Nils Frommhold: "Alle Kühlvarianten in der Tüte"

Nach einem durchwachsenen Rennen beim Ironman 70.3 Brasilien und verpasster vorzeitiger Kona-Qualifikation will Nils Frommhold morgen in den Woodlands die entscheidenden Punkte für die WM im Oktober sammeln. Einer angriffslustigen Julia Gajer steht beim Ironman Texas ein weniger risikofreudiger Nils Frommhold gegenüber.

Von > | 13. Mai 2016 | Aus: SZENE

Challenge Roth 2015 - Schwimmen - 15

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Nils Frommhold, beim Ironman 70.3 Brasilien haben Sie den Elfmeter für die frühzeitige Kona-Quali verschossen. Sie sind in der Hitze förmlich explodiert. Wie haben Sie sich für das Hitzerennen am Samstag vorbereitet? 

Wir haben zwischenzeitlich viel getestet, was die Kühlung angeht. Ich weiß selbst noch nicht, wie ich es am Samstag genau machen werde. Ich habe mehrere Optionen und Kühlvarianten. Die liegen in der Wechselzone am Samstag alle in der Tüte. Was ich dann benutze, das entscheide ich auf dem Rad und je nach Wetterbedingungen.

Es ist ja nicht so, dass Sie mit Hitze partout nicht umgehen können. In Kona 2014 haben Sie ein starkes Rennen unter heißen Bedingungen abgeliefert.

Hitze an sich bereitet mir keine Sorgen. Wenn man sich die zwei letzten Jahre in Roth anschaut, dann waren das jeweils Hitzerennen. Es ist mehr die Luftfeuchtigkeit, die mir manchmal Probleme bereitet. Und dann in einem Glutofen von 40 Grad unterwegs zu sein, wie in Brasilien, und 80 Prozent des Rennens auf einer Brücke zu absolvieren, wo die Luft richtig steht - das war brutal. Da ist selbst Texas ein Kühlschrank dagegen. Der Ironman 70.3 Brasilien war generell das Ende dreier verkorkster Wochen. Das darf man nicht zu hoch hängen.

Also einfach cool bleiben am Samstag?

Das Klima hier ist nicht leicht zu händeln, es wird auf jeden Fall ein Thema sein, aber es ist möglich. Auch für mich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht aus meinem Ironman-Tempobereich ausbreche. Dann kann das System schnell umkippen. Denn sobald ich anfange, da rauszukommen, und überpace, fange ich mir ein Defizit ein, das der Körper irgendwann nicht mehr toleriert.

Matt Hanson will den Laufstreckenrekord erneut pulverisieren, mit welcher Ansage halten Sie dagegen?

Die Amerikaner agieren da ein bisschen aggressiver. Er kann das gerne machen, aber irgendwo ist es ja noch Triathlon, er muss seinen Rückstand vom Schwimmen und Radfahren erstmal rausholen. Ich wäre am Ende nicht zufrieden, wenn ich einen Teilstreckenrekord halte, aber damit Vierter werde. Wenn es mir etwas bringt, dann laufe ich lieber langsamer und bin dafür weiter vorne.

Was rechnen Sie sich am Samstag aus?

Meine Ausgangsposition ist gut, einfach dadurch, dass viele Mitfavoriten einen Schwimmrückstand auf mich haben werden. Somit habe ich erstmal alle Karten, mit denen ich spielen kann. Ich kann die Rennsituation abwarten und bin im Normalfall nicht unter Zugzwang.

Wie schätzen Sie Ihre Konkurrenz ein?

Es werden ungefähr zehn Leute sein, die auf Augenhöhe um den Sieg kämpfen. Zu diesen zehn Leuten zähle ich mich auch. Aber unter diesen Favoriten sind auch viele Spezialisten, die ihre Schwachstellen haben, an denen man sie greifen kann.

Wie ist Ihre Taktik bei verkürzter Radstrecke? Härter Rad fahren oder gerade nicht, damit Sie beim Laufen noch alles geben können?

Wenn man so in das Rennen reingeht, macht man schon den ersten Fehler. Es sind immer noch 155 Kilometer. Der einzige Unterschied wird vielleicht sein, dass das Feld am Ende etwas kompakter zusammen sein wird. Man darf aber nicht anfangen zu sagen, dass man zehn Watt mehr treten wird. Gerade unter den bekannten Wetterbedingungen gehe ich auf die Radstrecke, als wenn es 180 Kilometer wären. Ich denke, man fühlt sich auch nach „nur“ 155 Kilometern auf dem Rad nicht unbedingt besser. Viel komplizierter als die Länge der Radstrecke werden wohl die ganzen Kurven und Antritte werden. Das ist doch was anderes als der ursprüngliche Kurs.

Mit welchem Ergebnis sind Sie am Ende des Tages zufrieden?

Wenn ich genug Punkte für Kona habe, dann fliege ich zufrieden nach Hause. In Kona will ich irgendwann abliefern. Da will ich meine Träume erfüllen. Klar ist es ein Ziel, hier in Texas vorne zu sein, auf dem Podest zu stehen um den Schritt Richtung Kona weiter zu gehen. Aber ich will nichts riskieren, sondern einfach ein solides Rennen durchbringen, um ohne Umwege nach Kona zu kommen.