Raelert ohne Gegenwehr, Riveros Diaz vor Konschak

Michael Raelert hat die 70.3-Premiere in seiner Wahlheimat Berlin souverän vor Michael Göhner und Per Bittner gewonnen. Bei den Frauen ließ Barbara Riveros Diaz aus Chile eine starke Katja Konschak und die Kanadierin Rachel McBride hinter sich.

Von > | 16. Juni 2013 | Aus: SZENE

Michael Raelert | Michael Raelert dominiert die Ironman-70.3-Premiere in Berlin.

Michael Raelert dominiert die Ironman-70.3-Premiere in Berlin.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Ein Heimsieg ist immer etwas Besonderes. Aber das Michael Raelert sich in seiner neuen Heimatstadt Berlin beim ersten dort ausgetragenen Ironman 70.3 durchsetzen konnte, freute den jüngeren der Raelert-Brüder nicht nur deshalb. Nach einem zweimal verletzungsbedingt verschobenen Saisoneinstieg konnte sich der zweifache Ironman-70.3-Weltmeister endlich über eine gelungene Standortbestimmung freuen. Schon im Wasser zeigte sich Raelert souverän, startete im überschaubaren Profifeld zwar auf der anderen Seite, klemmte sich aber dann an schnellen Füße des Kurzdistanzlers Christian Prochnow. Auf dem Rad übernahm Raelert schnell die Führung und zeigte sich seinen Konkurrenten nur noch an den 24 Wendepunkten der vieldiskutierten Radstrecke, auf der entgegen vieler Erwartungen ein faires Rennen nicht nur bei den Profis möglich war.

Gegen Wind und Wendepunkte

Mit der schnellsten Radzeit des Tages setzte Raelert eine Marke, der Michael Göhner und Per Bittner nicht folgen konnten. Sein härtester Gegner, so schien es zu jeder Zeit des Rennens, war die Strecke auf dem alten Gelände des Tempelhofer Flughafens, die allerdings nicht ganz 90 Kilometer lang war. Sie kostete den 32-Jährigen mehr Kraft als erwartet: "Ich hatte gedacht, der Kurs ist flach, in Berlin geht selten starker Wind - das könnte ein kurzer Arbeitstag werden. Aber die Wendepunkte und die vielen Antritte danach haben wirklich Körner gekostet." Körner, die ihm beim Laufen gefehlt hätten. Sprintete Raelert noch in gewohnter Manier in die erste von drei zu laufenden Wendepunktschleifen, sah man ihm in der zweiten Runde an, dass er "noch nicht die optimale Laufform" hatte. Zwar pendelte sein beruhigender Vorsprung vor dem starken Duo Bittner und Göhner zwischen 4:30 und 5 Minuten, im Ziel war Raelert aber "froh, dass es bis zum Ironman Frankfurt noch drei Wochen sind. Dort will er sich mit einem Platz ganz vorn genügend Punkte für das Saisonfinale auf Hawaii sichern.

Starkes Duo

Hinter Raelert fanden sich beim Laufen die beiden Deutschen Per Bittner und Michael Göhner zusammen. Göhner hatte mit der zweitbesten Radzeit seinen Schwimm-Rückstand zum Ende der zweiten Disziplin aufgeholt und wich Bittner beim Halbmarathon nicht von der Seite. Als Bittner eingangs der zweiten Laufrunde attackierte und schnell eine Lücke riss, sah es so aus, als wäre die Entscheidung um die Treppchenplätze bereits gefallen: "Ich habe das Tempo auf 3:25 Minuten pro Kilometer erhöht und wollte Michael unbedingt abhängen." Der allerdings fasste sich sein wohlbekanntes Kämpferherz, kam auf der letzten Laufrunde wieder heran und ging seinerseits vorbei. Seine Erklärung für die kurzzeitige Krise: "Ich wollte am Wendepunkt eigentlich Cola trinken - aber dort gab es keine. So musste ich warten, bis ich zu Rundenbeginn meine Energiereserven wieder auffüllen konnte. Danach ging es mir sofort besser." Bittner blieb der dritte Platz, mit dem er durchaus zufrieden war: "Natürlich wäre ich gern einen Platz weiter vorn gelandet, aber mit Blick auf den Ironman Frankfurt ist das ein gutes Resultat." In Frankfurt trifft sich das Trio dann wieder und wird ergänzt durch ein starkes Feld um den Hawaii-Champion Pete Jacobs, Marino Vanhoenacker und Sebastian Kienle.

Prochnow will noch üben

Einer, der dort sicher nicht an der Startlinie stehen wird, ist Christian Prochnow. Der ITU-Spezialist feierte in Berlin seine Ironman-70.3-Premiere und kam dabei auf einen starken vierten Platz. Dass der Potsdamer beim Schwimmen für das Tempo sorgte, dürfte dabei niemanden gewundert haben. Auf dem Rad konnte Prochnow aber noch nicht bei den Schnellsten mithalten und startete mit großem Rückstand auf die Laufstrecke. Mit einem Lächeln auf den Lippen und den Worten: "Mann, so eine Mitteldistanz zieht sich ganz schön." Am Donnerstag vor dem Rennen war er "zum ersten Mal 90 Kilometer in Aeroposition geradelt", um zu wissen, wie sich das anfühlt. Und wie fühlte es sich an? "Für das nächste Jahr werde ich mehr üben, damit Raelert sich da vorn nicht so langweilt."

Ironman 70.3 Berlin | Männer

  1. Juni 2013, Berlin

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Michael Raelert

GER

3:46:56

23:59

2:04:13

1:16:51

2

Michael Göhner

GER

3:51:30

27:07

2:05:31

1:16:26

3

Per Bittner

GER

3:52:14

25:37

2:07:14

1:17:11

4

Christian Prochnow

GER

3:55:47

23:56

2:14:43

1:14:26

5

Dorian Wagner

GER

3:55:55

25:41

2:12:04

1:15:27

6

Christian Ritter

GER

3:57:46

24:03

2:11:33

1:19:36

7

Anton Blokhin

UKR

4:00:58

25:38

2:12:15

1:20:23

8

James Third

GBR

4:01:27

25:45

2:12:24

1:20:44

9

George Bjälkemo

SWE

4:02:34

29:25

2:11:43

1:18:48

10

Antony Costes

FRA

4:03:51

24:01

2:09:44

1:27:57

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Einsame Doppelspitze

Das Rennen der Frauen entwickelte sich genau so, wie man es erwarten durfte: Katja Konschak und Barbara Riveros Diaz gaben beim Schwimmen das Tempo vor, bevor die Kanadierin Rachel McBride auf dem Rad aufschloss. Während Konschak Minute um Minute zurückfiel, blieben McBride und Riveros Diaz auf der flachen, aber windanfälligen Radstrecke stets in Sichtweite. Den Halbmarathon startete die Kanadierin zwar mit einem kleinen Vorsprung auf die Sprint-Weltmeisterin von 2011. Den hatte die Chilenin aber schnell wettgemacht, Schulter an Schulter drehten die beiden eine Laufrunde, bis sich Riveros Diaz zu Beginn der zweiten mit einem Zwischensprint absetzen konnte und einem sicheren Sieg entgegen lief. McBride gab alles, um ihren zweiten Rang zu verteidigen, so viel, dass sie die letzten 50 Meter ins Ziel beinahe nicht geschafft hätte. Trotzdem musste sie sich geschlagen geben. Denn einem Wahnsinnslauf hatte sich Katja Konschak wieder herangepirscht. Erst zwei Kilometer vor dem Ziel war sie dran an der sichtlich leidenden McBride - und nahm ihr bis ins Ziel noch fast drei Minuten ab. "Ich komme immer gern wieder. Letztes Jahr beim 5150 war ich Zweite, heute wieder." Und nächstes Jahr?

Ironman 70.3 Berlin | Frauen

  1. Juni 2013, Berlin

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Barbara Riveros Diaz

CHI

4:16:10

26:48

2:21:34

1:25:07

2

Katja Konschak

GER

4:21:05

26:46

2:31:20

1:19:59

3

Rachel McBride

CAN

4:23:48

27:28

2:20:55

1:33:05

4

Kathrin Mannweiler

GER

4:39:23

33:01

2:30:53

1:32:42

5

Carla Rooijen

NED

4:43:03

40:27

2:24:22

1:35:08

6

Steffi Steinberg

GER

4:44:05

34:59

2:30:01

1:36:10

7

Désirée Germann

SUI

4:46:09

34:48

2:31:39

1:35:32

8

Annett Finger

GER

4:46:45

33:07

2:30:51

1:39:44

9

Maria Lemeseva

RUS

4:48:41

34:52

2:34:06

1:36:34

10

Simona Vykoukalova

CZE

4:49:03

34:43

2:36:53

1:34:35

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