Michael Raelert hat die vorerst letzte Auflage des Ironman 70.3 Rapperswil-Jona mit neuem Streckenrekord dominiert. (Archivbild)

Jan Sägert / spomedis

Michael Raelert beim Ironman 70.3 Mallorca 2012
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Ironman 70.3 Switzerland Raelert demontiert die Konkurrenz

Langstrecke | 3. Juni 2012
Tagesbestzeit in allen Disziplinen, dazu ein neuer Streckenrekord: Michael Raelert erwischte beim Ironman 70.3 Rapperswil-Jona erneut einen perfekten Tag und ließ der Konkurrenz auf dem Weg zum Titel nicht den Hauch einer Chance. Ebenso ungefährdet geriet der Sieg der Schweizerin Nicola Spirig, die sich dank starker Laufleistung letztlich souverän gegen Landsfrau Caroline Steffen durchsetzte.
Drei Wochen nach seinem überlegenen Durchmarsch beim Ironman 70.3 Mallorca hat Michael Raelert seinen Profikollegen ein weiteres Mal mehr als deutlich die Grenzen aufgezeigt. Vor allem auf dem Rad und in den Laufschuhen bewegte sich der Rostocker in einer eigenen Liga und holte sich nach 3:44:13 Stunden bereits seinen zweiten Titel am Zürichsee. Mit seiner Leistung kehrte der 31-Jährige nach einer verletzungsgeplagten Saison 2011 nicht nur endgültig in die Erfolgsspur zurück, sondern machte nur zwei Wochen vor seinem geplanten Langdistanzdebüt unmissverständlich klar: Wer den Ironman Regensburg gewinnen will, muss erst mal an ihm vorbei.

Von Anfang an klare Verhältnisse

Schon das Schwimmen beendete der Deutsche nach 22:32 Minuten zeitgleich mit dem Schweizer Manuel Küng an der Spitze eines Quintetts, dem auch die Nachwuchshoffnungen Andrea Nicolas Salvisberg und Marc-Yvan de Kaenel (beide Schweiz) sowie der Kölner Johann Ackermann angehörten. Während der australische Crosstriathlon-Spezialist Ben Allen als Sechster 20 Sekunden auf die Führenden verlor, erwischte Eidgenosse Ronnie Schildknecht einen noch schlechteren Start: Um mehr als zweieinhalb Minuten abgehängt, entstieg der 32-Jährige dem Wasser erst auf Platz 22. Vorn sorgte Raelert unterdessen für klare Verhältnisse und machte da weiter, wo er auf Mallorca aufgehört hatte: Er demontierte das Feld.
Betrug sein Vorsprung nach 20 Kilometern noch 90 Sekunden, so waren es nach der Hälfte der anspruchsvollen Radstrecke bereits knapp drei Minuten. Und auch danach ließ der 31-Jährige nicht locker – im Gegenteil: Obwohl sich hinter ihm eine mehr als zehnköpfige Verfolgergruppe formiert hatte, die gemeinsam die Nachführarbeit organisierte, brummte Raelert seinen Konkurrenten bis zur Wechselzone mit erneuter Tagesbestzeit (2:06:48 Stunden) noch mehr Rückstand auf. Erst mehr als vier Minuten nach ihm stellte mit Ackermann, Schildknecht, dem Südafrikaner Raynard Tissink, Hervé Faure aus Frankreich sowie den Belgiern Bart Aernouts und Bruno Clerbout ein Sextett nahezu zeitgleich ihre Zeitfahrmaschinen ab.

Raelert fliegt, Schildknecht steigt aus

Raelert hatte zu diesem Zeitpunkt längst den ersten der insgesamt 21 Laufkilometer absolviert. Und mit jedem weiteren Meter enteilte er seinen chancenlosen Mitstreitern mehr. Letztlich bewältigte der Ironman-70.3-Weltmeister von 2009 und 2010 auch den Halbmarathon in 1:12:03 Stunden als Tagesschnellster und freute sich im Ziel nicht nur über seinen zweiten Sieg in Rapperswil, sondern auch über einen neuen Streckenrekord (3:44:13 Stunden). Der wird aller Voraussicht nach für die Ewigkeit sein: Das Rennen im Kanton St. Gallen fand am Sonntag nach sechs Austragungen vorerst zum letzten Mal statt. Aernouts beendete den Wettkampf knapp sieben Minuten hinter Raelert und dank starker Laufleistung auf dem zweiten Platz. Erst auf dem letzten Kilometer hatte der zweifache Sieger des Ironman 70.3 Antwerpen seinen Landsmann Clerbout distanzieren können. Der wiederum sah das Ziel nach 3:51:37 Stunden als Dritter.
Boris Stein kam als zweitbester Deutscher auf Rang sechs ins Ziel, Ackermann wurde Siebter. Besonders enttäuschend endete der Tag für Schildknecht: Der Seriensieger des Ironman Zürich verlor nicht nur seinen Streckenrekord, sondern musste das Rennen aufgrund einer Wadenzerrung nach drei Laufkilometern vorzeitig aufgeben.
Ironman 70.3 Switzerland | Männer
3. Juni 2012, Rapperswil-Jona
NameNationGesamt1,9 k Swim90 k Bike21,1 k Run
1Michael RaelertGER3:44:1322:322:06:481:12:03
2Bart AernoutsBEL3:51:0425:372:08:101:14:14
3Bruno ClerboutBEL3:51:3723:572:09:361:14:48
4Hervé FaureFRA3:53:2124:572:08:261:16:37
5Raynard TissinkRSA3:54:5824:002:09:241:18:06
6Boris SteinGER3:55:0525:482:11:321:19:43
7Johann AckermannGER3:56:4122:402:11:001:19:43
8Cyril ViennotFRA3:59:0323:532:14:161:17:40
9Manuel KüngSUI3:59:3722:322:15:381:18:06
10Michael WetzelGER4:01:1825:462:14:331:17:44

Spirig souverän, Beranek lange stark

Nicht ganz so dominant wie Raelert, aber letztlich sehr souverän entschied die Schweizerin Nicola Spirig das Rennen der Frauen. Nach dem Schwimmen bereits an Position drei, fand sich die amtierende Kurzdistanz-Europameisterin auf dem Rad zunächst mit Landsfrau Caroline Steffen und der Fürtherin Anja Beranek zu einer Zweckgemeinschaft zusammen. Gemeinsam bestritt das deutsch-schweizerische Trio die beiden Radrunden im weiteren Verlauf von der Spitze weg und erarbeitete sich so bis zum zweiten Wechsel einen mehr als fünfminütigen Vorsprung auf Gina Crawford aus Neuseeland. Beim Laufen machte Spirig, die erst vor einer Woche das WM-Serienrennen in Madrid gewonnen hatte, dann jedoch ernst und schüttelte ihre ehemaligen Begleiterinnen binnen weniger Kilometer ab.
Mit der schnellsten Laufzeit des Tages (1:20:36 Stunden) sicherte sich die Schweizer Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele in 4:08:52 Stunden wie Raelert den zweiten Titel in Rapperswil, nachdem sie schon das Premierenrennen vor fünf Jahren gewonnen hatte. Caroline Steffen, mit der Aussicht auf einen Hattrick am Zürichsee angetreten, gewann fast dreieinhalb Minuten später immerhin den Vize-Titel, während Beranek ihrer starken Schwimm- und Radleistung beim Halbmarathon Tribut zollte und am Ende noch von Crawford gestellt wurde.
Frauen
Ironman 70.3 Switzerland, 3. Juni 2012, Rapperswil-Jona
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Nicola SpirigSUI4:08:5224:432:20:191:20:36
2Caroline SteffenSUI4:12:1724:592:20:081:24:00
3Gina CrawfordNZL4:19:5325:002:25:231:25:31
4Anja BeranekGER4:20:4424:532:20:021:32:08
5Regula RohrbachSUI4:25:0926:412:23:211:30:42
6Simone BrändliSUI4:28:3024:252:33:031:27:25
7Erika CsomorHUN4:32:3427:542:29:411:31:25
8Eva WuttiAUT4:36:2327:342:27:321:37:50
9Céline SchärerSUI4:38:1623:232:36:481:34:11
10Susan DietrichGER4:39:1727:372:34:001:33:44