Frankfurt Macca knackt 8-Stunden-Marke

Langstrecke | 11. Juli 2008
Nach einem packenden Rennen hat Ironman-Weltmeister Chris McCormack den Ironman Germany 2008 gewonnen. In neuer Streckenrekordzeit verwies der Australier den Spanier Eneko Llanos auf den zweiten Platz. Timo Bracht sicherte sich den dritten Podestplatz.
Der Frankfurter Fussball-Legende Charlie Körbel ist es am frühen Sonntagmorgen vorbehalten, die knapp 2.300 Triathleten aus 47 Nationen auf die 226 Kilometer lange Reise zum Römerberg zu schicken. Allen voran die knapp 30 Profis. Und es vergehen keine 25 Minuten, bis sich schnellsten von ihnen beim 50 Meter langen Landgang zum ersten Mal den Zuschauern am Ufer des Langener Waldsees zeigen. Angeführt vom jungen Andi Böcherer, hechten Faris Al-Sultan, die Spanier Eneko und Hector Llanos sowie Jan Raphael und Top-Favorit Chris McCormack mit schon hier mehr als einer Minute Vorsprung auf die Verfolgergruppe zurück ins 23 Grad warme Wasser. Auf der etwas kürzeren zweiten Runde muss der Weltmeister seine Herausforderer dann einige Meter ziehen lassen; 40 Sekunden büßt der 35-Jährige auf die schnellsten Schwimmer ein. Andi Böcherer und Faris Al-Sultan streifen - gefolgt von Eneko Llanos und Jan Raphael - als Erste ihre Neoprenanzüge aus.

Al-Sultan attackiert und büßt dafür

In welcher Verfassung sich McCormack befindet, deutet der Aussie gleich auf dem ersten kurzen Teilstück in Richtung Mainmetropole an – nur wenige Kilometer nach dem Wechsel, bei dem er sichtlich nervös versucht hatte, seine Startnummer über den Helm zu ziehen, ist der 40-Sekunden-Rückstand auf das Führungs-Quintett schon Geschichte. Von nun an wechselt in der Gruppe, in der weiterhin auch Andi Böcherer vertreten ist, immer wieder die Führung. Bei Kilometer 40 ist es dann jedoch vorbei mit der gemeinsamen Arbeit an der Spitze. Faris Al-Sultan setzt überraschend die erste ernsthafte Attacke, auf die zunächst weder McCormack noch Llanos oder Böcherer reagieren. Jan Raphael, im vergangenen Jahr noch viele Kilometer allein an der Spitze unterwegs, verliert kurz darauf sogar den Kontakt zur Verfolgergruppe. Bis auf zweieinhalb Minuten lassen Macca und seine Begleiter Al-Sultan enteilen. Auch im Anstieg zum „Heartbreak Hill“ in Bad Vilbel, bei Halbzeit der Radstrecke, machen sie noch keine Anstalten, dem Münchner nachzustellen. Nach knapp vier Rennstunden ist es McCormack selbst, der das Tempo forciert und innerhalb kurzer Zeit den Rückstand auf den Führenden halbiert; Al-Sultan hatte sein Pulver auf der 60 Kilometer langen Alleinfahrt offenbar bereits verschossen. Scheinbar problemlos schiebt sich der Australier mit Eneko Llanos und Andi Böcherer im Schlepptau an den Münchener heran.

Schwarzer Tag für Göhner und Vytrisal

Für die drei Erstplatzierten des Vorjahres läuft es dagegen überhaupt nicht nach Plan: Während Titelverteidiger Timo Bracht seinen Rückstand auf die Spitze zumindest in Grenzen hält, scheitert der Versuch des Zweiten von 2007, Michael Göhner, möglichst früh wenigstens den Anschluss zur ersten Verfolgergruppe herzustellen. Im Gegenteil, bei der zweiten Durchfahrt am Hühnerberg sind aus sechs Minuten Rückstand mehr als elf geworden. Ein Platz unter den besten Fünf ist schon zu diesem Zeitpunkt außer Reichweite für den sympathischen Reutlinger. Noch schlechter ergeht es dem Vorjahresdritten Frank Vytrisal: Der 41-Jährige, schon im Wasser als 15. unerwartet weit im Hintertreffen, quält sich trotz Ohrenschmerzen zwei Stunden lang auf der Radstrecke – bei Kilometer 84 stellt der "Oldie" sein Rad schließlich doch an den Straßenrand.

Böcherer stichelt gegen den König

An der Spitze entwickelt sich derweil ein spannender Dreikampf. Während Faris Al-Sultan plötzlich Mühe hat, Anschluss zu halten, versuchen sich der Spanier Eneko Llanos und Andi Böcherer in Majestätsbeleidigung. Immer wieder attackieren die beiden den Weltmeister, abschütteln können sie den Hawaii-Champion aber nicht – auch nicht beim zweiten Anstieg zum „Heartbreak Hill“, den Böcherer noch einmal zum Angriff nutzt. Aber auch Llanos sieht noch frisch aus – zehn Kilometer vor dem zweiten Wechsel am Mainkai. Letztlich lassen Llanos und McCormack dem Deutschen eingangs der Wechselzone den Vortritt, wohl im Wissen, in dem Freiburger keinen ernsthaften Gegner im Kampf um den Sieg vor sich zu haben.