Kienle und Frodeno beim 70.3-Gipfel in Utah

Im US-Bundesstaat Utah steigt am Wochenende die frühe Generalprobe für die 70.3-Weltmeisterschaften im kanadischen Mont Tremblant. Sechs Deutsche, darunter Titelverteidiger Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Boris Stein, kreuzen die Speichen mit dem Besten, was die internationale Ironman-70.3-Szene derzeit zu bieten hat.

Von > | 1. Mai 2014 | Aus: SZENE

wiesbaden-16 | 70.3 Germany 2013

70.3 Germany 2013

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

So ganz hat sich Jan Frodeno noch nicht von seiner alten Liebe, der Kurzdistanz, trennen können. "Seltsam, den ersten World Triathlon in Kapstadt zu verpassen", twitterte der Olympiasieger von Peking von ein paar Tagen wehmütig. "Kapstadt ist für mich immer noch einer der schönsten Orte auf der Welt." Doch Frodeno hat auch gelernt, den Hebel umzulegen, sich neuen Aufgaben zu stellen und diese auch zu meistern. Aktuell bringt sich der 31-Jährige für die Weltmeisterschaften in Mont-Tremblant und Kailua-Kona in Position. Mit seinen Siegen bei den 70.3-Rennen in Auckland und Oceanside sicherte er sich dafür eine überragende Ausgangsposition - zugleich flößte er der beeindruckten Konkurrenz ordentlich Respekt ein. In St. George könnte er in Sachen 70.3-WM den Sack endgültig zu machen. Doch Frodeno ist nicht der einzige, der in dem Mormonenstaat im Mittleren Westen seine Muskeln spielen lassen will.

Kienle als Fels beim Gipfeltreffen

57 Profimänner haben für das als US Pro Championship ausgeschriebene Event gemeldet. Mindestens ein Dutzend davon kann das Rennen gewinnen. Neben Frodeno muss man Doppelweltmeister Sebastian Kienle ganz oben auf dem Zettel haben. Der Badener liegt im direkten Duell mit seinem Landsmann zwar 1:2 zurück, hat seit der Niederlage beim Ironman 70.3 California aber weiter an seiner Form gefeilt. Entspannt und zuversichtlich meldete er sich vor wenigen Tagen via Twitter aus dem Vorbereitungscamp in Phoenix (Arizona). "Good riding, food & friends. Auch die Beine kommen langsam in Rennform." Wer den beiden Deutschen am Samstag am gefährlichsten werden kann, ist schwer zu sagen. Von den Top5 der letzten WM in Henderson fehlt nur Tim Reed (AUS) - das 2013er Podium von St. George (Brent McMahon, Kevin Collington, Andy Potts) ist sogar vollständig vertreten. Dazu kommen Kiwi Bevan Docherty, der Südafrikaner James Cunnama, die starken US-Amerikaner TJ Tollakson und Jordan Rapp, Ex-Kurzdistanzweltmeister Tim Don (GBR), der Belgier Marino Vanhoenacker sowie Michael Weiss aus Österreich.

Starkes Quartett: Bracht, Twelsiek, Stein und Lange

Für vier weitere Deutsche dürfte zumindest die Latte des Titels etwas zu hoch liegen. Timo Bracht, der erst vor wenigen Tagen seinen Verzicht auf den Ironman Hawaii erklärte, nutzt das Rennen als ersten ernsten Formtest für die Challenge Roth, die er im Sommer endlich zum ersten Mal gewinnen will. Sein früherer Kollege im Commerzbank Triathlon Team, Maik Twelsiek, will bei einem solch hochkarätig besetzten Rennen in seiner Wahlheimat natürlich auch nicht fehlen. Kraichgausieger Boris Stein wird mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun haben - wenn er überhaupt an den Start geht. "Die Saison ist noch lang und meine Gesundheit geht vor", so Stein, der vor einigen Tagen mit einem Erkältungsvirus aus dem Trainingslager auf Mallorca zurückgekehrt ist, gegenüber tri-mag.de. Die Reise nach Utah habe er aber nicht mehr absagen können. Der sechste im Bunde ist Patrick Lange. Der ist auf internationalem Ironmanparkett zwar noch unerfahren, hat seiner Form Ende März im Traininglager auf Mallorca aber noch den letzten Schliff gegeben. Auch der Griesheimer wird den Favoriten am Samstag sicher keine Sekunde schenken.

Nordamerika vs. Großbritannien

Etwas weniger spektakulär ist das Feld der Profifrauen. Angeführt wird es von der US-amerikansichen Titelverteidigerin Meredith Kessler, die sich 2013 knapp gegen die Deutsche Svenja Bazlen durchgesetzt hatte. Die Tübingerin ist dieses Mal nicht dabei. Damit steht eins in jedem Fall fest. Die Siegerin wird aus Nordamerika oder Großbritannien kommen. Herausgefordert wird Kessler nämlich von der Vorjahrsdritten Heather Wurtele (CAN), den US-Amerikanerinnen Mary Beth Ellis und Linsey Corbin sowie der Ironman-Vizeweltmeisterin von 2013, Rachel Joyce, und Schwimmspezialistin Jodie Swallow (beide GBR).