Michael Raelert zurück auf dem Thron

Michael Raelert hat dem Druck standgehalten und kann nach seinem zweiten Sieg bei der Ironman-70.3-EM in Wiesbaden für das Hawaii-Debüt im Oktober planen. Bei bestem Triathlonwetter schüttelte er den Belgier Bart Aernouts in der ersten Laufrunde entscheidend ab. Neuprofi Boris Stein überraschte auf Platz drei.

Von > | 12. August 2012 | Aus: SZENE

Michael Raelert | Michael Raelert, Radstrecke Wiesbaden

Michael Raelert, Radstrecke Wiesbaden

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Sichtlich entspannt erschien Topfavorit Michael Raelert am Morgen am Raunheimer Waldsee. Und das konnte der sonst eher als Nervenbündel bekannte Rostocker auch sein: Schon vor dem Start war klar, dass er am 13. Oktober beim Ironman auf Hawaii dabeisein wird - und zwar unabhängig vom Ausgang des Rennens in Wiesbaden. Nach der Absage eines nach Punkten qualifizierten Athleten war Raelert vergangene Woche nachgerückt, kurz darauf flatterte die offizielle Einladung der World Triathlon Corporation in seinen Briefkasten. Gute Voraussetzungen für das Rennen in Wiesbaden: Nach der Absage des Titelverteidigers Andreas Böcherer schien dann auch der zweite Sieg beim wichtigsten 70.3-Rennen in Europa nicht viel mehr als eine Formsache zu sein. Der zweifache 70.3-Weltmeister hatte das am Tag vor dem Rennen naturgemäß anders gesehen. "Dass Andreas nicht dabei ist, ist sehr schade. Leichter wird es dadurch aber nicht", sagte er im Interview gegenüber triathlonTV. Dennoch sei er natürlich auf den Sieg fokussiert.

Locker durchs Wasser, mit Vollgas aufs Rad

Raelert ging sein Projekt "EM-Titel Nummer zwei" zunächst verhalten an. In einer zwölfköpfigen Spitzengruppe mit allen Favoriten zeigte er sich auf den 1,9 Schwimmkilometern kaum an der Spitze und überließ anderen die Führungsarbeit. Zum Beispiel dem schwimmstarken Franzosen Stephane Poulat, dem Olympia-13. von London, Ivan Vasiliev, dem deutschen Duathlon-Ass Patrick Lange und dem Tschechen Filip Ospaly, mit dem sich Raelert in den vergangenen Jahren schon mehrere packende Duell geliefert hat. Ein Déjà-vu wollte der Deutsche dieses Mal offenbar nicht. Wie schon bei seinem Sieg auf Mallorca schlug er gleich auf den ersten Radkilometern ein Höllentempo an, dem fünf Tage nach dem olympischen Triathlon in London überraschend nur Vasiliev und Poulat folgen konnten oder wollten. Kilometer 40 passierte das Trio knapp eine Minute vor Ospaly und etwa 90 Sekunden vor einem weiteren Trio aus dem laufstarken Belgier Bart Aernouts, Ex-Radprofi Mikel Elgezabal aus Spanien und dem französischen Außenseiter Toumy Degham. Knapp 30 Kilometer vor dem zweiten Wechsel dann eine neue Rennsituation: Poulat hatte sich zwar nach hinten verabschiedet, mit Elgezabal, Aernouts und Degham schlossen aber gleich drei Verfolger zu Raelert und Vasiliev auf. Das habe ihn zwar etwas überrascht, gab der Deutsche später zu, doch letztlich müsse man eine vorher zurechtgelegte Taktik während eines Rennens ohnehin ständig ändern.

Raelert souverän, Stein schlägt Vasiliev

Und so packte Raelert wenig später im Wechselzelt nicht nur seine Laufschuhe, sondern auch gleich den kurzfristig notwendig gewordenen Plan B aus. "Als wir plötzlich zu fünft waren, habe ich mir auf den letzten Radkilometern vorgenommen, besonders schnell zu wechseln und die ersten fünf Kilometer richtig hart anzulaufen", erklärte er nach dem Rennen. "Richtig hart" war für seine Begleiter dann auch eine Spur zu viel: Einem Kilometerschnitt von deutlich unter drei Minuten hatte keiner etwas entgegenzusetzen. Bei Kilometer drei lag Aernouts, der Sieger des Ironman 70.3 Antwerpen, schon fast 30 Sekunden zurück, Vasiliev und Degham hatten da bereits eine Minute auf Raelert verloren. In 1:11:16 Stunden setzte Raelert am Ende die mit Abstand beste Laufzeit des Tages und siegte mit genau zweieinhalb Minuten Vorsprung. Von einem Spaziergang wollte er bei der Pressekonferenz danach aber nicht sprechen. "Die Jungs haben es mir heute wirklich nicht leicht gemacht." Mit den "Jungs" meinte er sicher vor allem den Zweitplatzierten Aernouts, Vasiliev, der am Ende noch Fünfter wurde und Boris Stein, den amtierenden Deutschen Meister über die Mitteldistanz. Der hatte sich auf den beiden ersten Laufrunden beinahe unbemerkt an Degham und Vasiliev herangeschlichen und ihnen mit der drittschnellsten Laufzeit des Tages auf den letzten Kilometern den dritten Podiumsplatz abgejagt. Für den Tschechen Ospaly endete dagegen eine Siegesserie: Nach vier Titeln in Folge musste sich der zweimalige Olympiateilnehmer dieses Mal mit dem sechsten Rang zufriedengeben.

Ironman 70.3 European Championship 2012 | Männer

  1. August 2012, Wiesbaden (GER)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Michael Raelert

GER

4:03:58

21:53

2:27:58

1:11:16

2

Bart Aernouts

BEL

4:06:28

24:26

2:25:12

1:13:30

3

Boris Stein

GER

4:07:51

25:20

2:25:17

1:13:53

4

Toumy Degham

FRA

4:08:12

23:42

2:25:49

1:15:13

5

Ivan Vasiliev

RUS

4:08:36

21:51

2:27:52

1:15:25

6

Filip Ospaly

CZE

4:10:19

21:54

2:30:40

1:14:23

7

Patrick Lange

GER

4:12:40

21:56

2:32:47

1:14:26

8

Mikel Elgezabal

ESP

4:14:25

23:36

2:25:47

1:20:53

9

Andrew Russell

CAN

4:14:33

21:55

2:32:42

1:16:40

10

David Plese

SLO

4:15:40

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2:27:42

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