die Kurve war zu eng. Ganz klar mein Fehler. Aber mit zwei Fingern an der Bremse kann man auch keinen 41er-Schnitt fahren. Ich fahre immer am Limit." Stadler hatte die Szene mit einigen Metern Rückstand verfolgen können: "Der ist gefahren, als ob es kein Morgen gäbe", staunt der zweifache Hawaii-Sieger im Ziel. "Ich musste ganz schön zappeln, um mit dem Sebastian mitzuhalten. Schade, das wäre ein toller Kampf geworden!" Mit gut fünf Minuten Vorsprung auf Michael Göhner und den Franzosen Francois Chabaud ging Stadler dann in Führung auf die Laufstrecke. "Ich hab dann einfach nur noch versucht, das Rennen konstant zu Ende zu laufen. Das ist mir auch gelungen", zeigt sich der 37-Jährige nach seinem ersten Challenge-Sieg sehr zufrieden mit seiner Leistung.
Hinter ihm dagegen wurde eindrucksvoll um die Plätze gekämpft: Mit über fünf Minuten Rückstand auf Göhner und Chabaud wechselte James Cunnama auf die Laufstrecke. Im Vorjahr hatte sich der Südafrikaner noch vom zehnten auf den zweiten Platz nach vorn gearbeitet - ein Kunststück, das ihm auch in diesem Jahr gelingen sollte. Mit einer Laufzeit von 1:09:37 Stunden - noch einmal drei Minuten schneller als im Vorjahr - setzte Cunnama ein deutliches Ausrufezeichen und sorgte mit Abstand für die beste Laufzeit des Tages. Auf der letzten Laufrunde flog er geradezu an Michael Göhner vorbei. "Ich hab wirklich alles aus mir rausgeholt", so der überglückliche Cunnama im Ziel. Aber auch Michael Göhner zeigte sich zufrieden: "Der Formtest für Roth war durchaus positiv. Natürlich wäre ich gern Zweiter geworden. Aber ich bin sehr aggressiv Rad gefahren - das hab ich dann beim Laufen gemerkt".

Rebekah Keat verteidigt Titel

Im Rennen der Frauen fiel die Entscheidung um den Sieg erst auf der letzten von drei Laufrunden. Nach den 1,9 Kilometern im Hardtsee hatten Topfavoritin Rebekah Keat, Tiina Boman aus Finnland und die Deutsche Julia Wagner noch mit kurzen Abständen aufs Rad gewechselt. Wagner attackierte als Erste und riss anfangs eine Lücke von 30 Sekunden auf Keat, konnte den Vorsprung in den Hügeln des Kraichgau aber nicht halten und musste die erfahrenere Australierin und ihre finnische Begleitung ziehen lassen. Schnell lief Keat der 28-jährigen Boman nach dem zweiten Wechsel davon, um dann den Vorsprung konstant auszubauen. "Ich wusste, dass Tiina nicht weit weg ist. Aber ich hätte noch kontern können, falls sie mich angegriffen hätte - meine Beine waren gut", so die Siegerin im Ziel, die ihre Zeit aus dem Vorjahr um fast sechs Minuten unterbieten konnte.
Challenge Kraichgau Triathlon Festival 2010
6. Juni 2010, Bad Schönborn
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Rebekah KeatAUS26:042:34:541:23:294:27:28
2Tiina BomanFIN26:372:34:111:25:004:29:02
3Silvia FeltGER29:372:36:461:22:504:33:03
4Monika LehmannSUI28:022:32:191:31:034:34:43
5Jenny SchulzGER31:392:34:121:26:344:35:37
Challenge Kraichgau Triathlon Festival 2010, Männer
6. Juni 2010, Bad Schönborn
1,9 km Swim90 km Bike21,1 km RunGesamt
1Normann StadlerGER24:522:09:341:17:023:54:22
2James CunnamaRSA25:002:19:521:09:373:56:58
3Michael GöhnerGER24:562:14:441:15:553:58:33
4Franncois ChabaudFRA24:542:14:511:17:233:59:48
5Felix SchumannGER23:462:18:251:15:124:00:04