Pedersen spurtet zum Titel, Möller stark

Caroline Steffen war in den vergangenen beiden Jahren eine sichere Bank beim Ironman Germany. Ein Wettschein mit großer Sieges-Wahrscheinlichkeit. Dieses Jahr startet sie in Roth und das Frauenfeld in Frankfurt glich eher einer Schatztruhe mit Jetons - viele hatten Chancen, jede hätte gewinnen können. Getan hat es Camilla Pedersen.

von | 7. Juli 2013 | Aus: Szene

Camilla Pedersen auf dem Radkurs des Ironman Germany

In einer rasanten Aufholjagd holt sich Camilla Pedersen den Ironman Europameister-Titel auf der Langdistanz

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Die Britin Jodie Swallow, die Dänin Camilla Pedersen, die Deutschen Anja Beranek, Kristin Möller und Daniela Sämmler, die Tschechin Lucie Reed - oder doch jemand ganz anderes? Wie sich die Dinge beim Frauenrennen der diesjährigen Ironman European Championship entwickeln würden, war im Vorfeld schwer zu sagen. Zwar wurde die Vorjahreszweite Anja Beranek als Thronfolgerin der zweimaligen Europameisterin Caroline Steffen gehandelt. Den Status einer Dominatorin wie er der Schweizerin anhing, hatte sie jedoch nicht. Ihre bisherigen Saisonergebnisse ebenso wie die ihrer Gegenspielerinnen machten eine eindeutige Leistungsbestimmung schwer. So brach Swallow - stark auf der halben Distanz und 2013 Siegerin des Ironman 70.3 South Africa – im April noch auf der Langstrecke im Marathon ein. Beraneks Vorbereitungswettkämpfe endeten aufgrund widrigen Wetters als Duathlon (St. Pölten) oder mitten im Rennen (Erdrutsch in Rapperswil). Camilla Pedersen war und ist stark auf der Mittel- und ITU-Langdistanz (4 km Swim, 120 km Bike, 30 km Run), hatte sich über die volle Ironman-Strecke aber noch nicht sehr häufig gezeigt.

Titeljäger und Gejagte

Genau diese drei waren es dann, die die erste Hälfte des Rennens in und um die Mainmetropole bestimmten: Jodie Swallow (GBR) übernahm bereits beim Schwimmen im Langener Waldsee die Führung, hinter ihr Lucie Reed (CZE) mit 33 Sekunden Abstand, Camilla Pedersen (DEN) mit 45 Sekunden und an vierter Stelle – mit rund einer Minute Rückstand – Anja Beranek. Auf dem Rad gab es in der Spitze nur eine Konstante: Swallow, die ihre Führung souverän verteidigte. Hinter ihr wechselten sich die Pöstchen dagegen kontinuierlich. Gelangt es Beranek zu Beginn der Bikestrecke noch, sich auf den zweiten Platz und bis auf 250 Meter an Swallow heran zu kämpfen, vergrößerte sich der Abstand im Verlauf der zweiten Disziplin erst auf zwei, dann auf vier Minuten. Ungefähr bei Kilometer 130 musste sie schließlich Camilla Pedersen vorbeilassen, später auch die Schweizerin Regula Rohrbach und die Niederländerin Mirjam Weerd. Als die führende Swallow vom Rad stieg, lagen zwischen ihr und Pedersen fast sechs Minuten.

Von heißen und runden Läufen

Auf Beranek klaffte ein Loch von elf Minuten, das noch um eine weitere Minute wuchs, bevor die Fränkin entkräftet irgendwo im Marathonpulk unterging. Schon beim Verlassen der zweiten Wechselzone hatte man der Vorjahreszweiten angemerkt, dass sie leidet: Ihr Blick ging ins Leere, keine Reaktion auf die Anfeuerungsrufe des Publikums, unrunder Schritt. Ein Tribut an die Hitze, die über der Mainmetropole flackerte? Locker und von den Außentemperaturen unbeeindruckt schien dagegen die Dänin Pedersen zu sein, die im ersten Viertel des Laufes den Abstand zu Swallow noch nicht verringerte, dann aber begann, Zeit auf die Britin gutzumachen. Rund 13 Kilometer vor dem Ziel hatte sie den Abstand auf 1:11 Minuten verringert, war vorbei gezogen und auf Kurs Sub-9-Stunden gegangen. Dann das Finish in großartigen 8:56 Stunden! Wie schon beim Ironman South Africa, wo Swallow auf den letzten fünf Kilometern sechs Minuten auf die spätere Siegerin Jessie Donovan (USA) kassierte, brach die Britin erneut ein. Zwar gelang es ihr, den zweiten Rang durch den Zielbogen zu retten. Allerdings mit dem bitteren Beigeschmack, dass sich ihre sechs Minuten Vorsprung auf einem Bruchteil der Gesamtstrecke in drei Minuten Rückstand verwandelt hatten.

Möllers Aufholjagd

Mit gewohnter Marathonstärke meldete sich dagegen Kristin Möller in die Top 10 zurück. Bei Kilometer sechs der Laufstrecke fehlten ihr zur Führung noch satte 22 Minuten, zehn Minuten auf die Frauen-Spitze hatte sie allein auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke kassiert. Doch es gelang der Lanzarote-Siegerin sich nichtsdestotrotz zu Höchstleistungen zu motivieren und wieder einmal in ihrer Paradedisziplin zu brillieren: Marathon in 2:57:13 Stunden, Rückstand auf sechs Minuten verkürzt, Platz drei und "ein Traum, der in Erfüllung geht", wie sie später im Ziel sagte. Auch ihre Landsfrau Daniela Sämmler, erst seit einem Jahr aus der Babypause zurück und bisher wenig Langstreckenerfahrung, zeigte Laufstärke. Die ehemalige Schwimmerin fräste sich konstant und entschlossen ihren Weg über die vier Runden entlang des Mainufers und beendete das Rennen auf einem hervorragenden neunten Platz.

Ironman Germany | Frauen

  1. Juli 2013, Frankfurt am Main

Name Nation Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,195 km Run

Camilla Pedersen

DEN

8:56:01

0:48:08

4:54:20

3:09:29

Jodie Swallow

GBR

8:58:43

0:46:09

4:50:36

3:17:40

Kristin Möller

GER

9:01:55

0:57:06

5:03:10

2:57:13

Sofie Goos

BEL

9:07:43

0:51:28

4:59:53

3:11:58

Elizabeth Lyles

USA

9:09:44

0:53:18

5:10:05

3:01:57

Eva Nyström

SWE

9:11:47

0:57:51

4:58:56

3:10:44

Mareen Hufe

GER

9:12:24

0:55:06

4:55:24

3:17:03

Mirjam Weerd

NED

9:13:11

0:52:12

4:52:59

3:23:17

Daniela Sämmler

GER

9:14:51

0:51:29

5:02:37

3:16:33

Susann Blatt

GER

9:16:51

0:54:20

4:59:35

3:18:18

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