Ironman Germany Raelert pulverisiert Europa

Langstrecke | 4. Juli 2010
Mit einer schier unfassbaren Leistung auf dem Rad hat Andreas Raelert die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt gewonnen und seinen bisher größten Erfolg gefeiert. Weder ein starker Timo Bracht, noch der Australier Chris McCormack konnten Raelerts Sieg gefährden.
Es passiert nicht oft, dass ein Athlet ein ganzes Rennen über die Ironman-Distanz im Griff zu haben scheint. Andreas Raelert aus Rostock allerdings erwischte bei den Ironman European Championship in Frankfurt "einen Tag, wie ihn sich jeder Sportler erträumt" und blieb ungeachtet der hochklassigen Konkurrenz jederzeit Herr der Lage.
Trotz des Neoprenverbots, das die Profis bei Wassertemperaturen von rund 26 Grad Celsius durchweg positiv bewerteten, blieben große Überraschungen in der Auftaktdisziplin aus. Mit rund 20 Sekunden Vorsprung auf eine Gruppe um Chris McCormack, Jan Raphael und Timo Bracht beendete Andreas Raelert das Schwimmen als schnellster der Favoriten, nachdem er bis zum ersten Landgang nach 2,2 Kilometern noch gemeinsam mit seinen Konkurrenten in einer Gruppe schwamm. Nur der Franzose Martin Franck und der Deutsche Christian Ritter schwammen schneller als Raelert - sollten den Rostocker bald aber dennoch nur noch von hinten sehen. Und auch das nicht lange.

Raelert in eigenen Dimensionen

Denn vom ersten Wechsel an geriet das Rennen zur One-Man-Show. Raelert brachte sofort viel Druck auf die Pedale und machte mächtig Dampf. Die Konkurrenz verlor den Anschluss - und hatte mit reichlich Pech zu kämpfen. Chris McCormack, der Sieger des Jahres 2008, hatte beim ersten Wechsel Probleme mit seinem Helm, verlor viel Zeit und musste, nachdem er endlich losfahren konnte und seine Brille frustriert weggeworfen hatte, erst eine Lücke zur Gruppe um Bracht schließen. Doch auch der wurde vom Pech verfolgt: Ein platter Hinterreifen zwang den Titelverteidiger früh im Rennen zu einem Laufradwechsel von seinem Scheiben- zu einem Speichenrad. Nach 150 Kilometern, als Raelert bereits mehr als elf Minuten Vorsprung auf die Verfolger um Bracht und McCormack hatte, nahm der Titelverteidiger aber das Herz in die Hand: Mit einer Tempoverschärfung schüttelte er seine Begleiter ab und machte sich allein auf die Verfolgung. Bis zum zweiten Wechsel erarbeitete sich Bracht rund zwei Minuten Vorsprung auf den Australier McCormack. Der Rückstand auf Raelert dagegen blieb konstant - was sogar der Führende selbst kaum fassen konnte. Mit 4:20:35 Stunden fuhr Raelert Streckenrekord - vier Minuten schneller als Bracht im vergangenen Jahr und zwei Minuten schneller als Normann Stadler 2006, obwohl die Strecke wegen einer Umleitung in Bad Vilbel gut vier Kilometer länger war.  "Ach Quatsch", kommentierte ein etwas ungläubiger Raelert im Wechselzelt die Information über seinen Vorsprung und richtete seinen Blick sofort auf den anstehenden Marathon: "Ich hoffe, dass ich nicht überzogen habe."

Bracht riskiert viel - und ist glücklich

Bracht blieb derweil nicht mehr übrig, als darauf zu hoffen, dass dem 33-jährigen Rostocker genau das passiert war. Mit einem Höllentempo startete der Titelverteidiger auf die Laufstrecke und machte bereits auf den ersten beiden Kilometern 17 Sekunden auf den Führenden gut. Bei diesem Abstand allerdings sollte es lange bleiben. Denn auch Raelert fand schnell zu seinem Tempo und hielt den Vorsprung auf Bracht konstant bei 10:40 Minuten, konnte auf der zweiten Runde sogar den Premierensieger des Frankfurter Rennens, Lothar Leder, überrunden, der den jüngeren Raelert abschnittsweise als Wasserträger unterstützte. McCormack dagegen konnte zunächst Boden auf den Zweitplatzierten Bracht gutmachen: Nur noch 50 Sekunden Rückstand hatte der Australier nach 14 Kilometern auf den Deutschen, der im Vorfeld im Interview mit triathlonTV angekündigt hatte, dass der zweite Halbmarathon der seine werden solle - er behielt Recht. Denn "Macca" musste nach gut 20 Kilometern seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und immer wieder Gehpausen einlegen. Timo Bracht dagegen legte in seiner typischen Manier weiter an Tempo zu, ließ Raelerts Vorsprung bald auf unter zehn Minuten schmelzen. Ernsthaft gefährden aber konnte er den Hawaii-Dritten von 2009 nicht mehr. Der nämlich hatte sich das Rennen fast optimal eingeteilt und lief nach 8:05:15 Stunden über die Ziellinie - nachdem er bis zur letzten Runde auf Kurs Streckenrekord lag, bei Temperaturen knapp über 30 Grad Celsius auf den letzten zehn Kilometern aber doch deutlich Tempo rausnehmen musste. Den zweiten Patz sicherte sich ein überglücklicher Timo Bracht mit einer herausragenden Laufleistung. Auch Chris McCormack konnte sich wieder stabilisieren und erreichte vor Cameron Brown aus Neuseeland den dritten Rang. Ebenfalls von seiner besten Seite zeigte sich Jan Raphael, der nach einigen Rückschlägen in den letzten beiden Jahren einen starken fünften Platz erreichte.
Ironman European Championship
4. Juli 2010, Frankfurt am Main
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Andreas RaelertGER47:344:20:352:53:278:05:15
2Timo BrachtGER48:024:31:142:47:378:10:22
3Chris McCormackAUS47:544:33:332:49:578:14:43
4Cameron BrownNZL48:044:33:502:53:048:18:33
5Jan RaphaelGER47:574:33:502:54:268:19:27
6Uwe WidmannGER47:464:34:033:05:378:31:28
7Christian RitterGER47:314:36:513:05:098:33:06
8Frank VytrisalGER48:064:33:333:09:478:35:39
9Patrick VernayFRA48:394:48:442:56:178:37:36
10Mika LuotoFIN53:034:50:412:51:238:38:21