Pendelverkehr zwischen Spanien und Köln

Fabian Rahn bloggt auf tri-mag.de über seinen Schritt vom Amateur zum Triathlonprofi und die Chancen und Schwierigkeiten auf diesem Weg. Diesmal berichtet er von den ersten Trainingslagern mit neuen Inhalten.

Von > | 11. März 2015 | Aus: Szene

Fabian Rahn | Fabian Rahn

Fabian Rahn

Foto > Privat

Zuhause ist es schön, besonders in Köln natürlich, aber alles kann Köln dann doch nicht bieten zu dieser Jahreszeit. Deshalb sind seit meinem letzten Beitrag bereits fünf Wochen vergangen, die ich zum weiteren Formaufbau in Spanien genutzt habe. Zuerst war ich 2,5 Wochen in Torrevieja, dann hatte ich vier Tage Heimaturlaub und anschließend bin ich sofort wieder für fast zwei Wochen nach Mallorca geflogen. So oft und so früh war ich noch nie in meinem Leben in Trainingslagern unterwegs, aber bisher zahlt es sich definitiv aus. Mein erstes Trainingslager in Torrevieja war ein voller Erfolg, auch wenn ich jede Einheit alleine absolvierte, da ich ohne Trainingspartner unterwegs war. Das habe ich in der Form noch nie gemacht, da ich es mir mental immer sehr schwierig vorgestellt habe, stundenlang alleine zu trainieren. Und wenn ich ehrlich bin war es auch brutal hart, vor allem die letzten zwei Tage. Aber warum habe ich mir das „angetan“? Zunächst deshalb, da ich in der Wohnung eines Kumpels wohnen durfte und es direkt vor Ort ein geniales Sport- und Schwimmzentrum gibt, das perfekt für Triathleten ist. Und ein anderer wichtiger Grund war, dass ich keine Lust hatte, mich bereits im „Grundlagenmonat“ Februar mit anderen Athleten zu messen, nur um dann bereits im April in Topform zu sein. Für meine diesjährigen Ziele eindeutig zu früh. Und so wurde es zwar gegen Ende zäh wie Kaugummi, dafür habe ich aber eine solide Basis, vor allem auf dem Rad, schaffen können.

Alles andere als gut lief es zunächst im Schwimmen. Nach einer einwöchigen Schwimmpause, die so geplant war und aus zwei ganz lockeren Einheiten bestand, fühlte ich mich in der ersten Woche an alte Zeiten erinnert. Sofort war die Bleiente wieder allgegenwärtig und es fühlte sich einfach nur Sch … an. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, machte ich mich allerdings nicht sonderlich verrückt, sondern zog einfach weiterhin meine Bahnen. „Einfach immer weiter machen!“, sagte ich mir die ganze Zeit. Und siehe da, nach einer Woche mit vielen Rad- und Schwimmkilometern ging der Knoten wieder auf. Lief es auf dem Rad eigentlich permanent gut, fühlte ich mich bis dahin im Wasser entweder schlecht oder sauschlecht. Aber die letzte Woche ging es jeden Tag steil bergauf. Allerdings war ich mir bereits im Vorfeld im Klaren darüber, dass so eine Phase kommen musste, da ich noch nie so viele Schwimm- und Radkilometer in einer Woche absolviert hatte. Alles also halb so wild.

Zum ersten Mal habe ich mir in einem Trainingslager aber auch sehr, sehr viel Schlaf gegönnt und habe zudem viel Wert auf das Faszientraining gelegt. Ich habe täglich meine LNB-Übungen gemacht, die stets aus sieben Schritten bestehen, die Dehnungs- und Spannungsphasen beinhalten. Somit wird garantiert, dass die Faszien gezielt angesteuert werden. Ich weiß, dass vielen von euch diese LNB-Methode noch kein Begriff ist, aber meiner Meinung nach ist diese die Zukunft. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich auf diese Methode aufmerksam gemacht wurde und kann zusätzlich anmerken, dass ich noch nie so viel in einem Trainingslager trainiert habe und zugleich keine Verletzungen oder Verspannungen hatte. Wer Bedenken hat, dass diese Übungen nicht anstrengend oder gar nur Placebo sind, den kann ich beruhigen und sagen, dass die Übungen richtig anstrengend sein können. Auch deshalb, weil sie idealerweise direkt nach der jeweiligen Einheit gemacht werden. Nach dem Schwimmen absolviere ich Übungen für den Rücken- und Schulterbereich und nach Rad und Lauf folgen Übungen für Rumpf und Beine. Und als Ergänzung habe ich des Öfteren noch die Blackroll herangezogen. Danach war ich erstmal froh endlich wieder nach Hause zu dürfen, aber bereits nach drei Tagen wollte ich wieder ab in die Sonne, da das trübe, deutsche Schmuddelwetter nicht wirklich zum Trainieren einlud.

Zwar hatte Mallorca in den knapp zwei Wochen zwei Regentage zu bieten, aber dafür waren die restlichen Tage nahezu perfekt. Und so konnte ich auf Mallorca dann auch ohne Probleme wieder das Lauftraining und Schwimmen forcieren und zusätzlich einige Bahnen mit der Trainingsgruppe um Mario Mola zurücklegen. Da war einiges geboten im Wasser, kann ich nur sagen. Natürlich sind die Jungs noch immer viel, viel schneller als ich und natürlich werde ich auch niemals so schnell wie die Jungs schwimmen können, was auch nicht weiter tragisch ist, aber es war sehr motivierend da mitzuschwimmen, gerade jetzt, da es im Wasser bergauf geht. Ich hätte es vor drei Monaten nicht geglaubt, aber so langsam macht mir das Schwimmen tatsächlich etwas Spaß … und an manchen Tag kann ich das „etwas“ sogar schon streichen.

Sehr viel Spaß und Freude machte mir auch die Arbeit mit Athleten, die ich in diesem Trainingslager betreuen durfte. Auch wenn das Leistungsniveau teilweise sehr unterschiedlich war, präsentierte sich die Gruppe nicht nur beim Training und am Pool, sondern auch abends bei einem Gläschen Rotwein, als absolute Vorzeige-Athleten!!! Interessant war auch, dass ich durch die Betreuung mein eigenes Training umstellen oder anpassen musste. Dies war jedoch überhaupt kein Problem und bei einigen Tests konnte ich überragende Ergebnisse abliefern und das in allen Disziplinen. Wenn sich also zum harten Training noch der Ausgleich gesellt und dieser nicht zu kurz kommt, sind Top-Leistungen, auf welchem Leistungsniveau auch immer, möglich. In meinem Fall hoffe ich natürlich, dass diese gelungenen Trainingslager und Tests erst der Auftakt für eine vielversprechende und erfolgreiche Saison waren.

Für heute bleibt mir nur noch zusagen: Gönnt euch ab und an eine Pause, damit ihr mental immer frisch und hungrig auf den schönsten Sport der Welt bleibt.

Bis bald, Euer Fabian