Raelert trifft auf den Frodeno-Bezwinger

Dem Italiener Giulio Molinari glückte vor einem Jahr ein besonderes Kunststück: Als einzigem Triathleten im Jahr 2015 gelang es ihm beim Cannes International Triathlon, Jan Frodeno hinter sich zu lassen. In diesem Jahr muss sich der Italiener den Angriffen Andreas Raelerts und Patrick Langes erwehren.

Von > | 14. April 2016 | Aus: Szene

Ironman 70_3 Wiesbaden 2015 - 23 | Ironman 70_3 Wiesbaden 2015 - 23

Da kann sich Raelert noch so klein machen - Stein fährt ihm gnadenlos davon

Foto > Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Die Triathlonwelt staunte nicht schlecht, als vor einem Jahr der Italiener Giulio Molinari Sebastian Kienle und Überflieger Jan Frodeno beim Cannes International Triathlon besiegte. Es sollte das einzige Rennen im Kalenderjahr 2016 bleiben, in dem ein Sportler Frodeno die Rücklichter zeigen konnte. Danach folgte der sportliche Triumphzug des gebürtigen Kölners in Frankfurt, Hawaii und bei den Ironman-70.3-Weltmeisterschaften, mit dem er sich letztlich zum "Sportler des Jahres" in Deutschland krönte.

Langes letzter Formtest

Nach diesem Achtungserfolg wollen sich nun zwei andere Deutsche des Italieners Molinari annehmen: Patrick Lange und Andreas Raelert haben sich für den Cannes International Triathlon angekündigt. Für den Darmstädter Lange ist es die letzte und deshalb besonders wichtige Standortbestimmung vor seinem Ironman-Debüt, das er am 14. Mai in Texas feiern wird. Er reist direkt von den Kanaren an die Côte d’Azur und hat ein Trainingslager zusammen mit seinem Coach Faris Al-Sultan in den Beinen. Für den frisch gebackenen Vater Raelert wird das Rennen am Sonntag der Start in die neue Saison. Folgen soll für ihn am 8. Mai der Klassiker in Buschhütten, bevor seine Vorbereitungen auf die Ironman-Europameisterschaften in die heiße Phase starten. „Es geht los“, sagt Andreas Raelert, „und ich freue mich sehr darauf, wieder an der Startlinie zu stehen.“

Für die Saisoneröffnung hat der Rostocker sich allerdings ein Rennen ausgesucht, das es gehörig in sich hat. Denn mit zwei Kilometern Schwimmen, 80 Radkilometern und einem abschließenden 16-Kilometer-Lauf erwarten die Athleten auf der Langdistanz in Cannes nicht nur ungewöhnliche Distanzen, sondern außerdem auch viele Höhenmeter. Rund 1.100 davon verteilen sich auf die 80 Radkilometer und sorgten im vergangenen Jahr dafür, dass sich Molinari bis zum zweiten Wechsel um geradezu unglaubliche viereinhalb Minuten von Kienle und gar um fast sechs Minuten von Frodeno absetzen konnte. „Es ist eine richtig schwere Strecke. Landschaftlich ist der Kurs ein Highlight, aber er hat mit einem sehr langen Anstieg und anspruchsvollen Abfahrten auch seine Tücken“, sagt Raelert respektvoll.

Gefährliche Underdogs

Und Respekt ist geboten - nicht nur vor Giulio Molinari und dem schwierigen Kurs. Die ambitionierten Veranstalter haben auch noch mehrere gefährliche Athleten für das Rennen an der Côte d’Azur gewinnen können. So könnte beispielweise der Belgier Bart Aernouts dem deutschen Duo und dem Italiener Molinari im Kampf um den Sieg ein Schnippchen schlagen. Auch der Franzose Frederic Belaubre, Leo Bergere (FRA), Miquel Blanchart (ESP) und der Italiener Daniel Fontana sind zum Favoritenkreis zu zählen. Und außerdem einer, den möglicherweise noch gar nicht alle der Profi-Triathleten auf der Rechnung haben: Denn der Franzose Etienne Diemunsch war im letzten Jahr kaum in Erscheinung getreten. Als ehemaliger U23-Duathlon-Weltmeister (2011), Vizeweltmeister der Duathlon-Elite (2014) und ITU-Weltcupsieger (2014) hat der 28-Jährige in der Vergangenheit allerdings bereits nachgewiesen, dass er auch in einem starken Feld wie in Cannes konkurrenzfähig sein kann, wenn er fit ist.

Etwas dünner, aber in der Spitze nicht minder hochkarätig besetzt ist das Feld der Profi-Frauen in Cannes. Vorjahressiegerin Leanda Cave will dort versuchen, ihren Sieg aus dem vergangenen Jahr zu wiederholen - und trifft dabei fast auf die gleichen Konkurrentinnen wie bereits vor Jahresfrist. Sowohl die Zweitplatzierte Alexandra Tondeur (BEL), als auch die Dritte Vanessa Raw (GBR) und die Vorjahres-Vierte Charlotte Morel (FRA) haben sich wieder für den Wettkampf angekündigt. Besonders gefährlich könnte Cave allerdings die Dänin Michelle Vesterby werden, die nach Problemen auf dem Rad im vergangenen Jahr nur Fünfte wurde. Auch das US-amerikanische Teilzeit-Model Jenny Fletcher könnte in Cannes um eine Podestplatzierung kämpfen.