Außerirdisch Neue Weltbestzeit für Wellington

Langstrecke | 18. Juli 2010
Chrissie Wellington hat bei der neunten Auflage der Challenge Roth ihre eigene Weltbestzeit pulverisiert. Die Britin siegte in unglaublichen 8:19:13 Stunden vor einer chancenlosen Rebekah Keat aus Australien. Die Tschechin Tereza Macel freute sich über Platz drei.
Gut, dass Renndirektor Felix Walchshöfer rechtzeitig vor dem Start der neunten Auflage seiner Challenge Roth die 7,5-Prozent-Regel für die Vergabe der Preisgelder aufgehoben hat. Ohne diese Regeländerung würden Chrissie Wellingtons Konkurrentinnen, die heute wirklich keine schlechten Rennen zeigten, nämlich dumm dastehen. Mit einer Fabelzeit von 8:19:13 Stunden, die ihren eigenen Rekord von 8:31:59 Stunden aus dem vergangenen Jahr beinahe lächerlich aussehen lässt, hat die Britin das Rennen gewonnen. Dass sie im Ziel auf die Zweitplatzierte einen Vorsprung von über 25 Minuten  hatte, ist dabei mindestens genauso erstaunlich wie die Tatsache, dass Wellington in der Gesamtwertung Siebte wurde – nur sechs Männer waren schneller als die dreifache Ironman-Weltmeisterin. „Ich bin unglaublich stolz und danke allen, die mir die Energie gegeben haben, heute über mich hinauszuwachsen“, so die 33-Jährige im Ziel. „Es war das perfekte Rennen.“

One-Woman-Show ab sechs Uhr morgens

Perfekt ist für die One-Woman-Show, die um sechs Uhr morgens in Hilpoltstein ihren Anfang nahm, zweifellos das richtige Wort: Nur Tereza Macel, die für ihre Stärke im Wasser bekannt ist, muss Wellington auf den 3,8 Auftaktkilometern im Main-Donau-Kanal den Vortritt lassen. Doch nur wenige Sekunden hinter der Tschechin steigt schon die Britin aufs Rad – und von da an bleibt den verzweifelten Konkurrentinnen nur noch der Kampf um Platz zwei. Immer größer wird der Rückstand von Macel und einer gut aufgelegten Belinda Granger, die die Tschechin bald an Position zwei ablöst. Mit Keat muss die schnellste Schwimmerin des Tages später eine weitere Australierin ziehen lassen – die Siegerin der Challenge Kraichgau hatte nach dem ersten Wechsel zunächst einen Rückstand aufzuholen, präsentiert sich nun aber angriffslustig und eindeutig als bessere Radfahrerin.

Galerie: Die Bilder vom Rennen

Nach 90 Kilometern biegt das Trio aus Granger, Keat und Macel schon mehr als neun Minuten hinter Wellington auf die zweite Runde ab – niemand hat dem Raddruck der Führenden etwas entgegenzusetzen, sogar den meisten Männern fährt sie einfach davon. Weitere neun Minuten kassieren die Verfolgerinnen, die immerhin den Kampf um Platz zwei spannend gestalten, auf den nächsten 60 Kilometern. Keat, die ein Rennen ohnehin meist erst auf der Laufstrecke an sich reißen kann, fällt zwischenzeitlich zurück, mehr als eine Minute liegt aber selten zwischen ihr und Granger, die kurz vor Macel machtlos hinter Wellington herjagt.

Erste Frau, siebter Mann

Innerhalb einer Minute wechseln die drei auf die Laufstrecke – und wäre Wellington da nicht schon seit 22 Minuten und mit einem eindrucksvollen Lauftempo von 3:50 Minuten pro Kilometer unterwegs, hätte es ein wirklich spannendes Rennen werden können. Christophe Bastie jedenfalls verliert an der Halbmarathonmarke fast den Glauben an seine eigene Leistungsfähigkeit: Der Franzose ist gerade als Siebter auf dem Weg zu einer wirklich guten Platzierung, als ihn die führende Frau überholt und damit locker den Sprung in die Top Ten der Männer schafft.
Bis ins Ziel demütigt Wellington zwar keinen Mann mehr, den Vorsprung auf ihre Konkurrentinnen baut sie aber noch auf mehr als 25 Minuten auf. Und hat so genug Zeit, sich im Ziel vor den erstaunten Augen Tausender Zuschauer feiern zu lassen. Die Britin kostet die letzten Meter bis zur Ziellinie sichtlich aus und wirkt, als könne sie es selbst nicht fassen. Halb lachend, halb weinend lässt sie sich von Renndirektor Felix Walchshöfer gratulieren, der angesichts der beinahe wahnwitzigen neuen Weltbestzeit über die Langdistanz vor der Siegerin auf die Knie fällt.

Dagmar Matthes Deutsche Meisterin

8:52:10 Stunden sind für eine Frau auf der Langdistanz sicher keine schlechte Zeit, doch Keats zweiter Platz wirkt angesichts der Siegerzeit irgendwie blass. Frustrierend, findet die Australierin: „Ich weiß wirklich nicht, wie man Chrissie schlagen könnte, sie ist einfach unglaublich." Über Rang drei freut sich weitere zehn Minuten später Tereza Macel, die sich beim Laufen noch einmal fangen konnte und ihre eigenen Erwartungen mit dem Podiumsplatz voll erfüllt. Deutsche Meisterin wird Dagmar Matthes aus Roth, die hinter der Viertplatzierten, Belinda Granger, auf dem fünften Rang ihren Heimsieg genießt.
Challenge Roth
18. Juli 2010, Roth
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Chrissie WellingtonGBR50:284:36:332:48:548:19:13
2Rebekah KeatAUS52:144:56:443:00:068:52:10
3Tereza MacelCZE50:184:58:463:16:569:09:29
4Belinda GrangerAUS52:184:56:463:23:189:15:25
5Dagmar MatthesGER54:485:10:533:22:599:32:05
6Kristin LieNOR1:10:205:11:033:16:029:41:50
7Mareen HufeGER1:03:335:11:233:26:269:44:32
8Birgitte ChristensenDEN1:03:025:14:023:28:599:49:42
9Helen BuleyRSA1:04:005:19:553:22:149:51:34
10Fiona Moorehead-LaneRSA1:02:005:17:553:28:039:54:19