Für sein großes Ziel Hawaii macht Michael Raelert einen Abstecher nach Texas.

Sina Horsthemke / spomedis

Michael Raelert
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Ironman 70.3 Texas Raelert und Co. auf der Jagd nach dem Cowboy

Langstrecke | 29. März 2012
In Zeiten, wo Ironman-Bestmarken beinahe wöchentlich wackeln und einst magische Marken wie die acht Stunden bei den Männern und neun bei den Frauen fast schon nichts Besonderes mehr sind, muss man mit Superlativen vorsichtig sein. Doch wenn am kommenden Sonntag auf Galveston Island in Texas der Startschuss zum Ironman 70.3 Lonestar fällt, kann man ohne Übertreibung von einem der hochklassigsten Starterfelder der Ironman-70.3-Geschichte sprechen.
Selbst die kurzfristige Absage von Vorjahressieger Chris Lieto ändert daran kaum etwas. Nach langen Diskussionen mit seinem Trainer verzichtet der US-Amerikaner schweren Herzens auf das Gipfeltreffen am Golf von Mexiko. "Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, meinen Titel gegen dieses Weltklassefeld verteidigen zu dürfen, aber wir wollen nichts riskieren", so Lieto, der offenbar immer noch mit einer Wadenverletzung aus dem vergangenen Jahr kämpft. Vor sieben Wochen war der Hawaii-Zweite von 2009 beim Ironman 70.3 Panama noch als Erster vom Rad gestiegen, beim Laufen aber bis auf den siebten Platz zurückgefallen.

Raelert "wahnsinnig nervös"

Auf dem Papier rückt damit Lietos Landsmann Timothy O'Donnell, 2011 in Galveston Dritter, in die Rolle des Favoriten. Er reist mit der Empfehlung eines überzeugenden Sieges beim Ironman 70.3 in Puerto Rico vor zwei Wochen in den zweitgrößten Bundesstaat der USA, doch so leicht wie auf der Karibikinsel dürfte es für den Lebensgefährten von Mirinda Carfrae am Sonntag nicht werden. Denn dieses Mal macht auch Michael Raelert ernst. Der Rostocker hatte seinen Start in Puerto Rico kurzfristig abgesagt - nun steigt auch er in den Ring. Er sei gut in Form, aber auch wahnsinnig nervös, erklärte der 31-Jährige kurz vor seinem Abflug Richtung Texas. Angst vor seinen Gegnern hat der zweifache Ironman-70.3-Weltmeister aber nicht. "Je mehr gute Leute am Start sind, desto besser", so Raelert in einem Interview mit der Halterner Zeitung. Damit spielt er vor allem auf einen seiner Rivalen vom Sonntag an: Lance Armstrong.

Schildknecht fordert Armstrong heraus

Für den 40-jährigen Texaner ist das Rennen auf Galveston Island ein Heimspiel, auch wenn sein Heimatort Plano etwa fünf Autostunden entfernt liegt. Der siebenfache Toursieger hat sich auf Hawaii für seinen zweiten Saisonstart warmgelaufen - denn genau dort will er sich am 13. Oktober bei den Ironman World Championship mit den besten Ironmanprofis der Welt messen. Dass Armstrong es ernst meint, dürfte nach dem überzeugenden zweiten Platz in Panama mittlerweile auch beim letzten seiner Konkurrenten angekommen sein. "Ich bin sicher, dass er fit ist für die Top 3", sagt Ronnie Schildknecht, der nach dem achten Rang im Vorjahr das Gipfeltreffen am Golf von Mexiko ebenfalls nicht verpassen möchte. Doch der 32-jährige Schweizer hat vor allem eigene Ambitionen. Und nach seinem eindrucksvollen Sub-Acht-Stunden-Sieg in Florida im November 2011 - Stichwort Superlative - gehört auch der starke Radfahrer zu den heißen Podiumsanwärtern. "Ich werde auf dem Rad nicht alles riskieren", kündigt er gegenüber tri-mag.de an. Er wisse zwar, dass er einen Vorsprung auf Raelert herausfahren muss, sei aber auch von seiner guten Laufform überzeugt. Es soll windig werden am Sonntag - das könnte Schildknecht an der Golfküste in die Karten spielen. "Dann wird es ein hartes Rennen, das auch den starken Läufern viel Energie rauben wird", glaubt der fünffache Sieger des Ironman Switzerland.

Vanhoenacker vor Hattrick, Kienle vor Revanche

Zu denen gehört zweifellos auch Marino Vanhoenacker, der sich den Vergleich mit Armstrong ebenfalls nicht entgehen lässt und kurzfristig gemeldet hat. Nach seinen Siegen beim Ironman 70.3 Südafrika im Januar und dem zur Mitteldistanz verkürzten Ironman Neuseeland Anfang März hat der Belgier in Texas die Chance auf den Hattrick - es wäre zugleich sein dritter 70.3-Sieg auf dem dritten Kontinent. Im Gegensatz zum Belgier weiß Sebastian Kienle schon, wie man einen Ironman 70.3 in den USA gewinnt. Der 27-Jährige stand 2011 sowohl in New Orleans als auch in Miami ganz oben auf dem Podium. Wie Schildknecht wird auch er auf dem windanfälligen Kurs sein Heil in der Flucht auf dem Rad suchen. Vorausgesetzt, er verliert im Wasser nicht wieder zu viel Zeit auf die schnellsten Schwimmer und entscheidet sich dieses Mal für den richtigen Reifendruck. 2011 hatte sein zu hart aufgepumpter Pneu am Rahmen geschliffen und ihn gleich zu zwei unfreiwilligen Stopps gezwungen. Die Laufform des Badeners scheint jedenfalls zu stimmen. Bei Calwer Stadtlauf über zehn Kilometer blieb die Stoppuhr am vergangenen Wochenende schon nach 31:23 Minuten stehen.