Matt Hanson: "Wenn alles passt, laufe ich am Samstag Streckenrekord"

Matt Hanson geht am Samstag beim Ironman Texas als Vorjahressieger und Top-Favorit an den Start. Der Amerikaner aus Minnesota beeindruckt bei seinen Rennen vor allem mit außerordentlich schnellen Laufzeiten. Dabei hat er erst vor vier Jahren mit Triathlon begonnen. Wir haben ihn nach dem Schwimmtraining erwischt und ihm ein paar Fragen gestellt.

Von > | 12. Mai 2016 | Aus: SZENE

Matt Hanson | Matt Hanson

Matt Hanson

Foto >Tim Floyd

Matt, stimmt es, dass Sie eigentlich vom Ringen kommen und erst vor wenigen Jahren mit Triathlon angefangen haben?

Ja, das stimmt. Ich war über die gesamte Highschool-Zeit und die ersten Collage-Jahre ein Ringer, bis ich wegen einer Verletzung aufhören musste. Mit 26 habe ich dann meinen ersten Triathlon gemacht – den Ironman Coeur d’Alene in Idaho.

Wie kam es dazu?

Ich habe mit 16 Jahren eine Liste erstellt mit 15 Zielen, die ich in den nächsten zehn Jahren erreichen möchte. Einen Ironman zu machen, war eines dieser Ziele. Als ich mit 25 auf die Liste schaute, dachte ich: Huch, jetzt solltest du mal besser anfangen zu trainieren. Das habe ich dann getan.

Das war vor vier Jahren. Sie sind sehr schnell sehr gut geworden. Woher nehmen Sie die Routine, die Sie nach so wenigen Jahren im Triathlonzirkus doch eigentlich noch gar nicht haben?

Ich hatte viele Leute um mich herum, die mir auf meinem bisherigen Weg geholfen haben. Mein Schwimmtrainer Tim Floyd und David Tilbury-Davis beim Laufen und Radfahren – sie haben mich sehr voran gebracht. Ich habe aber auch Sportphysiologie studiert und bis zum letzten Jahr als Professor am College gearbeitet. Daher ist mein Verständnis von Ernährung, Training und wie der Körper funktioniert auch kein schlechtes. Und dann muss ich mich wohl auch bei meinen Eltern bedanken, für die guten Gene, die sie mir mitgegeben haben.

Den Job als Professor haben Sie an den Nagel gehängt, um Triathlet zu werden?

Ja, in der Tat. Es war eine harte Entscheidung, aber bisher habe ich es nicht einmal bereut. Ich mag nicht zurückschauen und mich fragen, "was wäre wenn?" Mein Ziel ist es, eines Tages die Weltmeisterschaften auf Hawaii zu gewinnen, und das könnte ich nicht, wenn ich noch einen Job nebenbei hätte.

Wie liefen Ihre Vorbereitungen für die Titelverteidigung in Texas?

Wir haben einen langen, langsamen Aufbau gemacht. Im Januar habe ich ein Schwimmcamp hier in Texas absolviert und viel auf der Laufstrecke trainieren können. Lediglich die Kilometer auf der Radstrecke haben nicht so viel gebracht. Der alte Kurs existiert ja quasi nicht mehr, wegen der Streckenänderung.

Die Radstrecke ist aufgrund von Unwetter-Schäden auf 150 Kilometer verkürzt worden. Das könnte Ihnen liegen. Bisher hat noch niemand den Ironman Texas zweimal gewinnen können. Werden Sie am Samstag der Erste sein?

Das ist der Plan. Es sind verdammt viele gute Jungs hier, die da ein Wörtchen mitreden wollen. Es sind starke Schwimmer, solide Radfahrer und gute Läufer am Start. Ich denke, das Rennen wird sich auf der letzten Laufrunde entscheiden. Da werde ich sehen, ob mein Plan aufgeht.

Ist alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung?

Wenn ich für mich ein gutes Rennen mache, wenn ich rausgehe und alles gebe, was an dem Tag möglich ist, und damit Zweiter, Dritter oder Vierter werde, dann werde ich zufrieden sein und meinen Hut ziehen. Wenn ich für mich kein gutes Rennen mache, werde ich natürlich enttäuscht sein.

Sie haben eben die guten Läufer angesprochen. Sie sind alles andere als ein guter Läufer. Sie sind ein Über-Läufer. Egal ob Ironman Texas oder Neuseeland, Sie rennen einen Streckenrekord nach dem anderen. Wollen Sie Ihren eigenen Laufrekord von 2:45:47 Stunden aus dem letztem Jahr unterbieten?

Mal schauen, was passiert. Wenn es 40 °C warm wird, dann wahrscheinlich nicht. Aber ansonsten habe ich auf jeden Fall die Fitness, es zu schaffen. Das hängt alles davon ab, wie sich das Renngeschehen entwickeln wird. Ich habe eine Zielgeschwindigkeit im Kopf, die ich gerne laufen möchte, aber die muss ich an die Temperaturen und den Rennverlauf anpassen.

Und wie lautet diese Zielzeit?

Deutlich unter Streckenrekord.