Furioses Debüt auf den Kanaren: Der Spanier Ivan Raña gewinnt die Premiere des Ironman 70.3 Lanzarote

Folkert Behrends

Ivan Rana
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Ironman 70.3 Lanzarote Raña gewinnt kanarische Feuertaufe, Tajsich und Stein auf dritten Plätzen

Langstrecke | 10. November 2012
Die Kurzdistanzspezialisten Danne Boterenbrood (NED) und der Spanier Ivan Raña haben die windige Premiere des Ironman 70.3 Lanzarote gewonnen. Der Ex-Weltmeister jagte dem Schweizer Ronnie Schildknecht bei seinem 70.3-Debüt mit einem furiosen Halbmarathon den Titel ab. Die Niederländerin feierte bei schwierigen Bedingungen einen blitzsauberen Start-Ziel-Sieg - auch für sie war es der erste Start über die Mitteldistanz.
Wirklich verausgabt habe er sich nicht, erklärte Ivan Raña schon wenige Minuten nach seinem überlegenen Sieg. In den Ohren von Ronnie Schildknecht, Boris Stein, Konstantin Bachor und den anderen dürfte das wie Hohn geklungen haben. Doch der Spanier lieferte bei seiner 70.3-Premiere ein taktisch kluges und sehr überlegtes Rennen. Zwei clever platzierte Attacken reichten ihm, um zu siegen und - was angesichts des brutalen Streckenprofils beinahe unglaublich klingt - auch noch Kräfte für seine Premiere über die volle Ironmandistanz in zwei Wochen zu sparen. Eine ebenso einfache, wie erfolgreiche Taktik wählte Danne Boterenbrood. Die Niederländerin - wie Raña 70.3-Rookie - machte das Rennen von der Spitze.
Den Wettergott hatten die Veranstalter um Ironman-Urgestein Kenneth Gasque offenbar nicht über ihre mit Spannung erwartete Premiere informiert. Denn kaum eine Viertelstunde vor dem Start schickte der noch einen heftigen Platzregen über den Club La Santa und die etwa 800 gemeldeten Premierengäste in Deckung. Bei 18 Grad und leichtem Wind konnte es dann aber doch wie geplant losgehen. In der geschützten Lagune des beliebten Trainingsdomizils ergriff vom Start weg Rasmus Petraeus die Intiative. Der Däne ist, wie viele andere im Feld, ein Kenner Lanzarotes - im Frühjahr 2012 gewann er hier den Volcano Triathlon. Selbst der ehemalige Kurzdistanz-Welt- und Europameister Ivan Raña konnte Petraeus' Tempo nicht mitgehen. Zehn Sekunden vor einer Gruppe mit den Briten Daniel Halksworth und Stephen Bayliss und dem Spanier ging der auf die zweite Schwimmschleife. Und auch beim Schwimmausstieg nach knapp 22 Minuten war Petraeus noch vorn. Dahinter: Raña, seine Landsmänner Peru Alfaro und Pedro Reig Jover, der Schweizer Manuel Küng, Halksworth und Bayliss. Eine glänzende Ausgangsposition vor allem für den erfahrenen Galizier. Denn mit dem Wolfsburger Konstantin Bachor, dem Schweizer Ronnie Schildknecht und Bert Jammaer aus Belgien hatte er drei der stärksten Radfahrer im Feld schon etwas distanziert.

Schildknecht-Express nicht zu stoppen

Mit mehr als 1.500 Höhenmetern gehört der Radkurs des Ironman 70.3 Lanzarote zweifellos zu den schwersten der Serie. "Wer nicht in Topform ist, sollte hier nicht an den Start gehen", brachte es Bachor nach dem Rennen auf den Punkt. Böiger und teils heftiger Wind machte den Athleten gleich bei der Premiere das Leben sogar noch etwas schwerer. Am besten kam damit zunächst Schildknecht zurecht. "Volle Attacke", wolle er gehen und "so viel Vorsprung wie möglich herausfahren" hatte der Schweizer angekündigt. Mit der Wut seines enttäuschenden 19. Platzes beim Ironman Hawaii im Bauch rollte der Eidgenosse das Feld auf den ersten 30 Kilometern dann auch von hinten auf. Nach eigenen Angaben brachte er in der ersten Stunde durchschnittlich 360 Watt auf die Pedale. "Ronnie ist wie eine Maschine an mir vorbeigeheizt, bestätigte Raña später die Zahlen. An Schildknechts Hinterrad: der Franzose Toumy Degham, zuletzt Vierter beim Ironman 70.3 Germany in Wiesbaden. Eine 20 Sekunden-Führung stoppten die Spotter in Tahiche, wenige Kilometer vor Tabayesco, dem zehn Kilometer langen Scharfrichter des Rennens, der sich den Athleten bei Halbzeit der Radstrecke entgegenstellte. In der Verfolgergruppe war mittlerweile auch der Ironman-Lanzarote-Champion von 2008 und 2009, Bert Jammaer, angekommen, Bachor mühte sich zwei Minuten hinter dem Führungsduo noch um den Anschluss. Kurz vor der knackigen Klettereinlage in Tabayesco wurde der Kraftakt des 27-Jährigen dann belohnt. Dennoch: Schildknecht und Degham wehrten sich auch dort noch erfolgreich gegen den Druck von hinten und verteidigten ihren Vorsprung von mehr als zwei Minuten auf die Verfolger, deren erstes Tempo-Opfer der Brite Halksworth wurde.
In starker Form präsentierte sich beim Radfahren auch Boris Stein. Der Dritte der Ironman-70.3-EM 2012 lauerte nach gut zwei Rennstunden knapp hinter der Gruppe um Rana. Doch dann begann das Rennen erst richtig. Nicht der übliche, fast komfortable Schiebewind, sondern extrem starker Gegenwind empfing Schildknecht und seine Profikollegen beim Einstieg in die Kletterpartie zum Mirador de Haria. Der Schweizer ("diese Steigungen sind perfekt für mich.") ließ sich von den kanarischen Wetterkapriolen nicht beirren und stiefelte an der Seite seines französischen Begleiters den Berg hinauf. Dahinter wurde das Feld ordentlich durcheinandergewirbelt. Vor allem Raña setzte alles daran, das Duo noch vor dem zweiten Wechsel zu stellen. Der Spanier sprengte seine Gruppe mit einer forschen Attacke und kam bis auf 80 Sekunden an die Führenden heran. Auch Bachor und Stein spielten ihre Qualitäten am Berg aus und kämpften sich auf die Plätze vier und fünf nach vorn. Das deutsche Duo meisterte auch die technische Abfahrt mit zwei kniffligen Serpentinen sicher und kam schließlich mit einem Rückstand von dreieinhalb Minuten auf Schildknecht und Degham zum zweiten Wechsel. Dazwischen wahrte Raña seine Chance auf den Sieg.

Spanischer Flieger schockt Schildknecht

Und wie bissig der Spanier im ersten 70.3-Rennen seiner langen Triathlonkarriere war, bekam Degham schon nach zwei Laufkilometern zu spüren. Denn da stürmte der Olympia-Fünfte von 2000 und 2008 am bedauernswerten und später weit abgeschlagenen Franzosen vorbei auf Platz zwei. Dahinter versuchte Bachor seinen vierten Platz gegen den deutschen Teamkollegen Boris Stein und Bert Jammaer zu verteidigen, konnte das Tempo des Duos aber letztlich nicht mitgehen und fiel auf Platz sechs zurück. Die Vorentscheidung um den ersten 70.3-Titel auf Lanzarote fiel schon in der ersten von drei je sieben Kilometer langen Laufrunden. Denn da zog der wie entfesselt laufende Ivan Raña im Stil eines 10-Kilometer-Läufers an Schildknecht vorbei. Spätestens beim zweiten Durchlauf im Stadion des Clubs La Santa war den spanischen Zuschauern klar, dass sie wenig später den überlegenen Sieg eines Landsmanns würden bejubeln können. Fast vier Minuten legte der 33-Jährige binnen weniger Kilometer zwischen sich und seinen Schweizer Konkurrenten. Danach habe der den Vorsprung nur noch verwaltet, erklärte Raña im Ziel. Schildknecht musste plötzlich sogar noch um seinen Platz auf dem Podium bangen. Denn der bärenstarke Jungprofi Boris Stein, der amtierende Champion des Ironman Lanzarote, Victor del Corral Morales, und der Italiener Alessandro Degasperi kamen ihm in der letzten Runde mit jedem Kilometer näher. Doch der Schweizer wehrte den Angriff des Trios ab und rettete den zweiten Platz ins Ziel. Vier Minuten hinter Raña, dem Sieger der Premiere des Ironman 70.3 Lanzarote. Für den war die 70.3-Premiere aber nur ein kleiner Schritt zu einem großen Ziel. Schon im Oktober 2013 will er in Kona am Start des Ironman Hawaii stehen. Schon in zwei Wochen geht Raña beim Ironman Cozumel in Mexiko auf die Jagd nach den nächsten Punkten fürs Kona Pro Ranking. Boris Stein krönte nicht nur ein großes Rennen sondern auch seine starke Saison mit dem dritten Platz.
Ironman 70.3 Lanzarote | Männer
10. November 2012, La Santa/Lanzarote (ESP)
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Ivan RañaESP4:07:3522:172:27:431:13:27
2Ronnie SchildknechtSUI4:11:2724:022:24:261:18:51
3Boris SteinGER4:12:5925:222:26:271:16:45
4Alessandro DegasperiITA4:13:3224:002:30:281:14:45
5Victor del CorralESP4:13:3526:242:28:141:14:30
6Bert JammaerBEL4:13:5923:442:29:361:16:22
7Konstantin BachorGER4:16:0724:002:27:571:19:54
8Patrick JabergSWE4:17:3225:152:29:481:17:46
9Erik-Simon StrijkNED4:17:5124:462:32:291:15:35
10Massimo CiganaITA4:19:4327:492:28:261:18:39

Hup Holland Hup!

Über die knapp verpasste Olympiateilnahme im Sommer wird Danne Boterenbrood der Sieg bei ihrem 70.3-Debüt nicht hinwegtrösten - dennoch dürfte die Trophäe einen besonderen Platz in ihrer Wohnung im niederländischen Zwolle bekommen. In keiner Minute des Rennens geriet der eindrucksvolle Sieg der 27-Jährigen in Gefahr. Allein die Belgierin Sophie De Groote blieb ihr im Nordwesten Lanzarotes über mehr als viereinhalb Stunden auf den Fersen. In Schlagdistanz  Boterenbroods kam aber auch sie nicht. 40 Sekunden schwamm die schon beim 1,9 Kilometer langen Auftakt auf die Dänin Michelle Vesterby und die Deutsche Katja Konschak heraus. Auf dem schweren Radkurs war die Niederländerin dann zwar etwas langsamer unterwegs als De Groote. Der hatte sie aber im Wasser schon fast drei Minuten abgenommen. Die Vierte des Ironman Hawaii 2012, Sonja Tajsich, verlor in ihrer nach wie vor schwächsten Disziplin sogar mehr als vier Minuten auf die Kurzdistanzathletin. Ihre Versuche, die Niederländerin auf den 90 Radkilometern zu stellen, scheiterten. Die viertschnellste Laufzeit des Tages reichte schließlich noch zum Sprung aufs Treppchen - ein gelungenes Saisonfinale für die 36-jährige Regensburgerin. Konschak, die auf der Radstrecke viel Zeit verlor, glänzte beim Halbmarathon mit der Bestzeit und schob sich so noch auf den vierten Platz nach vorn.
Ironman 70.3 Lanzarote | Frauen
10. November 2012, La Santa/Lanzarote (ESP)
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Danne BoterenbroodNED4:40:0524:052:44:551:26:29
2Sophie De GrooteBEL4:41:5526:582:43:301:26:28
3Sonja TajsichGER4:44:0328:212:45:531:24:25
4Katja KonschakGER4:48:1624:492:57:381:20:47
5Eva LedesmaESP4:49:2427:282:53:121:23:54
6Eimear MullanIRL4:54:0928:202:57:021:23:24
7Michelle VesterbyDEN4:58:4924:442:58:271:30:36
8Mareen HufeGER5:01:1129:462:56:521:28:58
9Bella BaylissGBR5:01:4627:362:58:481:29:36
10Hanneke de BoerNED5:09:1926:003:02:401:35:16