Michael Raelert im Pre-Race-Interview

Der Countdown zu Michael Raelerts Langdistanz-Premiere läuft. Ein Interview mit dem Sieger der 70.3-Rennen auf Mallorca und in Rapperswil über seinen Respekt vor dem eigenen Kopf und den nicht ganz absoluten Willen zum Sieg.

Von > | 16. Juni 2012 | Aus: Szene

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Michael Raelert vor der Regensburger Cityline

Foto > Carola Felchner / spomedis

Michael Raelert, vor Ihrem geplanten Langdistanz-Debüt in Frankfurt letztes Jahr sagten Sie, Sie hätten am meisten Angst davor, was Ihr Kopf macht. Was macht er aktuell?

Er ist immernoch meine Hauptangst. Physisch, denke ich, bin ich in der Lage, eine Langstrecke zu machen, beziehungsweise ich weiß, dass ich das kann. Wovor ich am meisten Angst habe, ist die Distanz und die damit verbundene mentale Herausforderung, die hier auf mich zukommt.

Wie wichtig waren die Siege bei den 70.3-Rennen auf Mallorca und in Rapperswil für Ihr Selbstvertrauen?

Insofern wichtig, als dass ich sehe, wo ich im Training stehe und dass das Training auch richtig anschlägt, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin. Texas sollte die erste Überprüfung sein für Kona, für Las Vegas, für Wiesbaden, und die lief leider nicht so optimal wie ich mir das vorgestellt habe. Ich war krank, hatte einen Platten, ich war mit der Performance an sich nicht so zufrieden. Mallorca und Rapperswil waren Indikatoren dafür, dass ich doch nicht schlechter bin als letztes Jahr.

Letzte Saison haben Sie sich sehr kämpferisch gegeben. Wollten immer schneller, höher, weiter vor. Der Rolle des Favoriten entsprechen. Jetzt sagen Sie „Der Sieg ist nicht das Wichtigste“. Ein Sinneswandel?

Nein. Ich bin nach wie vor ungestüm, alle anderen Rennen will ich gewinnen. Aber meine Einstellung hier hat zwei Gründe: Es ist zum einen eine Herzensangelegenheit für mich, auf die Aktion „Mike Möwenherz“ aufmerksam zu machen (eine Initiative, die chronisch und sterbenskranke Kinder in Michael Raelerts Heimatstadt Rostock betreut, Anm. d. Red.). Das gibt der Rahmen her. Zum anderen gebe ich nicht Vollgas, weil noch drei ganz wichtige Rennen für mich auf dem Programm stehen. Das sind Wiesbaden, Las Vegas und Kona. Und ich möchte diesmal in Kona ankommen und nicht vorher irgendwo auf der Strecke bleiben. Deswegen hat dieser Wettkampf eher Erfahrungscharakter für mich.

Nicht Vollgas geben heißt…?

Ganz gemächlich werde ich es nicht angehen. Es ist immernoch ein Wettkampf und ich habe wahnsinnigen Respekt vor der Distanz. Aber die Erwartungshaltung ist eine andere, eher eine freudige, nicht „Ich muss gewinnen“, sondern ich darf hier „Mike Möwenherz“ promoten. Und darüber hinaus Erfahrung sammeln. Aber ich habe natürlich immer einen sportlichen Ehrgeiz in mir und Erfahrungen sammelt man nicht, wenn man spazieren geht, sondern wenn man einen Wettkampf spürt.

Warum haben Sie sich für Regensburg entschieden?

Das Rennen passt gut in meine Planung. Es ist ein deutscher Wettkampf und es ist immernoch die Qualifikation für Hawaii. Sonst gäbe es nur noch Frankfurt, aber da steht schon Andy (sein Bruder Andreas Raelert, Anm. d. Red.) am Start. Und unser erster gemeinsamer Wettkampf soll nach wie vor in Kona sein.