Möller vor Riesler

Mit einem phänomenalen Marathon hat sich Kristin Möller in Bolton den ersten Ironmantitel ihrer Karriere gesichert. Nur Männersieger Aaron Farlow (AUS) lief schneller als die 27-Jährige vom Abu Dhabi Triathlon Team. Den deutschen Doppelsieg machte Diana Riesler perfekt.

Von > | 31. Juli 2011 | Aus: SZENE

Kristin Möller | Kristin Möller

Kristin Möller

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Verkehrte Welt in Nordosten Englands. Denn britisch waren beim Ironman UK 2011 weder das Wetter noch die Champions. Und das zum ersten Mal in der Geschichte des berüchtigten Inselrennens. Bei den Männern beendete der Australier Aaron Farlow die Siegesserie der Gastgeber. Im Rennen der Frauen setzen bei optimalen äußeren Bedingungen zwei deutsche Damen neue Maßstäbe. Allein die Bestmarke im Schwimmen bleibt Titelverteidigerin Yvette Grice nach einem Tag, den Kristin Möller und Diana Riesler sicher noch lange in Erinnerung behalten werden.

Möller verliert, Riesler attackiert

Sollte Chrissie Wellington in Bolton an der Strecke gewesen sein - sie dürfte große Augen gemacht haben, ob der furiosen Aufholjagd, die eine ihr wahrscheinlich bis dato noch unbekannte 27-Jährige auf dem schwierigen Kurs in Bolton hinlegte. Nur auf dem neunten Platz, fast sechs Minuten hinter Vorjahressiegerin Yvette Grice war Möller, die frühere Leichtathletin, nach 3,8 Schwimmkilometern aus dem Wasser geklettert. Zweieinhalb davon büßte die Britin auf der Radstrecke ein - zumindest auf Möller. Denn Diana Riesler (Team TBB Germany), die sich wie Möller nach dem vorzeitigen Aus beim Ironman in Frankfurt kurzfristig zum Start in Bolton entschlossen hatte, blies vom ersten Radkilometer an zur Attacke. In 5:25:56 Stunden verbesserte die Merseburgerin dabei nicht nur den Bikerekord, sie schuf sich gleichzeitig eine glänzende Ausgangsposition für ihren ersten Ironmantitel.

Möller fliegt und siegt

Elf Minuten vor Grice und fast eine Viertelstunde vor Möller schlüpfte Riesler in die Laufschuhe und sah lange wie die sichere Siegerin aus. Doch während sie die Titelverteidigerin bis ins Ziel sicher im Griff behielt, sah sie Kristin Möller wenige Kilometer vor der Finishline förmlich an sich vorbeifliegen. Unfassbare 2:41:56 Stunden spuckte die Zeitmessung im Ziel für die erste deutsche Siegerin des Ironman UK aus - der schnellste je in einem Langdistanzrennen gelaufene Marathon. Zugegeben, die weltweiten Kurse sind nicht miteinander vergleichbar, dennoch war die Deutsche in einem offiziellen Rennen fast zweieinhalb Minuten schneller als Ausnahmeläuferin Chrissie Wellington bei ihrem Weltrekordrennen vor wenigen Wochen in Roth (2:44:35 Std.). 3:50 Minuten pro Kilometer - eine Zeit, von der die meisten von Möllers männlichen Profikollegen kaum zu träumen wagen. Der neue Streckenrekord von 9:19:04 Stunden geriet angesichts dieser Zeit fast zur Nebensache. Ganz im Gegensatz zum starken Auftritt von Diana Riesler, die mit einem mutigen Rennen sechs Minuten nach Möller den deutschen Doppelsieg perfekt machte. Grice war zwar 20 Minuten schneller als im vergangenen Jahr - das reichte dieses Mal aber nur zu Platz drei.

Farlow knackt britische Serie

Eine besondere sportliche Geschichte wurde auch im Rennen der Männer geschrieben. Gut acht Monate nach einen fürchterlichen Trainingscrash in Thailand verbesserte Aaron Farlow dank einer überragenden Vorstellung beim Laufen den bisherigen Streckenrekord des Schotten Fraser Cartmell (2010, 8:40 Std.). Nach genau 8:24:33 Stunden blieb vor dem Rathaus von Bolton die Uhr für den 30-jährigen Australier stehen. Auf der letzten Radrunde hatte Farlow dem Franzosen Romain Guillaume die Führung abgejagt, sie nicht mehr aus der Hand gegeben und damit im achten Jahr des Ironman UK die Siegesserie der Gastgeber beendet. Mehr als eine Randnotiz: In 2:41:45 Stunden war Farlow der einzige Profiathlet, der auf der Marathonstrecke schneller war als Kristin Möller. Schwimmspezialist Guillaume brachte seinen zweiten Platz respektable 17 Minuten hinter dem neuen Champion sicher nach Hause. Nick Saunders rettete den Briten nach einem packenden Zweikampf mit Domenico Passuello (ITA) wenigstens einen Podiumsplatz.

Ironman UK, Frauen

  1. Juli 2011, Bolton (Großbritannien)

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

Gesamt

1

Kristin Möller

GER

56:16

5:37:00

2:41:56

9:19:04

2

Diana Riesler

GER

53:23

5:25:56

3:02:27

9:25:41

3

Yvette Grice

GBR

50:31

5:39:32

3:02:46

9:37:32

4

Joanna Carritt

GBR

55:20

5:53:07

3:05:58

9:59:20

5

Claudia Johnston

SUI

1:00:08

5:45:27

3:17:06

10:07:55

6

Elizabeth Hutson

GBR

1:01:25

5:50:42

3:14:31

10:12:31

7

Karen Smith

BER

58:54

6:04:55

3:19:29

10:30:49

8

Tine Holst

SUI

1:06:21

5:56:24

3:26:19

10:33:59

9

Bethan Fowler

GBR

1:01:09

5:59:42

3:27:52

10:34:39

10

Kerri Renshaw

AUS

50:48

6:04:01

3:28:44

10:35:24

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Ironman UK, Männer

  1. Juli 2011, Bolton (Großbritannien)

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

Gesamt

1

Aaron Farlow

AUS

45:00

4:53:46

2:41:45

8:24:33

2

Romain Guillaume

FRA

45:03

4:57:58

2:54:16

8:41:24

3

Nick Saunders

GBR

48:08

5:13:51

2:45:45

8:51:30

4

Domenico Passuello

ITA

50:48

5:07:29

2:49:02

8:51:51

5

Oliver Simon

GBR

44:57

5:12:59

2:52:57

8:54:28

6

Miguel Platero

ESP

47:00

5:11:59

2:52:26

8:57:38

7

Gregorio Caceres Morales

ESP

51:05

5:19:28

2:47:02

9:01:43

8

Paul Hawkins

GBR

48:01

5:14:16

2:57:49

9:03:40

9

Toby Radcliffe

GBR

49:53

5:21:15

2:48:53

9:04:23

10

Rob Creasy

NZL

49:47

5:21:18

2:50:08

9:05:27

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