Patrick Lange: "Ein unfassbarer Cocktail aus Gefühlen"

Beim Ironman Texas gelang Patrick Lange der erste Sieg bei seiner ersten Langdistanz überhaupt. Lange flog bei seinem Debüt der Konkurrenz durch einen erstklassigen Marathon davon und gewann überlegen. tri-mag.de hat mit dem Darmstädter über einen perfekten Tag gesprochen.

Von > | 16. Mai 2016 | Aus: Szene

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Patrick Lange gewinnt in Texas bei seinem ersten Ironman-Start auf Anhieb.

Foto > Paul Philips

Wie fühlen Sich heute Beine an, die am Samstag einen 2:40-Stunden-Marathon im Ironman gelaufen sind?

Momentan schwebe ich noch auf Wolke sieben, von daher sind die Schmerzen nur halb so schlimm.

Was war die wesentliche Grundlage dieses Erfolgs?

Drei Dinge haben diese Grundlage gebildet. Zum einen konnte ich den kompletten Winter ohne gesundheitliche Probleme durchtrainieren und somit das Training meines neuen Trainers Faris Al-Sultan komplett umsetzen. Was mich zum zweiten Punkt bringt: mein neuer Trainer. Faris hat mir geholfen, eine bessere Struktur in mein Training zu bringen und mit gezielten Reizen an meinen Schwächen zu arbeiten. Besonders wertvoll für mich ist schließlich die Tatsache, dass ich mich seit diesem Jahr Vollprofi nennen kann. Das ermöglicht mir eine uneingeschränkte Konzentration auf mein Training.

Wie haben Sie sich auf den Ironman Texas vorbereitet? Besonders auf die hitzigen Temperaturen hier?

Wir haben früh mit der Hitzegewöhnung angefangen. Im Februar war ich zwei Wochen mit Faris in den Emiraten. Ich habe dort trainiert, wo Faris früher fast all seine Trainingslager absolviert hat. Auf der Suche nach einem Rennen, das klimatisch noch härter ist als der Ironman Texas, bin ich direkt im Anschluss auf die Philippinen geflogen. Mit einem zweiten Platz beim Ironman 70.3 Subic Bay hatte ich meine Feuertaufe für heiße Bedingungen bestanden. In weiteren vier Wochen auf Fuerteventura habe ich den Haupttrainingsreiz setzen können, um ohne Umwege nach Cannes zu fliegen. Im Rennen dort war ich zwar eher mit kälteren Temperaturen und Regen konfrontiert. All diese Stationen haben rückblickend dazu beigetragen, dass ich so fit und abgehärtet an der Startlinie stand.

Mit welcher Taktik sind Sie ins Rennen gegangen?

In einem starken Feld konnte ich unter dem Radar fliegen. Das hat mir geholfen, mich voll und ganz auf mich zu konzentrieren. Das wiederum hat dazu beigetragen, dass ich mich im Rennen zurückhalten konnte. Ich konnte schauen, wie die Dynamiken in einem Weltklassefeld sind. Besonders auf dem Rad habe ich mich zurückgehalten. Das war meine Lehre aus dem Philippinen-Rennen, bei dem ich von einem großen Vorbild geschlagen wurde (Craig Alexander, Anmerkung der Redaktion). Von ihm habe ich gelernt, dass man mit einer zurückhaltenden Renngestaltung manchmal mehr erreicht, als von vornherein alles auf eine Karte zu setzen. Deswegen habe ich zu Beginn sehr passiv agiert und eben auch einen Andrew Starykowicz ziehen lassen. Wohlwissend, dass er sich höchstwahrscheinlich übernimmt. Zu gegebener Zeit konnte ich dann eben alles auf eine Karte setzen.

Laufen ist schon immer Ihre Stärke gewesen, aber hatten Sie einen so schnellen Marathon geplant?

Nein, absolut nicht. Meine Taktikvorgabe war deutlich langsamer anzugehen. Auf den ersten zehn Kilometern hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich wohl ganz schön den Kopf gewaschen bekomme, wenn ich die Pace nicht durchhalten werde. Dennoch habe ich mich auf mein Körpergefühl verlassen. Es hat gesagt, dass es heute geht. Und es ging.

Was war es für ein Gefühl, in den Zielkanal einzulaufen?

Ein unbeschreibliches. Es ist so ein unfassbarer Cocktail aus Gefühlen – Stolz, Ungläubigkeit, Freude, Genugtuung – das kann man schwer in Worte fassen. Jetzt, wo ich das einmal erlebt habe, muss ich sagen, dass ich es gerne noch das ein oder andere Mal erleben möchte.

Wie geht es bis Kona für Sie weiter?

Wir haben uns explizit nur mit der Saisonplanung bis gestern befasst. Ich habe keinen Plan B oder C verfolgt. Das hat sich ausgezahlt. Ich wollte die WM-Quali nicht übers Knie brechen. Ich wollte nicht in meiner ersten Langdistanz-Saison drei Ironmans absolvieren, um dann im vierten Rennen unbedingt auf Hawaii am Start zu stehen. Dementsprechend stolz bin ich, dass es auf den ersten Schlag geklappt hat. Es ist mir eine große Ehre, neben Afrika-Meister Ben Hoffman als zweiter Athlet direkt schon jetzt für die WM qualifiziert zu sein. Ich werde mich jetzt in Ruhe mit Faris zusammensetzen und Pläne schmieden. Ich bin offen und ein Stück weit gespannt. Ich habe Richtig Bock und freue mich auf alles, was diese Saison noch bevorsteht.

Was erwarten Sie von Ihrer ersten WM-Teilnahme im Oktober?

Faris hat gesagt: in dem Moment, in dem ich das Flugzeug verlasse bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Ziellinie überquere, ist die Vorgabe, ein Grinsen im Gesicht zu haben. Ich freue mich einfach, dabei zu sein, viel zu lernen. Ich werde das abrufen, was an dem Tag drinnen ist. Dann werden wir sehen, wie weit mich das nach vorne bringt. Ich mache mir da keinen Druck.