Rapp siegt, Hecht leidet, Henning krampft und Sutton schimpft

Alles riskiert - und Platz drei gewonnen. Beim Ironman Texas setzte Mathias Hecht alles auf die Rad-Karte, hatte zum Schluss aber keine Chance gegen den immer stärker werdenden Jordan Rapp. Bei den Frauen siegte Mary Beth Ellis von vorne weg - bevor sich ihr Coach Brett Sutton die Zweitplatzierte zur Brust nahm.

Von > | 19. Mai 2012 | Aus: SZENE

Mary Beth Ellis | Mary Beth Ellis gewinnt den Ironman Regensburg

Mary Beth Ellis gewinnt den Ironman Regensburg

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Ob beim Memorial Ironman Texas die Acht-Stunden-Marke fallen würde, wurde vorher in den amerikanischen Fachmedien gerätselt. Und so mancher Profi - wie der Däne Rasmus Henning - beteiligte sich an den Spekulationen. Nicht so Mathias Hecht: "Das werden keine einfachen Bedingungen", hatte der Schweizer  vor dem Wettkampf im Interview mit tri-mag.de angekündigt. "Ich bin mir sicher, dass dieses Rennen seine Opfer fordern wird."

Grundsätzlich war Hecht also durchaus bewusst, welches Risiko er einging, als er sich, mit der schnellsten Gruppe um Rasmus Henning, Brandon Marsh und Joe Umphenour aus dem Wasser geklettert, daran machte, auf der Radstrecke auf und davon zu ziehen. Zunächst begleitete den Schweizer noch Henning, der sich den Sieg und die sichere Hawaiiqualifikation auf die Fahnen geschrieben hatte. Dann musste aber auch er Tempo rausnehmen. Und für Hecht begann eines der einsamsten und längsten Rennen seiner Karriere.

"Ihr sagt: schlechte Taktik, ich sage: Das ist mein Weg"

"Jetzt weiß ich, wie sich Chris Lieto nach den 180 Radkilometern fühlen muss", erklärte Hecht später. In 4:18:17 Stunden hatte er die Radrunde in Texas absolviert und dabei einen neuen Streckenrekord aufgestellt. "Ich war gekommen, um das Rennen zu gewinnen, aber nach dem Radfahren war nicht mehr viel im Tank. Ihr nennt es schlechte Taktik, ich sage: Das ist nun einmal mein Weg", erklärte Hecht. "Ich hatte nicht geplant, so schnell zu sein. Aber mein Coach (Brett Sutton) erlaubt es mir nicht, ein SRM-Gerät zu benutzen", meinte er - und lachte wieder. Und eine Weile lang sah es nach dem zweiten Wechsel ja auch noch so aus, als könne Hecht über seinen zweiten Ironmansieg nachdenken. Bis der Amerikaner Jordan Rapp aufdrehte.

Denn der ITU-Langdistanzweltmeister und zweifache Sieger des Ironman Kanada hatte sich auf der Radstrecke bewusst zurückgehalten, um allen Kritikern zu beweisen, dass er auch laufen kann. Mit über zwölf Minuten Rückstand auf die Marathonstrecke gewechselt, startete Rapp, der 2013 seine Premiere beim Ironman Hawaii geben will, seine Aufholjagd. 2:46:55 Stunden wies die Zeitmessung am Ende für seinen 42-Kilometer-Lauf aus - Tagesbestwert, 25 Minuten schneller als Hecht. Und für den Schweizer war das nicht das einzige Übel an diesem Tag: Auf den letzten Metern schloss auch noch der zweitschnellste Läufer des Tages, Justin Daerr (USA), zu Hecht auf und zog vorbei. Platz drei rettete Hecht letztlich noch ins Ziel, damit zog er sich deutlich besser aus der Affäre als Rasmus Henning. Der hatte, so heißt es aus seinem Team, beim zweiten Wechsel seine Gels und Salztabletten verloren, hielt sich eingangs der dritten und letzten Laufrunde hinter Rapp und Hecht trotzdem noch auf dem dritten Rang. Doch dann rächte sich das Missgeschick vom Wechsel. Krampfgeplagt wurde der Däne noch bis auf den siebten Platz durchgereicht, dürfte sein Hawaii-Ticket mit nun 3.440 Punkten aber sicher haben. Christian Brader wurde mit soliden Leistungen in allen Disziplinen als bester Deutscher Achter.

Ironman Texas | Männer

  1. Mai 2012, The Woodlands, Texas (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Jordan Rapp

USA

8:10:44

0:53:36

4:25:43

2:46:55

2

Justin Daerr

USA

8:22:15

0:55:27

4:33:51

2:48:33

3

Mathias Hecht

SUI

8:22:58

0:48:54

4:18:17

3:11:29

4

Joszef Major

HUN

8:27:19

0:59:16

4:24:54

2:57:30

5

Brandon Marsh

USA

8:30:18

0:48:48

4:35:39

3:01:02

6

Joe Umphenour

USA

8:36:19

0:48:48

4:40:21

3:01:46

7

Rasmus Henning

DEN

8:37:23

0:48:55

4:30:55

3:13:36

8

Christian Brader

GER

8:39:07

0:59:19

4:33:32

3:01:53

9

Matthew Russell

USA

8:42:50

1:04:47

4:39:52

2:53:25

10

Pedro Gomes

POR

8:44:53

0:53:31

4:38:48

3:07:54

Swipe me

Sutton verunglimpft den "Snowstorm"

Eine ähnliche Taktik wie Hecht bei den Männern hatte auch dessen Teamkollegin Mary Beth Ellis (USA) bei den Frauen gewählt - nur musste sie die Arbeit nicht ganz allein machen. Begleitet von der Amerikanerin Amy Marsh stiefelte Ellis, im vergangenen Jahr Siegerin der Ironman-Rennen in Österreich, Regensburg und Kanada, dem Feld davon und erarbeitete sich ein großes Polster für die abschließenden 42 Kilometer. Eines, das sie auch brauchte - nicht, weil sie so langsam gelaufen wäre, sondern weil Caitlin Snow, die aktuell beste Läuferin im Langdistanztriathlon, es so schnell tat. In 2:51:46 Stunden rannte die US-Amerikanerin trotz Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit die abschließenden 42 Kilometer. Und ließ damit auch Amy Marsh, die nach dem zweiten Wechsel 25 Minuten Vorsprung gehabt hatte, noch hinter sich. Bis auf knapp sieben Minuten kam sie damit an Ellis heran. Und traf damit offenbar einen wunden Punkt beim streitbaren TeamTBB- und Ellis-Coach Brett Sutton. "Ich verstehe Twitter nicht, aber ich verstehe TRI-athlon", harrschte der Twitter-Neuling seine Follower auf der Internetplattform an  und fand, dass es einer Ausdauer-Dreikämpferin unwürdig sei, nur auf ihre eine große Stärke zu setzen. "Mrs. Snow hat keinen Mut gezeigt, sie ist einfach nur schnell gelaufen. Ich denke, sie läuft schneller als Chrissie (Wellington) und Rinnie (Mirinda Carfrae)", gab er immerhin zu, "aber das war immer noch ein Triathlon." Einer, den sie auf einem guten zweiten Platz beendete - ob nun feige oder nicht.

Ironman Texas | Frauen

  1. Mai 2012, The Woodlands, Texas (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Mary Beth Ellis

USA

8:54:58

0:53:32

4:45:52

3:11:09

2

Caitlin Snow

USA

9:01:32

0:55:32

5:08:54

2:51:46

3

Amy Marsh

USA

9:04:00

0:53:33

4:45:51

3:20:13

4

Corinne Abraham

GBR

9:18:39

1:04:06

5:08:21

3:01:50

5

Charisa Wernick

USA

9:27:43

0:59:11

5:07:33

3:16:28

6

Sarah Piampiano

USA

9:47:38

1:03:13

5:09:00

3:30:18

7

Michelle Leblanc

USA

9:53:59

1:03:44

5:14:32

3:29:52

8

Christie Sym

AUS

9:55:56

0:59:09

4:58:48

3:53:01

9

Amy Mcgrath

USA

9:56:18

1:06:46

5:20:18

3:23:12

10

Haley Chura

USA

9:59:45

0:50:22

5:25:10

3:39:14

Swipe me