IM Arizona Llanos nervenstark, Kienle Sechster

Langstrecke | 20. November 2011
Hawaii flop, Arizona top. Der Spanier Eneko Llanos hat bei seinem Sieg in Tempe zum ersten Mal in seiner Karriere die Acht-Stunden-Marke geknackt. Torsten Abel verpasste das Podium knapp, Sebastian Kienle wurde bei seiner ersten Langdistanz in den USA Sechster.
Noch nie war der Ironman Arizona so stark besetzt wie in diesem Jahr. Eine Mischung aus Weltklasse-Athleten, die ihre Form nach dem Saisonhöhepunkt beim Ironman auf Hawaii noch nutzen wollten, um bereits Punkte für das Jahr 2012 zu sammeln und nicht minder talentierter Profis, die sich speziell auf dieses Rennen vorbereitet hatten, sorgte für ein explosives Rennen mit neuen Streckenrekorden und einigen Überraschungen. Zwar hätte man bei einer Sieg-Wette auf die Hawaii-Dritte Leanda Cave und den Spanier Eneko Llanos bestimmt nicht reich werden können. Und auch, dass bei den Frauen die Neun- und bei den Männern die Acht-Stunden-Marke fallen würde, hätte man angesichts der starken Besetzung, guter Bedingungen und nicht allzu schwerer Streckenführung fast erwarten können. Überraschend und spannend war der Rennverlauf trotzdem.

Ironman = Krisenmanagment

Ein Ironman entscheidet sich auf höchsten Niveau häufig darin, wie man sich ein Rennen einteilen kann. Ebenso wichtig: das Krisenmanagement. Und in Beidem erteilte sich der mit großen Hoffnungen in das Rennen gestartete Sebastian Kienle selbst eine schmerzhafte Lehrstunde. Mit beinahe sechs Minuten Rückstand auf die Spitze stieg er auf sein Rad - und machte sich hochmotiviert und mit schier unglaublicher Geschwindigkeit auf die Verfolgung: "Ich bin einfach geflogen, hatte kein Gefühl von Anstrengung, es war wie im Rausch. Ich hab immer versucht, tief in mich hinein zu hören, ob es nicht doch zu schnell ist. Aber die Stimme in mir hat gesagt: schneller, schneller." Nach nur einer von drei Radrunden hatte er die Spitze übernommen. Und stand bei Kilometer 70 plötzlich am Streckenrand: Der Hinterreifen war geplatzt. Nachdem Kienle dank des Materialwagens seine Hinterrradscheibe gegen ein normales Modell getauscht hatte, startete er Verfolgungsjagd zwei und hatte die Führungsgruppe schnell wieder eingeholt. Zu schnell? "Ich wollte die Lücke zufahren und dann gar nichts mehr machen auf dem Rad und mich aufs Laufen konzentrieren." Um ein Rennen im Marathon zu entscheiden, muss man aber zumindest bei den anderen bleiben. Kienles "Hau-drauf-Taktik" hatte allerdings zu viel Kraft gekostet: "Ich bin richtig explodiert, so wie ich im Rennen noch nie explodiert bin." Auf den letzten 30 Kilometern verlor der 28-Jährige über zehn Minuten auf die Spitze. Dass er sich trotzdem für den Marathon wieder aufraffen konnte und am Ende mit Rang sechs und wertvollen Punkten für das Kona Pro Ranking belohnt wurde, sieht er selbst als wichtige Lektion: "Ich habe aus dem Rennen mehr gelernt, als aus denen in Roth, die gut gelaufen sind. Ich muss mir eingestehen, dass ich bis jetzt von Langdistanz-Triathlon einfach überhaupt keine Ahnung hatte."

Llanos mit Pokerface und Erfahrung

Einer, der sich auf diesen Strecken sehr gut auskennt, ist Eneko Llanos. Und der Baske spielte seine Erfahrung voll aus: Auf dem Rad wartete er, bis die anderen ihre Kräfte verschossen hatten und setzte dann eine einzige Attacke, dank der er einen 90-Sekunden-Vorsprung in die zweite Wechselzone mitnehmen durfte. Nur der Brite Paul Amey blieb in Schlagdistanz, wirkte aber nicht besonders bedrohlich, schließlich hatte er bisher auf der Ironmandistanz noch nicht überzeugt. In Arizona aber rannte er flugs an Llanos vorbei und übernahm die Führung. Der Spanier ließ sich nicht beirren, folgte strikt seiner Marschroute und kontrollierte immer wieder sein Tempo. Und war bald wieder dran am Briten. Auch, als der sich kilometerlang an seine Fersen heftete, blieb er gelassen. Erst auf den letzten fünf Kilometern setzte Llanos - ähnlich wie auf dem Rad - seine Attacke. Erfolgreich: in 7:59:38 Stunden siegte Llanos nicht nur mit neuem Streckenrekord, sondern knackte erstmals in seiner Karriere auch die Acht-Stunden-Marke. Dritter wurde der Ukrainier Viktor Zyemtsev mit dem schnellsten Laufsplit des Tages, Torsten Abel lief so schnell wie nie zuvor in einem Ironman und erkämpfte sich gegen starke Konkurrenz Rang vier. Kienle wurde Sechster, der Xterra-Weltmeister Michael Weiss aus Österreich kam über Rang acht nicht hinaus.

Cave seziert das Feld

Was Kienle nicht gelang, demonstrierte die Frauensiegerin wie aus dem Ironman-Lehrbuch: Die Britin Leanda Cave spielte ihre überragende Spätform trotz einer frühen Reifenpanne mit fast stoischer Ruhe aus. Platz um Platz arbeitete sich die Hawaii-Dritte nach vorn, übernahm erst beim Marathon die Führung und lief ihr hohes Tempo bis ins Ziel durch. In 8:49:00 Stunden stellte sie eine beeindruckende Bestmarke auf, an der sich die US-Amerikanerin Linsey Corbin die Zähne ausbiss, auch wenn sie ebenfalls deutlich unter neun Stunden ins Ziel kam. Dritte wurde ihre Landsfrau und gute Freundin Meredith Kessler, die die magische Marke nur um 14 Sekunden verfehlte. Ein starkes Rennen lieferte die Darmstädterin Susan Dietrich ab, die sich dafür in persönlicher Bestzeit mit dem neunten Platz belohnte.
Ironman Arizona, Frauen
20. November 2011, Tempe/Arizona (USA)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Leanda CaveGBR52:084:51:062:58:518:49:00
2Linsey CorbinUSA57:004:50:113:02:278:54:33
3Meredith KesslerUSA51:464:53:363:10:189:00:14
4Amanda StevensUSA48:434:51:513:23:459:09:39
5Michelle VesterbyDEN53:524:51:273:22:019:11:23
6Kelly WilliamsonUSA51:455:03:553:11:599:12:18
7Kathleen CalkinsUSA57:004:54:463:16:299:12:40
8Sara GrossCAN54:095:11:343:07:529:18:03
9Susan DietrichGER57:235:01:263:16:509:19:49
10Charisa WernickUSA58:515:04:343:15:099:22:37
Ironman Arizona, Männer
20. November 2011, Tempe/Arizona (USA)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Eneko LlanosESP48:474:20:542:46:097:59:38
2Paul AmeyGBR48:474:22:372:45:558:01:29
3Viktor ZyemtsevUKR52:174:35:022:43:308:14:36
4Torsten AbelGER49:594:33:502:48:148:16:44
5Stephane PoulatFRA46:594:24:273:03:388:18:55
6Sebastian KienleGER53:454:26:382:55:198:19:29
7Jeremy JurkiewiczFRA47:064:34:582:53:298:19:38
8Michael WeissAUT54:044:24:052:59:028:21:36
9Trevor WurteleCAN54:594:31:222:51:328:22:21
10Christophe BastieFRA55:124:25:593:01:028:26:10
...
13Stefan SchmidGER54:584:34:172:58:488:32:59
14Patrick JabergSUI53:464:31:043:03:078:33:50