Kienle und Raelert beim Säbelrasseln in St. George

Sebastian Kienle, Andreas Raelert und Maik Twelsiek bekommen es bei den Ironman 70.3 North American Championship am Wochenende gleich mit einem Dutzend Hochkaräter zu tun. In der Steppe von Utah warten unter anderem Tim Don, Ben Hoffman, Timothy O'Donnell, Luke McKenzie sowie die beiden starken Kanadier Brent McMahon und Lionel Sanders auf das Trio aus Deutschland. Auch das Rennen der Frauen ist hochklassig besetzt.

Von > | 30. April 2015 | Aus: SZENE

Cannes International Triathlon - Radfahren 11 | Cannes International Triathlon 2015 - Radfahren

Cannes International Triathlon 2015 - Radfahren

Foto >José Luis Hourcade

Wenn er bei einem Rennen am Start stehe, wolle er auch gewinnen, bekräftigte Sebastian Kienle im Vorfeld des Cannes International Triathlon vor zwei Wochen. Zum Sieg reichte es am Mittelmeer noch nicht ganz - zufrieden war der Ironmanweltmeister nach dem ernsthaften Test am Ende des ersten harten Trainingsblocks der Saison trotzdem. Und vermutlich könnte er - bei entsprechendem Rennverlauf - am Samstag mit einem dritten Platz sehr gut leben. Denn Kienles wichtigstes Ziel ist in dieser Saison der Weg - und zwar der Weg nach Kona. St. George ist auf dieser Reise nicht mehr als ein Zwischenstopp. Doch Kienle liebt die Konfrontation, den Vergleich mit den Besten. Und genau den bekommt er am kommenden Sonntag bei seinem dritten Anlauf in St. George. Auch wenn Jan Frodeno dem Duell der deutschen Stars dieses Mal aus dem Weg geht.

Wer gewinnt das Gipfeltreffen?

Mehr als dreieinhalb Minuten kassierte Kienle zuletzt beim Schwimmauftakt im Cannes. Ähnliches droht in St. George, denn auch ohne Potts und Frodeno dürfte das Tempo beim Schwimmen den Ironmanweltmeister zunächst ins Hintertreffen bringen. Vor allem der Kanadier Brent McMahon, Tim Don (GBR), Paul Matthews (AUS) und Timothy O'Donnell könnten auf den knapp zwei Schwimmkilometern das Rennen in die Hand nehmen. Doch schon auf den 90 welligen Radkilometern durch die steppenartige Umgebung von St. George werden andere ihre Stärken auszuspielen versuchen. Allen voran Maik Twelsiek, der radstarke US-Amerikaner Andrew Yoder, Ironman-Vizeweltmeister Ben Hoffmann und natürlich Sebastian Kienle selbst. Im vergangenen Jahr kam der Deutsche nach durchwachsenem Schwimmen in seiner Schokoladendisziplin trotz bester Radzeit auf einem kraftraubenden Kurs nicht an die Führenden heran. Selbst ein starker Lauf reichte in dem Weltklassefeld am Ende nur zum zehnten Platz. Noch schlechter lief es nur 2013: Damals landete er in Utah abgeschlagen auf dem 18. Platz. Und die Favoriten auf den Sieg scheinen auch dieses Mal andere zu sein. Neben dem Dritten der 70.3-WM von 2014, Tim Don, rechnen sich Brent McMahon (2014 Zweiter hinter Frodeno) aber auch Aussie Tim Reed, Zweiter der Challenge Dubai, Chancen auf den ersten Platz aus. Mehr als nur Außenseiterchancen hat auch McMahons Landsmann Lionel Sanders. Der Shootingstar der Szene schockte erst am vergangenen Wochenende Andy Potts beim Ironman 70.3 in Texas.

Raelert: "Die Anspannung ist sehr groß"

Auch Andreas Raelert kassierte gegen Sanders vor knapp zwei Jahren schon einmal eine Niederlage. Dennoch ist er voller Vorfreude auf Samstag. Der Rostocker zeigt sich zum ersten Mal in diesem Jahr auf der Wettkampfbühne und ist trotz seiner Erfahrung ein wenig aufgeregt. "Die Anspannung ist sehr groß", so der 38-Jährige, der sowohl klimatisch als auch sportlich mit einem sehr harten Rennen rechnet. "Viel besser könnte der Wettkampf kaum besetzt sein", findet Raelert, für den das Rennen in Utah auch ein wichtiger Formtest auf dem Weg zum Ironman Texas ist. Dort geht es für den Schützling von Wolfram Bott um viele wichtige Punkte für den Ironman Hawaii. "Es wäre großartig, wenn es mir frühzeitig gelingen könnte, mich für Hawaii zu qualifizieren", sagt Raelert. Deshalb müssen schon am Sonntag einige Punkte auf dem Konto des Deutschen landen. An den Trainingsleistungen soll es jedenfalls nicht scheitern. "Ich bin in guter Verfassung und hoffe, dass ich das mit guten Wettkämpfen in Nordamerika bestätigen kann", erklärte er vor seiner Abreise nach Utah.

Bazlen trifft auf Carfrae, Joyce und Swallow

Es gibt nicht viele Saisonrennen, bei denen neben den beiden amtierenden Ironmanweltmeistern, auch der Zweite des Männerrennens und die Hawaiidritte bei den Frauen am Start stehen. St. George gehört dazu. Doch das Rennen der Profifrauen auf ein Duell zwischen Mirinda Carfrae (AUS) und der Britin Rachel Joyce zu reduzieren, wäre ein Fehler. Denn neben der in Utah noch ungeschlagenen Meredith Kessler, haben die Vorjahresdritte Heather Wurtele (beide CAN), die Britin Jodie Swallow (2014 Zweite), Annabel Luxford (AUS), Mary Beth Ellis, Heather Jackson und Linsey Corbin (alle USA) sowie Magali Tisseyre (CAN) gemeldet. Mehr als nur eine Nebenrolle wollen auch die Deutschen Svenja Bazlen und Ricarda Lisk spielen. Zumindest Bazlen kennt sich auf dem für sie maßgeschneiderten Kurs schon etwas aus. Der Tübingerin fehlten 2013 nach einer überragenden Soloflucht auf dem Rad weniger als zwei Minuten zum Sieg.