Kühn kalkulierte Milchmädchenrechnung

Hawaii, ich komme! Ich sollte schon mal nach günstigen Flügen Ausschau halten. Ich habe nämlich meine mögliche Zielzeit beim Ironman am Wochenende in Frankfurt vorausberechnet und komme auf eine Platzierung, die für die Hawaii-Quali reichen könnte.

Von > | 3. Juli 2014 | Aus: SZENE

Thorsten Schröder | Thorsten Schröder ist TV-Moderator und Ironman.

Thorsten Schröder ist TV-Moderator und Ironman.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ist alles ganz logisch: Auf der Mitteldistanz vor zwei Monaten auf Mallorca habe ich 4 Stunden und 57 Minuten gebraucht. Mit zwei multipliziert ergibt das für die Langdistanz 9 Stunden 54. Dann noch die doppelt berechnete Wechselzeit einmal abgezogen - und voilà: schon bin ich ganz in der Nähe von 9 Stunden und 45 Minuten - jener Zeit, bei der ein Startplatz für Hawaii erfreulich nahe rückt.

Nach der ersten Euphorie über das Resultat habe ich aber vorerst doch keinen Urlaub für Oktober bei Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer beantragt. Denn womöglich fällt meine kühne Kalkulation eher in die Rubrik "Milchmädchenrechnung". Schön, dass ich ein Lauftempo von 4:34 pro Kilometer auf einer Halbmarathonstrecke auf Malle durchgehalten habe, aber bei der vollen Distanz würde ich weit vor der Ziellinie einfach zusammenklappen. Als Optimist könnte ich dagegenhalten, dass ich auf Malle noch längst nicht auf dem Zenit meiner Leistungsfähigkeit war. Denn mein Trainingsplan macht mich zielgerichtet erst für Frankfurt topfit. Als Realist hoffe ich einfach, dass ich in diesem Jahr schneller bin als bisher, so um die 10 Stunden 30. Und Malle hat mir gezeigt: das sollte drin sein. Hawaii aber liegt in weiter Ferne, nicht nur geographisch.

Schwimmen, Laufen, ähhhh!!??

Gestern habe ich einem Kumpel noch gesagt, nö, ich sei vor dem Ironman noch nicht die Bohne nervös, aber das komme sicher am Tag vor dem Rennen. Von wegen! Die Nervosität ist schon da, das weiß ich seit heute Nacht. Da habe ich im Traum den Wettkampf schon durchgespielt. Dummerweise bin ich dabei nach dem Schwimmen direkt in meine Laufschuhe gestiegen und losgerannt. Erst nach einer Viertelstunde habe ich gemerkt, dass ich irgendwas vergessen hatte. Ach ja, das Radfahren. Dumm gelaufen. Ich muss in Frankfurt also auf jeden Fall daran denken, vor dem Marathon erst noch aufs Rad zu steigen. Wichtig!

Damit es nicht läuft wie im Traum, könnte ich mir einen Erinnerungszettel in den Wechselbeutel nach dem Schwimmen legen. Da kommt das nächste Problem: erstmal den Wechselbeutel finden! Vergangenes Jahr dauerte es immerhin zehn Minuten, bis er auftauchte. Diesmal will ich den Beutel mit einem leuchtenden Klebeband markieren, damit nichts schiefgeht. In welcher Farbe sage ich jetzt lieber nicht, sonst machen das alle anderen nach und - schwupps – greift sich wieder der Falsche meinen Beutel.

Raus aus der Komfortzone

Wenn ich diese Probleme in den Griff bekomme, dann sollte es ein tolles Rennen werden. Diesmal mit dem festen Vorsatz, die Komfortzone zu verlassen. Bisher bin ich immer auf Nummer sicher gegangen. Am Sonntag aber will ich die übergroße Angst vorm Überpacen überwinden und mal etwas wagen – für meine Verhältnisse jedenfalls. Bei meinem dritten Ironman sollte das drin sein. Ich habe schließlich gut und viel trainiert, bin bis auf vier Erkältungs-Tage im Oktober gesund geblieben und verzichte in den vier Wochen vor dem Rennen sogar auf Rotwein! Ich habe mich schon so sehr entwöhnt, dass es mich allein bei dem Gedanken an das bittere Teufelszeug schüttelt. Nach dem Ironman muss ich also erst ganz behutsam wieder an die Aufnahme von Rotwein herangeführt werden. Es wird ein schwerer Weg zurück ins normale Leben, doch ich nehme ihn auf mich. Und zwar sehr bald nachdem ich die Tüte Chips weggefuttert und meine Lieblingsschokolade vertilgt habe. Es sei denn, meine Mathematik-Fähigkeiten sind doch nicht so schlecht. Dann würde ich mit dem Rotwein-Rückgewöhnungsprogramm sogar bis Oktober warten.